Bücher im Mai (2022)

What a month! 5-Sterne-Roman, 5-Sterne-Sachbuch, und auch sonst kann ich nicht klagen. Meine ungelesenen Bücher hier zu Hause werden gerade schnell weniger, ich freue mich auf ein baldiges Büchershoppen. 


Wachstumsschmerz – Sarah Kuttner

Wir schieben dieses „Erwachsenwerden“ gerne etwas heraus. Auch wenn wir schon lange nicht mehr zu Hause leben, einen festen Job haben und uns um Dinge kümmern. So auch Luise. Mit Anfang dreißig, denkt sie, könnte es doch mal so weit sein. Also zieht sie mit ihrem Freund Flo zusammen und macht sich Gedanken über diese „Karriere“, von der immer alle reden. Das Problem ist, dass sich alles aktuell nicht mehr richtig anfühlt, die neuen Wege aber auch nicht passen. Hallo Thirdlife-Crisis. All das Durcheinander an Gefühlen und Gedanken beschreibt Sarah Kuttner im Buch ganz wunderbar. Und wirft dabei noch so einige Fragen in den Raum. Muss man das alles überhaupt wollen, Familie, Karriere und Selbstverwirklichung? Wie funktioniert das mit der Liebe, wenn man konstant an sich selbst zweifelt? Und weiß man vielleicht erst, was man will, wenn es nicht mehr da ist? 

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Vicious, Das Böse in uns – V.E. Schwab

Habe ich vor Jahren schon mal gelesen und hatte jetzt Lust auf etwas Schnelles mit Superkräften und so. Bei diesen ganzen Marvel- und DC-Sachen kenne ich mich überhaupt nicht aus, deshalb kann ich nicht sagen, welcher Saga diese Geschichte hier ähnelt oder wie gut sie im Vergleich dazu ist. Ich glaube aber, wenn ihr Superhelden-Fans beschenken wollt, könnte es ein passendes Buch sein. Darum geht’s: Victor und Eli sind Medizinstudenten und entdecken fast zufällig, dass es Menschen mit Superkräften gibt und wie man selbst an diese kommt. Die plötzliche Macht ist berauschend und überfordernd. Beide entwickeln sich schnell zu Antihelden, einer ein religiöser, vollstreckender Fanatiker, der andere düsterer Racheengel.  Die Geschichte ist simpel, ich mochte aber ihre Schnelligkeit und all die unterschiedlichen  Superkräfte, denen wir im Buch begegnen, und aus welchen Gründen die Personen sie haben. Hat das jemand gelesen, der sich sonst mit Superhelden auskennt und kann etwas dazu sagen?

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The Seven Husbands of Evelyn Hugo – Taylor Jenkins Reid

Yes, the Hype is real. Irgendwie hat mich dieses furchtbar kitschige Cover lange davon abgehalten, zum Buch zu greifen. Und auch das der neuen deutschen Version macht es nicht besser. Aber ja, ich bin sehr begeistert. Das hier ist die gar nicht kitschige Lebensgeschichte der großen Filmikone Everlyn Hugo. Warum sie diese ausgerechnet der unbekannten Reporterin Monique erzählen will, ist auch ihr nicht klar, aber wann bekommt man schon mal die Chance, die Biografie eines Filmstars zu schreiben? Sieben Mal war Evelyn Hugo verheiratet, hat seit den 1950ern viele erfolgreiche Filme gedreht, Skandale verursacht und überstanden. Und jetzt erzählt sie, wie es wirklich war, dass die Öffentlichkeit nie die wahre Evelyn kennengelernt hat, und wie es sich anfühlt, niemals man selbst sein zu können. Ich hatte nicht erwartet, wie vielschichtig das Buch ist, wie kritisch es mit der Klatschindustrie umgeht, Themen wie Armut, Homosexualität und Abtreibung bespricht, oder die Probleme von Frauen in der Filmindustrie damals und heute aufzeigt. Und wie spannend und kurzweilig es dabei ist. Die kleine Auflösung am Ende ist ein bisschen schwach, macht das Buch aber nicht weniger lesenswert. 

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Die Wut, die bleibt – Mareike Fallwickl

{Presseexemplar} Es ist schon ein paar Tage her, dass ich das Buch gelesen habe. Und gerade weil es mich so beschäftigt hat, fällt es mir schwer, darüber zu schreiben. Stellt euch all die feministischen Sachbücher vor, die wir in den letzten Jahren gelesen haben, diesen ganzen Stapel, und dann stellt euch vor, eine Autorin bastelt daraus einen Roman. Einen, in dem es um all das geht, was uns beschäftigt und beschäftigen sollte. Und dann ist er auch noch gut und spannend und liest sich in einem Rutsch weg. Darum geht’s: Helene ist Hausfrau und Mutter von drei Kindern. Eines Abends steht sie mitten in der Unterhaltung vom Abendbrottisch auf und springt vom Balkon. Zack. Keine Erklärung, keine Nachricht. Neben zwei Kleinkindern und dem überforderten Ehemann hinterlässt sie eine Teenagertochter aus einer früheren Beziehung und ihre beste Freundin, die auch gerade mit ihrem Leben hadert. Diese beiden erzählen dann abwechselnd von ihrem Jahr nach Helenes Tod, versuchen zu verarbeiten, zu verstehen und Dinge anders zu machen. Beide realisieren auf unterschiedlichen Wegen, welche Last im Familienalltag und gesellschaftlich auf Frauen lastet. