Bücher im Februar (2022)

2022 gibt mir bisher nicht meine beste Lesezeit. Ich fange viele Bücher an und lege sie wieder weg, weil ich mich überhaupt nicht darauf konzentrieren kann. Ich höre aber, das geht vielen Menschen gerade so. Wir sind alle müde. Gegen Leseflauten wehre ich mich immer gerne mit kurzen Büchern mit viel Handlung oder richtig guten Sachbüchern. Hier meine Tipps.


Dark Matter. Der Zeitenläufer – Blake Crouch

Ich wollte mehr Genre, also geht es bei mir mit Scifi weiter. Eine Geschichte über multiple Realitäten und philosophische Was-wäre-wenn-Fragen? Ja, bitte. Der Titel ist ein bisschen missverständlich, es geht nämlich gar nicht um verschiedene Zeiten, sondern verschiedene Welten. Aber von vorne: Jason ist Physiker, hat aber für Frau und Kind seine große Karriere aufgegeben. Eines Tages wird er entführt und wacht an einem seltsamen Ort wieder auf: Er befindet sich in einer alternativen Realität, in der er nie geheiratet, sondern eine Maschine gebaut hat, mit der man durch diese Realitäten reisen kann. Jede Entscheidung, die er in seinem Leben getroffen hat, hat dabe eine neue Welt erschaffen. Klingt alles ein bisschen komplizierter als es ist. Von da an versucht er jedenfalls, zurück in seine eigene Welt zu kommen, stolpert dabei durch Welten, die sowohl komplett unterschiedlich als auch fast identisch sind. Und am Ende bekommt man noch mal ganz viel Spannung und Action und Um-die-Ecke-Denken. Insgesamt mochte ich die Idee und kann mir das ganze auch sehr gut als Film vorstellen. Die Sprache ist sehr einfach und ausschließlich auf Spannung und Handlung geschrieben. Wer sich für solche Themen interessiert, dem kann ich es gerne empfehlen, man sollte aber keine große Literatur erwarten.

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Hidden Valley Road, im Kopf einer amerikanischen Familie – Robert Kolker

{Presseexemplar} Eine Großfamilie im Mittwesten der USA. Zwölf Kinder. Papa bei der Airforce, Mama glückliche Hausfrau. Alle sind gutaussehend, musikalisch, sportlich. Das schöne Bild bröckelt aber bald, als gleich 6 der Brüder mit Schizophrenie und anderen geistigen Krankheiten diagnostiziert werden.

Klingt nach einem Thrillerplot, ist aber die reale Geschichte der Familie Galvin. Wir lesen von Gewalt, Missbrauch, Wut und anstrengenden Leben, aber auch ganz viel Liebe und Pflege. In kurzen Kapiteln lernen wir zwischendurch über die Geschichte der Schizophrenie und wo der Stand der Forschung heute ist. Das Buch hat in den USA große Wellen geschlafen und das Thema hat mich gleich fasziniert. Und auch, wenn ich es ein bisschen zu lang finde, sind mir die einzelnen Familienmitglieder schnell ans Herz gewachsen und ich fand das Buch sehr spannend und lehrreich. 

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Rico, Oskar und der Tieferschatten – Andreas Steinhöfel

Diesen Monat klappt es nicht so mit dem Lesen von schweren Romanen und wirren Geschichten. Ich fange viel an und lege es wieder zur Seite, weil meine Gedanken abschweifen oder ich mich langweile. Dagegen hilft: Ein Kinderbuch! Aber eins, das viel Spaß macht. Darin wohnt Rico mit seiner Mutter in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg. Er ist tiefbegabt, kommt aber gut zurecht und erklärt sich die Welt auf seine Art. In der Nachbarschaft lernt er Oskar kennen. Der ist wiederum hochbegabt, aber auch sehr ängstlich. Die beiden könnten sich jetzt auf die großen Ferien freuen, wenn da nicht dieser Entführer umginge, der sich alle paar Wochen ein Kind schnappt und von den Eltern Lösegeld fordert. Klar, dass die beiden herausfinden müssen, was da passiert. Natürlich gibt es als Erwachsene Leserin in einem Kinderbuch jetzt nicht sooo viele Überraschungen, aber ich mochte gerne mit Rico und Oscar durch Berlin streifen und die Nachbarn kennenlernen. Besonders, da es in einer Ecke von Berlin spielt, in der ich mich ein bisschen auskenne. Tolles Buch gegen Leseflaute.

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Berlin, steinerne Stadt – Jason Lutes

Ein Comic über die Weimarer Republik, zwischen den beiden Weltkriegen, Ende der 1920er Jahre. Hier treffen in Berlin ganz verschiedene Menschen zusammen: Kommunisten, Nationalsozialisten, Anhänger der Kaiserreichs; Veteranen, Studenten, normale Leute. Sie alle tragen ihre Überzeugungen auf die Straße. Mit ihnen zusammen verstehen wir die Motivationen in diesem wilden Abschnitt der deutschen Geschichte. Die Story an sich hat mich nicht allzu sehr mitgenommen: wir folgen darin eher lose der Studentin Marthe und dem Journalisten Kurt und schauen mit ihnen in verschiedene Milieus. Das Besondere am Comic sind die sehr detaillierten und offenbar auch historisch genauen Zeichnungen von Berlin; der Stadt, der Menschen, der Geschehnisse. Das könnte ich mir ewig angucken. 

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Exit Racism: Rassismuskritisch denken lernen – Tupoka Ogette

Ein Buch, das man eigentlich immer mal wieder lesen kann oder sollte. Besonders für diejenigen unter uns, die das Thema Rassismus gerne wegwischen und glauben, dass es sie nichts angehe. Tupoka Ogette macht in dem Buch in Form eines Workshops für weiße Menschen klar, inwiefern Rassismus in der deutsche Gesellschaft verankert ist, dass „Ich sehe keine Farbe“ genau das Gegenteil bewirkt, und wie wir selbst rassismuskritisch denken lernen, auch wenn es unangenehm ist. Das Buch liest sich schnell und auch Menschen, die sich schon mit dem Thema beschäftigen, können daraus noch etwas mitnehmen. Für mich persönlich hätte man den Workshop-Charakter und die Übungen noch besser auf die Buchform anpassen können.

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Extra: From Asia with Love. Vegetarische Asien-Rezepte für jeden Tag – Hetty McKinnon

{Presseexemplar} Überraschungsbuch! Ich koche zwar ganz gut und gerne, aber Kochbücher sind hier normalerweise kein Thema. In das hier habe ich mich aber ein bisschen verliebt. Ich bin großer Fan der asiatischen Küche, habe das aber bisher selbst nicht so gut hinbekommen. Zum einen fehlen mir ständig die richtigen Zutaten, weil ich keine Lust habe, die im Asiamarkt im 5-Kilo-Sack zu kaufen, zum anderen kann ich mich so schlecht an strenge Rezepte halten (deshalb kann ich auch nicht backen, tja). Jetzt aber Auftritt „From Asia with Love“. Das Buch sieht nicht nur wunderschön aus, es steckt auch voller leckerer Gerichte, die recht einfach nachzukochen sind. Die Zutatenliste ist von Anfang an nicht sehr umfangreich. Und das Beste ist: Die Autorin hat nichts dagegen, wenn man Elemente austauscht. Kein Bock auf Sesampaste? Nimm Erdnussbutter, alles cool. Habe schon einiges daraus nachgekocht und räume es gar nicht mehr zurück in den Schrank.

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