500 Alben Challenge (017)

Nach der letzten Runde hatte ich eigentlich erstmal genug von den 1950er/60er Jahre, aber da winkt mir gleich Buddy Holly zu. Na gut. Ansonsten ist diese Runde recht abwechslungsreich, da freue ich mich drauf. 

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420: Buddy Holly and The Crickets – The „Chirping“ Crickets

Wir bleiben in den 1950ern, und auch wenn ich das eigentlich sehr mag, könnte ich langsam ein wenig Abwechslung gebrauchen, tbh. Außerdem muss ich zugeben, dass ich bei Buddy Holly als erstes an Weezer denken muss. Wann kommen die eigentlich? Naja egal, los geht’s.

Was ich weiß: Buddy Holly war ein US amerikanischer Rock ‘n’ Roll Musiker und wahnsinnig erfolgreich. Im Alter von nur 23 Jahren kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ich wusste ja, dass er jung war, aber mannomann. Jahre später wird Don McLean diesem Ereignis mit „The Day the Music died“ ein Denkmal setzen. 

Es fängt gleich gut an mit „Oh Boy“. Sind die Songs von Buddy Holly alle so im allgemeinen Musik-Gedächtnis, dass ich jeden Song kennen werde? Und die vielleicht einfach nicht mit Buddy Holly in Verbindung bringe? Song zwei sagt: nein. Ha ha. Ich mag jedenfalls Rock ‘n’ Roll und diese Kieksigkeit in seiner Stimme. Das fühlt sich nach leichter Unterhaltung an, nichts, worüber man sich gerade viele Gedanken machen muss. Das ist ja auch mal schön. Aber: ich weiß nicht in welchen Situationen man das heute ganz unnostalgisch hören sollte. Das läuft ja nicht in Bars zum Bier oder in Geschäften als Shopping-Untermalung. (Okay, was läuft da überhaupt?) Buddy Holly während ich im Park chille? Buddy Holly laut im Auto auf der Autobahn? Vielleicht alles Mal ausprobieren. Ich mag die Songs jedenfalls alle. Und so als ganzes Album kommt man auch richtig rein und achtet viel mehr auf das Ganze. „That’ll be the day“ und „Send me some loving“ mag ich. Insgesamt ist sind die Songs alle viel langsamer, als ich erwartet habe. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Oh Boy.


419: Portishead –  Dummy

Endlich springen wir wieder weiter in die Gegenwart. Der Gegensatz zu den vorigen Alben könnte nicht größer sein. Wir sind in den 1990ern, wir hören entspannten und sphärischen Triphop. Das ist jedenfalls das, woran ich mich erinnere. 

Was ich weiß: Geoff Barrow ist der kreative Kopf von Portishead und kommt aus dem Umfeld von Massive Attack. Sängerin Bath Gibson trägt dazu bei, dass man ihren Sound sofort wiedererkennt. Das hier ist ihr Debutalbum von 1994.

Ich mag’s sehr, vom ersten Ton an. Das hört man aber eigentlich nicht bei schönstem Sonnenschein, sondern in düsteren Novembernächten. Muss ich mir merken. Dieses „Nobody love me“ bei „Sour Times“ trifft direkt ins Herz. Ich hatte die Stimme von Beth viel gewaltiger in Erinnerung, aber das hier passt so viel besser zu dieser melancholische Stimmung. „Sour Times“ ist sadness in a bottle, „Strangers“ jazzige Großstadt-Melancholie. „It’s a fire“ ist ein kleiner, heller Stern in der Dunkelheit. „Glory Box“ ist so sinnlich, Und dann „Numb“, wow! Ich fühle mich, als hätte ich dieses Album lange vermisst, so als ist es das, was ich über den schrecklichen Winter-Lockdown gebraucht hätte. Und auch wenn es so düster und melancholisch ist, wickelt es mich doch in eine große weiche Wolldecke, gib mir einen Tee und macht Netflix an. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Sour times.


418: Paul McCartney and The Wings – Band on the run

Hier kommt der zweite Beatle in dieser Liste. Während ich mich auf diese Platten schon sehr freue (und höchstwahrscheinlich noch lange darauf warten muss), muss ich zugeben, dass ich von McCartneys Soloplatten keine Ahnung habe. 

Was ich weiß: Wer Paul McCartney ist, muss ich hier wahrscheinlich nicht erklären. Dies ist jedenfalls das dritte Album der Wings und wurde 1973 veröffentlicht. Vorher gab es einigen Stress mit den Bandmitgliedern, so dass das Album unter einiger Spannung entstand. 

