Meine Woche: Alínæ Lumr Festival

Letztes Jahr wollte ich schon hin, aber dann kam Corona dazwischen. Deshalb war ich froh, dass dieses Jahr alles wie geplant stattfinden konnte. Das Alínæ Lumr ist ein kleines Indie-Festival, das seit 2015 in Storkow in Brandenburg stattfindet. Stellt euch das so vor: ein kleiner Ort am See, Konzerte auf dem Dorfplatz, in der Kirche, in der Burg. Alles entspannt, alles freundlich, es war herrlich.

Eines zuerst: ich mag keine Festivals. Ha ha. Jedenfalls nicht die klassischen mit Mega-Bühne, saufen und in heißen Zelten campen. Das kann ja jede:r machen, wenn er:sie es mag, für mich ist das zu viel Salami-Party, Dixi-Klos und Stress. Ich habe hier also primär Urlaub gemacht, in einem Airbnb gewohnt und viel am See gelegen. Das Festival sollte nebenbei stattfinden, aber das Programm war so gut, dass wir von Start bis Ende fast alles mitgenommen haben.

Aber erst mal zu den Fakten

Das Alínæ Lumr findet jedes Jahr im August in Storkow statt. Wir haben in unterschiedlichen Vorverkäufen 94 € und 84 € für das ganze Wochenende bezahlt, es gibt aber auch Tageskarten. Manche der Konzerte im Freien kann man auch umsonst gucken. Hier das Line-Up von diesem Jahr.

Geschaut und entdeckt

Wir haben Freitag erst mal lange am See gelegen und uns abgekühlt. Berlin ist in diesem Sommer noch heißer und schwüler als Köln, echt nicht meine Temperatur. Mittags sind wir dann ab zum Marktplatz und haben uns Festivalbändchen geholt. 

Eigentlich wollten wir mit Tristan Brusch anfangen, aber der brauchte zu lange und ich wollte zu Alex Mayr! Wie schön das war auf der Burg und wie schnell das auch ganz schön voll wurde. Alex Mayr ist nicht nur meine rothaarige Schwester, sondern auch eine tolle Popkünstlerin. Hört euch mal „Japan“ Oder „Deine Schuhe“ an. Beide ein bisschen traurig (und wurden auch nicht gespielt). Hier gab es aber fast nur Songs vom neuen Album „Park“. Summerpop zum Festival-Start, perfekt!

Albertine Sarges sagte mir vor dem Festival nichts, aber beim Reinhören hat mich begeistert, wie sehr sie nach Talking Heads klingt. Das war live nicht die ganze Zeit so gut, aber in diese psychedelischen Soundkonstruktionen konnte ich mich reinfallen lassen. Gute Entdeckung.

Eines der Highlights am ersten Tag war Emilia Torrini mit dem The Colorist Orchestra. Ja genau, das ist die, die „My heart beats like a jungle drum“ gesungen hat. Das hat sie auch als Zugabe gespielt, und die Teenager neben mir haben sich gewundert, warum die Frau “dieses alte Lied covert“. Autsch. Das war jedenfalls richtig beeindruckend mit neun Menschen auf der Bühne und so viel Power, wieder im Schloss und daher auch in außergewöhnlicher Kulisse.

Auf dem Marktplatz habe ich dann noch Discovery Zone entdeckt. Elektro? Mit Video Show? Für mich? War aber auch perfekt für die Location. Wir saßen auf Teppichen auf dem Boden vor der Bühne und haben uns berieseln lassen. Muss ich mir jetzt noch mal genauer anhören.

Meine Lieblingsentdeckung von Tag zwei heißt Anna Erhard. Auf der kleinen Bühne an der Mühle war nicht viel Platz für drei Leute, und auf der Wiese davor war auch schon einiges los. Der Sound war super. Ich machte besonders „Guest room“ und „Picnic at the Seaside“.

Das Schöne am Alínæ Lumr Festival ist, dass hier auch mal andere Musikstile Platz finden. Türkischer Pop? Kein Problem. Derya Yildirim und Group Simsek hat mich beeindruckt. Da kamen auch die alten Storkower Nachbar:innen mal vorbei gucken, welche fremden Sounds durch ihr Städtchen klingen.

Für ein besonderes Konzert mussten wir uns am Samstag auf unsere Räder schwingen und 10 Minuten zum Irrlandia fahren. Das ist sowas wie ein großes Spielplatzareal für Kinder mit Maislabyrinth und allem drum und dran. Auf diesem Gelände steht ein Pflanzendom, in dem Das Paradies gespielt haben. Innen haben wir keinen Platz mehr bekommen, aber auch von außen war das ein tolles Konzert.

Alínæ Lumr in Storkow

Zur Location will ich auch noch kurz etwas erzählen. Storkow liegt im Landkreis Oder-Spree und ist circa eineinhalb Stunden mit der Bahn von Berlin entfernt. Es liegt schön am Wasser, so dass wir schwimmen gehen konnten und beim letzten Mal auch eine Radtour um den See gemacht haben. Für eine kleine Auszeit im Grünen ist es also richtig schön. 

Allerdings, und hier muss ich ehrlich sein: ein Urlaub in Brandenburg heißt auch zwei Dinge. Erstens ist das Internet wirklich schlimm, WLAN gibt es kaum und auch unterwegs gibt es oft nur minimalen Empfang. Zweitens die Nazis. Das wird gerne mal als Klischee weggelacht, aber als nicht weiß und deutsch gelesene Person würde ich hier nicht alleine rumhängen. Ich habe tatsächlich noch nie Menschen (außerhalb einer Demo) gesehen, die einfach beim Einkaufen oder Spazieren krasse Nazi T-Shirts trugen und niemand sagt etwas dazu. In Brandenburg gleich mehrmals. 

(Wichtig aber auch: auf dem Festival gar nicht. Die wurden vielleicht verjagt oder haben sich andere T-Shirts angezogen. Außerdem waren auf dem Festival die ganze Zeit Awareness-Teams anwesend, die man bei jedem Problem hätte rufen können.) 


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