Bücher im Juli (2022)

Ein voller Lesemonat mit zwei Jahreshighlights, einem richtig schlechten Buch und einem, an das ich noch ständig denke. Ich fühle mich gerade sehr gut und lese mich durch verschiedene Genres. Jump in!


A closed and common orbit – Becky Chambers

Ich hatte letztes Jahr schon Becky Chambers in meinem Best-of und kann versichern, dass sie dieses Jahr wieder einen Platz bekommt. Hier habe ich den zweiten Teil ihrer Wayfarer-Reihe gelesen, wobei die Bücher nicht wirklich aufeinander aufbauen, sondern nur im selben Universum spielen. A propos Universum: Das hier ist ganz entzückende Science Fiction; eine Welt, in der das Universum groß ist, verschiedene Spezien aufeinander treffen und sich (meist) am leben lassen. Alternierend folgen wir hier zum einen Lovelace, einer AI, die verbotenerweise in einen menschlichen Körper übertragen wurde und nun versucht, damit zurecht zu kommen, und Jane, einem Mädchen, das nur zum Arbeiten geschaffen wurde, aus diesem Schicksal ausbricht und versucht, zu überleben. Auf allerbeste Weise erzählt Chambers wieder eine kleine Geschichte, in der es um ganz viel geht. Fortgehen und ankommen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Arbeit und Bestimmung. Dabei lässt sich natürlich jede Menge auch auf Aspekte in unserer Welt übertragen. Und ich sage es immer wieder gerne: Das kann man auch lesen, wenn man gar kein SciFi mag, das ist einfach sehr gut. 

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Judith und Hamnet – Maggie O’Farrell

Vielleicht war ich zu Beginn ein bisschen skeptisch: Ein Setting um das Jahr 1600 in einem englischen Dörfchen? Historical Fiction? Dann aber geht es um Shakespeare und seine Familie? Mmmmmh. Ich kann das Fazit kurz machen: Wow. Das Buch ist so gut, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte, spannend, einfühlsam und frisch. Wir blicken mal auf Agnes, die eigensinnige Gutstochter, die ihre Stiefmutter nicht leiden kann und sich in den Lateinlehrer verliebt, dann wieder auf Hamnet, den Sohn, den sie Jahre später haben wird und der verzweifelt auf der Suche nach einem Arzt für seine kranke Schwester ist. Dann aber auch auf den erfolglosen William, der sein Glück am Theater in London versuchen will. (Und natürlich wissen wir, wie das ausgehen wird, aber wiiiiie und wann?) Hier drin steckt alles, was es für einen großen Familienroman braucht, und noch mehr, denn nebenher lernen wir auch noch, wie man so um 1600 gelebt hat, was wichtig war, was genau wie heute ist. Dazu kommt ein bisschen Pandemie, ein bisschen Emanzipation, ganz viel Traurigkeit. Ich mochte fast alles daran so sehr. Große Empfehlung!

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Hitze – Victor Jestin

Léonard beobachtet einen Selbstmord. Das ist kein Spoiler, damit beginnt das Buch. Und das bringt alles bei ihm durcheinander. Am Tag danach taumelt er durch die sommerliche Hitzewelle auf dem Campingplatz und fühlt alles, was die Pubertät so hergibt, auf einmal und um so intensiver. Unsicherheit, Lust, Schmerz, Liebe, Angst, Wut … Man spürt die Sonne auf der Haut brennen, die Blicke der Mädchen, die Verzweiflung, nichts mit sich anzufangen zu wissen. Das liest sich schnell und spannend weg und hat mir bis auf das Ende alles sehr gut gefallen. Da schien der Autor irgendwie nicht mehr weiter zu wissen. Trotzdem ein interessantes Debut.