Okay, das startet schon mal ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. „Band on the Run“ ist sehr entspannt, zurückgenommen und ruhig. Ich stelle mir einen warmen Frühlingstag und stimmungsvolle Stillleben vor. Vielleicht weht der Wind ein bisschen in den Vorhängen. Warum wird das nicht wie verrückt auf TikTok verwendet?! Das passt doch auch zu jedem Reisevideo mit solchen Camper-Dudes vor malerischen Klippen… Ich schweife ab. Bei „Blue Bird“ ist es aber genauso. Das ganze Album klingt nach Urlaub („what’s the use of worrying? – „Mrs. Vandebilt“). Trotzdem gibt es da immer wieder Parts, die mich überraschen und genauer hinhören lassen, „Let me roll it“ gefällt mir zum Beispiel sehr. Eine kleine kontroverse Beobachtung noch am Ende: während ich die Musik und das ganze Arrangement sehr mag, gefällt mir die Stimme von Paul McCartney hier oft nicht. Irgendwie passt sie nicht immer zu der Stimmung des Songs. Seltsam. Trotzdem Daumen hoch für das Album. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Band on the run.


417: U2 – Boy

Bei U2 bin ich ja immer hin und her gerissen. Ich denke an großartige Popsongs, Stadionrock und Ikonen der 1980er (und 1990er?), aber auch an diese seltsame Aura, die um die Band herumwabert. Dass sie nirgendwo richtig dazu gehören, manchmal etwas peinlich sind, und mit späteren Alben auch immer langweiliger wurden. Keine Ahnung, was mich auf diesem Album erwartet. 

Was ich weiß: Boy ist das Debut-Album von U2 und von 1980. Das Album blieb völlig unbeachtet und wurde erst gefeiert, nachdem U2 mit ihren nächsten Album erfolgreich wurden. In den Texten geht es hauptsächlich um das Thema Erwachsenwerden. 

Wahrscheinlich werde ich mich damit bei ein paar Leuten unbeliebt machen, aber kann es sein, dass U2 ganz viel „The Cure“ gehört haben, bevor sie dieses Album aufgenommen haben? Vielleicht ist es 1980 auch einfach gerade an der Zeit, so zu klingen. Ich habe das Album auf einem langen regnerischen Spaziergang gehört und dazu hat es ganz hervorragend gepasst. Ich mochte das Album, ich mochte die Energie und kann verstehen, dass U2 nach diesem Debütalbum noch große Sachen gemacht haben. Es ist aber auch so: ich höre den Hit nicht. Da gibt es fast keine Stelle auf dem Album, die mich aufhorchen lässt, geschweige denn mich mitreißt. Es ist ein solides Debüt, dessen Potenzial man spüren kann. Brauche ich aber nicht sofort mehr von. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Out of Control.


416: Tom Waits – Mule Variations

Es gab mal eine Zeit, in der ich ganz viel Tom Waits gehört habe. Diese Stimme! Diese bluesige Traurigkeit. Das waren bei mir damals allerdings nur die ganz alten Alben. Das hier ist etwas neuer, glaube ich. 

Was ich weiß: Jep, ich hatte recht. „Mule Variations“ ist von 1999. Das Album erschien nach einer längeren Pause und markiert den Zeitpunkt, als Waits vom großen Label hin zum Indie wechselte. Es wird also exzentrischer als auf seinen Vorgängern. Erfolgreich war das Album trotzdem und er gewann damit einen Grammy für das beste zeitgenössische Folk-Album. 

Wir starten mit „Big in Japan“, das ich noch kenne und auch damals schon mochte. (Ja ja, ich habe schon sehr jung sehr „alte“ Musik gehört. Deal with it.) Auch „Hold on“ kenne ich noch. Ruhig, bluesig, schön. Danach bin ich ein bisschen verunsichert, das ist mir irgendwie ein bisschen zu lahm, ein bisschen zu sehr „auf der Veranda sitzen und über schlimme Sachen nachdenken“, oder? Als ich denke, dass Tom Waits mich trotz der Stimme verloren hat, kommt „What is he building“. Kein Song eigentlich, vielleicht würde ich es ein vertontes Gedicht nennen. Denn es ist so seltsam, so schrullig und gut, dass ich mit der Sache aufhören muss, die ich gerade nebenbei mache, und ganz zuhöre. Danach bleiben wir zwar gefühlt weiter in diesem kleinen Farmhaus, aber „Picture in a Frame“! „Take it with me“! „Come up to the House“! Irgendwann weine ich ein bisschen, aber wann verrate ich nicht. Tom Waits kann’s einfach. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Picture in a Frame


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