Bücher im August (2021)

Im August habe ich noch ein bisschen die Sonne genossen und bin in den Urlaub nach Brandenburg gefahren. Es sieht ja gerade schon fast so aus, als müssten wir uns schon wieder von dem guten Wetter verabschieden. Aber hey, jedes Jahr sage ich es wieder: Den Herbst mag ich am liebsten. Da gibt es (normalerweise) die besten Konzerte, Sonnenstrahlen, über die man richtig dankbar ist, und viel Lesezeit. Im August aber erstmal: Zwei sehr tolle Bücher, ein sehr seltsames und eines, das mich eher gelangweilt hat.

Rezension Bahnen ziehen

Bahnen ziehen – Leanne Shapton

Ich habe letztens schon über die wunderbar ungewöhnlichen Bücher von Leanne Shapton berichtet: in „Gästebuch“ entwirft sie mit Texten und Bildern eine Collage zum Thema Gespenster, in „Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke“ erzählt sie die Geschichte einer Beziehung anhand scheinbar unwichtiger Gegenstände. (Sind beide toll.) „Bahnen ziehen“ ist da fast eine klassische Erzählung, denn Shapton berichtet in vielen kurzen Kapiteln und Erinnerungen über ihre Liebe zum Schwimmen. Viel wichtiger als das aber: wieder schafft sie es, ein Gefühl zu transportieren. Man steht mit ihr früh auf, riecht das Schwimmbad, macht sich fertig für den Wettkampf, kehrt immer wieder zurück. Ich konnte beim Lesen das Wasser spüren und möchte jetzt alle historischen Schwimmbäder in meiner Gegend besuchen.

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Rezension erste liebe

Erste Liebe – Iwan Turgenjew

Mein erster Turgenjew – ganz kurz, die Sprache fein, die Handlung eher mau. In der Erzählung berichtet uns Wladimir von seiner Nachbarin Sinaïda, die ein paar Jahre älter ist als er und einige Verehrer unterschieden Alters und Standes um sich scharrt. Natürlich verliebt sich Wladimir und lässt sich mehr und mehr um den Finger wickeln, ohne dass irgendwas Dramatisches geschehen würde. Die Liebe wird nicht erwidert, bleibt unglücklich, Punkt. Aus heutiger Sicht alles ein bisschen seltsam und langweilig. 

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Rezension Klara und die Sonne

Klara und die Sonne – Kazuo Ishiguro

{Presseexemplar} Ein neues Buch von Kazuo Ishiguro mit starken „Alles, was wir geben mussten“-Vibes? Ja, ich bitte, hier! Es ist wieder ein bisschen SciFi (keine Angst davor haben) und auch wieder sehr langsam und ruhig (auch davor nicht) und ich mochte alles daran. Wir betreten darin eine Welt, in der Kinder alleine zu Hause bleiben und aus der Ferne unterrichtet werden. Damit sie trotzdem einen sozialen Kontakt haben, gibt es KFs (Künstliche Freunde), die man sich nach Hause holt, mit denen gespielt und geredet wird, und die die Entwicklung unterstützen. Klara ist genau so eine KF und wir lernen die Welt mit ihren Augen kennen. Zuerst noch im Laden, später dann in ihrer neuen Familie zusammen mit Josi und ihrer Mutter. Klara lernt die Welt Stück für Stück kennen und versucht das Erlebte mit ihrem vorprogrammierten Wissen zusammen zu bringen. Brauchen wir die Sonne zum Überleben? Wie kann man am besten für eine Person sorgen? Wie ist der Umgang mit Krankheit und Trauer? Es passieren viele wirre Dinge im Buch, auf die man sich einlassen muss. Die Mechanismen dieser Welt bekommen wir dabei aber (leider) nie ganz zu fassen. Generell wird wenig erklärt, es ist mehr ein Gefühl, das bleibt. 

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Rezension In Wassermelonen Zucker

In Wassermelonen Zucker – Richard Brautigam

Wer Lust auf ein richtig seltsames Buch hat, ist hier genau richtig. Eine simple Geschichte wird darin in eine Welt gesetzt, in der man sich ununterbrochen fragen muss: Was ist hier eigentlich los? Wir befinden uns darin in Wassermelonen Zucker, ein Ort, der so heißt, weil absolut alles hier aus Wassermelonen-Zucker gebaut ist. Die Sonne scheint hier jeden Tag in einer anderen Farbe. Die Menschen treffen sich zum gemeinsamen Essen und gehen sonst ihren Aufgaben nach: Wassermelonen anpflanzen, Statuen bauen oder schöne Dinge in den vergessenen Werken sammeln. Brautigam stellt hier Erzählkonventionen auf den Kopf und alles, was wir erwarten, in Frage. Irgendwie ist es schön in Wassermelonen Zucker, trotzdem gibt es auch eine Menge, über das man sich Gedanken machen muss. Seltsam. Und wie eine Grundreinigung für den Kopf.

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