Bücher im März (2022)

Hey März! Letzten Monat habe ich mich beschwert, dass ich in eine Leseflaute rutsche, da hat 2022 mir gleich zwei Gelegenheiten gegeben, das hinter mir zu lassen. Wie wäre es mir einem kurzen Urlaub und danach fucking Corona? Naja, gelesen habe ich dadurch nicht viel mehr, so richtig drin bin ich noch immer nicht. Ich habe das Gefühl, als lese ich thematisch so querbeet, dass im Moment nicht viel hängen bleibt. Hier meine Bücher des Monats.


Rezension horrorstor

Horrorstör – Grady Hendrix

Letztes Jahr fühlte ich mich mit „The Southern Bookclub’s Guide to Slaying Vampires“ sehr gut unterhalten. In meiner kleinen Leseflaute hier dachte ich mir also, vielleicht kann Grady Hendrix mich da rausholen. Stellt sich raus: Ja, kann er. Also ein bisschen. Das hier war so lustig und kurzweilig und dann manchmal auch richtig gruselig, dass ich das gerne weiterempfehle. Der Gimmick ist: die ganze Handlung spielt im Ikea (also im Orsk, jaja) in einer Nacht und das Buch sieht auch so aus wie ein Möbelkatalog. I mean, look at it! Zur Handlung: Amy ist eine der angestellten Arbeitsbienen, findet alles blöd, und soll jetzt auch noch zusammen mit ihrem nervigen Vorgesetzten und ein paar Kolleg:innen die Nacht im Möbelhaus verbringen, um herauszufinden, warum morgens immer häufiger Möbel kaputt sind etc. Diese Nacht ist dann natürlich alles andere als ruhig und die Gruppe muss mit Menschen und Monstern ums Überleben kämpfen. Der Plot ist nicht wahnsinnig innovativ, aber durch das besondere Setting, fühlte ich mich gleich ganz drin in der Geschichte, stöberte mit den Figuren in den einzelnen Abteilungen. Das Buch macht Spaß.

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Rezension the employees

The Employees. A workplace novel of the 22nd century – Olga Ravn

The Employees ist ein kurzer Scifi-Roman. Die Handlung muss man sich selbst erschließen, denn der Text ist eine Aneinanderreihung von kurzen Statements der Angestellten auf einem Raumschiff. Es sprechen Menschen und Humanoide. Vor kurzem haben sie auf einem fremden Planeten ein paar Aliens gefunden und nun in ihrem Raumschiff mitgenommen. Es entwickelt sich nun eine seltsame Verbundenheit mit diesen Wesen. Alle fallen in eine leichte Melancholie, vermissen entfernte Orte und Personen mehr als sonst, fragen sich, was es heißt, ein Mensch zu sein. Die Handlung tritt in den Hintergrund (auch wenn am Ende doch noch etwas „passiert“), der Fokus liegt auf der Stimmung. Jemand schrieb, das Buch sei wie ein kleiner Arthouse-Film an einem Sonntagnachmittag und das trifft es genau. Ich habe es gemütlich gelesen und mich unterhalten gefühlt. Bleiben muss es aber nicht.

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Rezension corona-krieger

Corona-Krieger: Verschwörungsmythen und die Neuen Rechten – Annelie Neumann, Matthias Kamann

Das Cover ist so doof, aber ich hatte zum Glück gelesen, dass das Buch sehr durchdacht und analytisch sein solle. Veröffentlicht wurde es Anfang 2021, es kann also nur eine Momentaufnahme sein. Das Buch zeigt gut belegt, woher aktuell populäre Verschwörungsmythen kommen und wie diese von rechten Gruppierungen und Parteien genutzt werden, um mehr Menschen auf ihre Seite zu ziehen. Dabei bezieht sich das Buch natürlich vor allem auf die Querdenker-Bewegung, warum sie so sehr an unbelegten Alternativmedizin-Mythen festhalten und dass die besonders aggressiven Geschichten im Kern immer Antisemitisch sind. Noch besser hat mir der zweite Teil gefallen, in dem aufgezeigt wird, wie die AFD in der Corona-Krise ihren Kurs geändert hat, um genau hier nach Wählern fischen zu gehen. Ich hätte mir noch mehr Infos dazu gewünscht, wie man diesem Verschwörungsdenken entgegentreten kann und wo die Gefahren der Radikalisierung liegen. Zu letzterem gab es ein bisschen Info, aber das Buch ist ein guter Ansatz, um sich kurzweilig in das Thema einzulesen und bei Bedarf weiter zu recherchieren. 