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Heimweh nach einer anderen Welt – Ottessa Moshfegh 

{Presseexemplar} Ich mochte das Cover auf Anhieb, auch wenn es hier gar nicht um 1950er Science Fiction oder unheimliche Storys geht. Ottessa Moshfegh schreibt stattdessen über Abgründe in unserer eigenen Welt. Über die Verlierer:innen und Gestalten, die uns tatsächlich begegnen können. Es geht viel um Selbsthass und um Menschen, die sich aufgeben. Leider variieren die Figuren nicht besonders und beim Lesen geht es irgendwann mehr um Elends-Voyeurismus. Mir fehlte es sehr am Verständnis für die Figuren, die waren durchweg unangenehm beschrieben. Mehr als alles andere störte mich aber die Fettfeindlichkeit, die einen ständig anspringt. Das kann man einmal als Blickwinkel der Figur verkaufen, aber nicht in jeder Geschichte. Immer gibt es nebenbei fette Menschen, die natürlich hässlich sind oder wahnsinnig viel essen, gähn. Eher keine Empfehlung.

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Bunny – Mona Awad

Ich lese oft wirre Bücher. Ich mag es ein bisschen düster und fantastisch. Das hier wurde mir als Dark Academia mit Horroreinschlag angepriesen, das Internet überschlägt sich mit Lob. Sorry, I don’t get it, denn eigentlich war es nur eine 08/15-Collegegeschichte mit düsteren Ideen, die keine Auflösung finden. Darum geht‘s: Samantha ist die Außenseiterin auf ihrem Literatur-Elite-College. Als sie eines Tages von der seltsamen Mädchengruppe, in der sich alle nur gegenseitig und sehr nervig ‚Bunny‘ nennen, in die Clique eingeladen wird, wird sie schneller als ihr lieb ist ein Teil davon. Ich sehe ja, was da alles drin stecken wollte, aber leider waren die Worte groß und die Story dünn und voller Klischees. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin so gerne einen erotischen Roman schreiben wollte, sich aber dann doch nicht getraut hat. #nothankyou

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Zum Paradies – Hanya Yanagihara

Hanya Yanagihara erzählt ausschweifend, das muss klar sein, bevor man sich auf sie einlässt. Ihr Stimme ist für mich aber so interessant, dass ich mich in ihren Welten verlieren kann und das Gefühl genieße, dass es nie aufzuhören scheint. Ihr letztes Buch haben scheinbar schon alle gelesen, aber ich wollte mir ein bisschen Zeit lassen, um meine Gedanken vom Hype zu lösen. In kurz: auch ich finde, dass es nicht an „Ein wenig Leben“ herankommt (das auch nicht muss), aber ich mochte es trotzdem sehr. Wir bekommen in „Zum Paradies“ drei Geschichten (eigentlich vier), die auch alle für sich selbst stehen können. Sie spielen alle im selben Haus in New York und in alternativen Realitäten in den 1890er, 1990ern und 2090er. Hört sich kompliziert an? Ist es auch, denn ständig will man wissen, wie das alles zusammen gehört und verliert sich gleichzeitig in ganz verschiedenen Emotionen der einzelnen Storys. Im Buch steckt viel Politik, Kolonialismus, soziale Ungleichheit, Beziehungen … Irgendwie alles. Was ist am Ende der Weg zum Paradies? Offenbar für jeden Mensch ein unterschiedlicher, aber immer bewegt man sich irgendwo hin, immer sind da andere Menschen. Ich denke jedenfalls noch ständig an das Buch. 

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Stranger Things, Bd 1: Die andere Seite – Jody Hauser

Staffel 4 ist geguckt und schon alles ausdiskutiert? Und was jetzt? Ich hätte da natürlich viele Buchtipps, aber vielleicht ist dieses Comic hier ein kleiner Fix. Es erzählt die Geschichte von Will aus der ersten Staffel, als er im Upside Down gefangen ist. Die kennen wir natürlich schon, aber doch nicht aus seiner Perspektive. Neu ist das hier also nicht, aber die Stimmung holt einen gleich wieder zurück und ist auf den Punkt. Schön für sonntags im Bett.

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