Bücher im April (2022)

Diesen Monat kehre ich schweren Herzen zurück zu weiterführenden Links zu Amazon. Einig sind wir uns ja hoffentlich alle darin, dass Amazon der Teufel ist, leider muss ich aber gestehen, dass das Affiliate-Programm bei denen so viel komfortabler ist als bei anderen Anbieter:innen. Ich habe es jetzt ein paar Mal bei Genialokal probiert, aber wie anstrengend ist es, dass da so wenig Buchhandlungen mitmachen und alles irgendwie um 5 Ecken passiert. Nun ja, bis sich der Buchhandel mal auf irgendwas einigt, leite ich euch für mehr Infos erstmal wieder zu Amazon weiter. Ihr könnt euch ja dort informieren und Bücher dann trotzdem im Buchhandel kaufen. 🙂


Die Toten Hosen – Thees Uhlmann

Wie immer kann ich bei der Kiwi Musikbibliothek sagen: a) sie ist großartig und b) es geht mehr um die:den Autor:in als um die Band. Auch hier also: Ich weiß jetzt nicht viel mehr über Die Toten Hosen als vorher, aber ich bin mit Thees Uhlmann auf eine herrliche Reise gegangen. Wir haben den ersten Punkrock auf dem Dorf erlebt, in der Küche gesessen und mit Mutti telefoniert, Konzertabenteuer und Kommerzjobs durchlebt. Und vor allem: Der einen Band treu bleiben, an die man früh sein Herz verloren hat. Auch wenn sie gar nicht mehr so cool sind, auch wenn man mittlerweile die Telefonnummer vom Sänger im Handy hat. Ich würde den Stil von Uhlmann jetzt mal als “bodenständig und leicht verwirrt” beschreiben, und ich mag ihn sehr. Extra-Tipp: Schaut euch auf jeden Fall sein Buch “Sophia, der Tod und ich” an.

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Mexican Gothic – Silvia Moreno-Garcia

Eine klassische Gothic Novel ist düster und handelt von übernatürlichen Dingen. Dabei wird vieles romantisiert, das Setting ist manchmal wichtiger als die Handlung. Insofern macht dieses Buch hier alles richtig: Wir begleiten Noemí, die sich gerne hübsch macht und in Mexico City auf Partys geht (es spielt in den 1950ern), an einen abgelegenen Ort, in dem sie nach ihrer Cousine Catalina schauen soll. Die hat vor kurzem in eine seltsame Familie eingeheiratet, ist nun krank uns schreibt wirre Briefe. Was Noemí in High Place (so heißt das abgelegene große Haus) erwartet, sind viele Geheimnisse, unangenehme Begegnungen und eine rätselhafte Familiengeschichte. Die Handlung ist erst sehr langsam und wird dann absurd. Für Fans von schnellen Thrillern mit guter Auflösung ist das also eher nix. Das Buch punktet dagegen ganz klar mit einer herrlich schaurigen Stimmung. Man kann fast die Kleider rascheln hören, den feuchten Schimmel riechen und den süßen Wein schmecken. Feudal, üppig! Das Ende ist trotzdem way too much für mich.

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Die Mitternachtsbibliothek – Matt Haig

Irgendwann holt der Hype mich ja auch ein. Auf wie vielen Lieblingsleselisten das Buch im letzten Jahr stand – und ständig hatte ich die Vermutung, dass es für mich einfach nur so ein Buch sein wird… Die Idee ist nett: Nora ist sehr unglücklich und beschließt zu sterben. Vorher landet sie aber in einer Bibliothek, deren Bücher sie in unendlich viele Parallel-Leben bringen. Jede mögliche schlechte Entscheidung, die sie jemals getroffen hat, kann sie so hinterfragen, immer wieder schauen, wie es anders gewesen wäre. Doch heiraten und Kinder kriegen? Doch nach Australien auswandern? Doch die Schwimmerinnen-Karriere verfolgen? Ich wusste beim Lesen sofort, was mich erwartet und wie das Buch ausgehen wird. Wenig Überraschungen, aber ganz nett. Am Ende wurde es mir dann aber doch viel zu viel deepes Selfhelp-Gedöns. Puh.

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Im Grunde gut – Rutger Bregman

{Presseexemplar} Ich habe seltsamerweise bei wenigen Büchern so viel Gegenwind bekommen, wie bei diesem Buch. Schon als ich es nur in meinen Insta-Storys gezeigt und von der Prämisse erzählt habe: Rutger Bregmann geht davon aus, dass Menschen nicht die selbstsüchtigen, gewaltbereiten Wesen sind, für die wir sie halten und vor denen wir uns beschützen müssen, sondern genau das Gegenteil – im Grunde gut; sozial und freundlich. Rousseau gegen Hobbes mal wieder. Um das zu beweisen, macht er sich auf die Suche nach Geschichten und Studien, die seine Theorie belegen. Und das schon vorneweg: Ich mochte das Buch so, so gerne. Nicht, weil ich hier neue Erkenntnisse und konkrete Handlungsanweisungen erwartet habe, sondern weil die Optimistin in mir sich trotz der Weltlage und all den schlechten Nachrichten mal wieder richtig gut fühlen wollte. Und so nimmt sich Bregmann nach und nach all die Geschichten vor, die sonst für die Theorie des “schlechten Menschen” herhalten müssen (Der Herr der Fliegen, Stanford Prison Experiment, Krieg, Hass, etc.). Er erklärt, warum es der soziale Menschenaffe war, der die Evolution gewonnen hat, und zeigt am Ende auch noch Ansätze für Schulen oder Gefängnisse, die es anders machen und damit auch noch erfolgreich sind. Ein großes Herz von mir also, auch für die Leute, die jetzt wieder schreien. Die sollen das auch lesen.

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Sie hat Bock – Katja Lewina

Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie wenig über weibliche Lust und Sex gesprochen wird, selbst unter Frauen. Selbst unter Freundinnen. Ist es, weil uns die Worte fehlen? Weil wir vielleicht nicht so sollen, wie wir wollen? Katja Lewina spricht jedenfalls Sachen aus. Vieles ist nicht neu, vieles ist nicht für jede:n. Aber immer stößt es Gedanken an und stellt infrage, was Sozialisation ist und was Vorliebe. Ich wünsche mir dieses Buch auf allen Nachtischen von Frauen und Männern. Auf denen von Eltern ganz besonders, damit wir den ganzen Mist in der nächsten Generation nicht wiederholen.

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Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit – Mai-Thi Nguyen-Kim

Wissenschaft ist Wissenschaft, über die Ergebnisse und Konsequenzen daraus kann man sich trotzdem streiten. Das ist auch der Ansatz des Buchs. Zu verschiedenen, aktuell heiß diskutierten Themen stellt Mai Thi Nguyen-Kim die Fakten dar: Legalisierung von Drogen, Videospiele und Gewalt, Alternativmedizin, Impfpflicht, Intelligenz, Gender Pay Gap, Tierversuche, etc. Das macht Streitthemen nicht weniger streitbar, gibt aber eine Basis für eine bessere Diskussion, in der keine Zeit mit Quatschnews und Unwahrheiten verschwendet werden muss. Das ist unaufgeregt, geht aber immer wieder auch ganz schön in die Tiefe, damit man versteht, wie Wissenschaft funktioniert. Sehr aktuell, manchmal ein bisschen anstrengend. Aber das bringen die Themen natürlich mit sich. 

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