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Buch Mama

Mama – Jessica Lind

Eine abgelegene Hütte im Wald, Josef und Amira wollen sich ein paar Tage Auszeit nehmen und an ihrem Kinderwunsch arbeiten. Aber zu der Vorfreude kommen auch Zweifel hinzu. Und Zeitdruck. Und was ist das eigentlich für eine seltsame Hündin, die alleine durch den Wald streift? Was sind das für Geräusche, die Amira nachts hört? Jessica Lind verwebt im Buch die klassische Wald-Gruselstory mit Ängsten der Mutterschaft; auch Gefühle von Verantwortung und Versagen. Es ist ein leiser und subtiler Horror. Die Wahrnehmung verschiebt sich. Amira weiß nicht mehr, was Wunsch ist und was Realität. Das Buch hat eine tolle Atmosphäre, ist gruselig, düster und spannend. Die klare Sprache hat mich tief in die Story gezogen und es mich ganz schnell lesen lassen. Kann ich sehr empfehlen.

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buch crossroads

Crossroads – Jonathan Franzen

Der große Jonathan Franzen erzählt eine epische Familiengeschichte aus den 1970er Jahren. Ich sehe da alle meine Lesevorlieben bestätigt. Wir folgen abwechselnd den einzelnen Familienmitgliedern einer dysfunktionalen Pfarrerfamile im ländlichen Amerika. Teilweise über viele Jahre. Zum Beispiel Vater Russ; der hat nicht nur Probleme mit dem einem konkurrierenden Pfarrer, der bei den Teenagern der Gemeinde viel besser ankommt, er ist auch schwer verliebt und will seine Frau betrügen. Oder der älteste Sohn Clem, der aus moralischen Gründen sein College schmeißen und als Soldat in den Vietnam-Krieg eintreten will. Es geht im Buch viel um Erwartungen, um die Liebe zu Geschwistern und sich selbst, um Eifersucht, Lust und Konventionen. Wir verlieren zusammen mit den Figuren den Glauben und finden ihn wieder. Das ist alles so gut und trotzdem habe ich wie immer bei Franzen ein Problem: Es ist mir alles irgendwie egal. Ich habe so lange gebraucht, bis die Figuren für mich keine ausgedachten Charaktere mehr waren, bis mich die Story abgeholt hat. Und das kann bei 830 Seiten schnell sehr mühsam werden. Trotzdem: Das hatte ich bei Franzen schon mehrmals, also – It’s not you, it’s me.

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buch eine wie Alaska

Eine wie Alaska – John Green

Jugendbücher handeln oft von den ganz großen Gefühlen, den ganz großen Dramen und Ereignissen. Das ist bei diesem Buch nicht anders. Was genau passiert, kann ich nicht erzählen, ohne dass es ein großer Spoiler ist. Wie also erzähle ich von dem Buch? Vielleicht mit der Ausgangssituation. Miles ist ein Teenager, hat keine Freunde und lässt sich auf ein Internat versetzen, weil er glaubt, da richtig was zu erleben. Womit er recht hat, denn in seiner neuen Schule gehört er plötzlich dazu. Endlich wird heimlich geraucht, werden lustige Streiche gespielt und inspirierende Bücher gelesen. Und dann ist da noch die unabhängige, coole Alaska, in die er sich natürlich sofort verliebt. Klingt alles ganz typisch, oder? Ist es auch. Aber wenn man gerade Lust auf sowas hat, dann ist das hier einer der Klassiker des Genres, denke ich. 

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buch das flüssige Land

Extra: Das flüssige Land – Raphaela Edelbauer

{Presseexemplar} 2019 war das Buch meine Buchpreisentdeckung und in meinem Jahres-Best-of. Jetzt ist es als Taschenbuch erschienen, daher möchte ich es euch noch mal ans Herz legen. Das Buch ist für Fans eher surrealer Geschichten mit einer seltsamen Handlung. Als Ruths Eltern sterben, macht sie sich auf den Weg in deren Heimat, das mystische Dorf Groß-Einland in den Bergen Österreichs. Dort entdeckt sie die nette Dorfgemeinschaft mit vielen, vielen Geheimnissen. Unehrlichkeit, Schweigen, Augen verschließen. Was passiert hier eigentlich? Warum ist da ein großes Loch unter dem Dorf, in dem nach und nach alles versinkt? Warum ignoriert es die Gemeinschaft? Was hat die autoritäre Gräfin damit zu tun? All das ist eigentlich egal. Auch Ruth verdrängt und lenkt sich ab, stürzt sich ins Vergessen und Aufklären gleichermaßen. Alles hier fließt, verändert sich und ist in Gefahr. Das gilt für die Natur, die Protagonistin und das Erinnern. „Das flüssige Land“ ist ein tolles Buch, auf das man sich einlassen muss. Ich mochte es sehr.

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