Bücher im November (2021)

Ich hänge mal wieder ziemlich hinterher mit meinen Lesemonaten, aber ich habe im Dezember auch crazy viel zu tun. That’s life. Hier also kommt der Überblick über alles, was ich im November gelesen habe: Da ist alles dabei –  ein seltsamer Klassiker, ein seltsamer Comic, ein ruhiger Urlaubsroman, ein wunderbarer aktueller Roman und ein richtig guter Krimi. 


John Updike hexen von eastwick

Die Hexen von Eastwick – John Updike

Kennt ihr so Bücher, bei denen man an sich selbst zweifelt, weil man einfach nicht das sieht, was andere darin sehen? Ich hatte richtig Lust drauf: Klassiker aus dem 1980ern, herbstliche Hexerei, 1a-Cover. Angeblich warteten hier auf mich ein charmantes Buch über Hexen und eine „augenzwinkernde Satire über Feminismus“. Nun ja, ich bekam: Langeweile, keine Story, kopfschüttelnde Miriam am Pool. Darum geht’s: In einer Kleinstadt wohnen drei geschiedene Frauen, die zufällig auch hexen können, was in ihrer Welt nicht aufregend zu sein scheint. Eher ein bisschen wie Esoterik, die wirklich funktioniert. Dann zieht der reiche Kunsthändler Daryl van Horne (ja, der heißt so) in die Stadt und alle drei sind sofort verliebt, obwohl der Herr so nervt, wie nur reiche Kunsthändler in den 1980ern nerven können. Nicht ganz spoilerfrei kann ich euch versichern, dass das Buch so ausgeht, wie man es sich vorstellt. Die Hexen werden böse und machen sich auf die Suche nach neuen Männern. Wow. Ich habe das eigentlich nur weitergelesen, weil ich die Frauen an sich cool fand – happy Hexen, die ständig Babysitter suchen, um sich mit ihren Freundinnen oder Liebhabern zu treffen. Der ganze Rest lässt mich gähnend zurück. 

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snot girl comic

Snotgirl – Bryan Lee O’Malley 

Hier kommt Glitz und Glam: Die Welt der super-normschönen Fashionbloggerin Lottie Person. Aber halt, gleich auf den ersten Seiten erfahren wir, dass das alles Schein ist, denn eigentlich ist Lottie gerade von ihrem Boyfriend verlassen worden, hat eigentlich keine richtigen Freundinnen und dann auch noch das: Sie hat schlimme Allergien, mit denen sie alles vollschleimt. Haha, das war doof und gleichzeitig so much fun. Herrlichste Oberflächlichkeit und Charaktere, die man nicht mag. Aber auch Verbrechen und Intrigen und Schleim, Blut und Tränen. Bryan Lee O’Malley ist der Autor des Comics Scott Pilgrim, das ich sehr mochte. Snotgirl kommt da nicht ran, aber ich leihe mir auch gerne die nächste Ausgabe aus der Stadtbibliothek aus, wenn ich sie sehe.

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Zum Fluss. Eine Reise unter die Oberfläche – Olivia Laing

{Presseexemplar} Das Wetter ist fies, die 4. Welle schwemmt mich weg und ich will eigentlich wieder in den Urlaub. Weil das nicht so einfach geht, habe ich es mit diesem Buch versucht. Darin ist es Hochsommer und die Erzählerin wandert alleine die Ouze von der Quelle bis zur Mündung ab. Die Ouze ist der Fluss, in dessen Nähe Virginia Woolf gewohnt und in dem sie sich das Leben genommen hat. Aber auch sonst ist drum herum jede Menge geschichtlich Interessantes passiert, von dem uns die Erzählerin berichten kann. Eine Story im klassischen Sinn gibt es dabei nicht. Die Erzählerin erzählt, was sie an den Ufern so sieht und lässt ihre Gedanken schweifen. Das mag für viele langweilig klingen, mich hat es die meiste Zeit schön entspannt. Zu viel wurde es mir allerdings immer wieder bei den viel zu langen Naturbeschreibungen. Wer sich in der Pflanzen- und Tierwelt gut auskennt, wird da sicher Spaß dran haben. Aber ich bin ein City-Girl und kann das eine Grün nicht von dem anderen unterscheiden. Trotzdem: ein entspanntes Buch. Und ich habe noch ein paar Sachen über Virginia Woolf und Dinosaurier gelernt. 

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Ministerium der Träume – Hengameh Yaghoobifarah

Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich ein Buch, in dem es um den Tod eines geliebten Menschen geht, im Moment gut lesen kann. Turns out: Wenn es so gut geschrieben und in eine Erzählung verpackt ist, kann ich. Unsere Erzählerin heißt Nasrin, ist lesbisch, Türsteherin in Berlin, stammt aus dem Iran, führt also nicht das alltäglichste Leben und kennt sich mit Diskriminierung aus. Nasrin verliert ihre Schwester bei einem Autounfall. Das bleibt nicht ohne Folgen, denn nun muss sie sich nicht nur mit ihrer Trauer auseinandersetzen, sondern auch die Vormundschaft ihrer Teenager-Nichte übernehmen und die traumatische Beziehung mit ihrer Mutter aufarbeiten. Neben dem großen Thema Trauer, das Hengameh hier sehr zärtlich, mitfühlend, aber auch mit klaren Worten beschreibt, geht es noch um Migration und Flucht, Trauma, Familie und Identität. Alles schwere Themen, alles vollkommen nachvollziehbar, ganz vielschichtig, spannend und liest sich so weg. Das war toll. Am Ende wird es mir leider ein wenig zu sehr zum Kriminalroman. Die Pauken und Trompeten hätte es nicht gebraucht.

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tannöd krimi

Tannöd – Andrea Maria Schenkel

Habe ich da etwa einen Krimi gefunden, der mir richtig gut gefällt? Ja! Ich bin mir gar nicht sicher, ob es an der kurzen Knackigkeit oder dem ungewöhnlichen Stil liegt, aber ich habe das Buch an zwei Tagen weggeatmet. Von vorne: Tannöd ist ein abgelegener Hof in einem Dorf in Bayern, auf dem ein schreckliches Verbrechen passiert ist. Eine ganze Familie samt Kindern und Haushälterin wurde ermordet und wir wollen herausfinden, was passiert ist. Dabei greift die Autorin fast ausschließlich auf Zeugenaussagen zurück, d.h. verschiedene Menschen im Dorf erzählen ihre Version der Geschichte, beziehungsweise woran sie sich erinnern können. Mit jedem neuen Bericht eines Menschen krabbeln wir etwas näher an des Rätsels Lösung heran, und weil es so spannend war, verzeihe ich der Autorin auch, dass sie dieses Stilmittel nicht ganz durchhalten konnte. Weil das Ganze kurz nach dem zweiten Weltkrieg spielt, fühlt sich alles historisch und weit weg an; weil es so direkt und vertraut geschrieben ist, spannend wie True Crime.

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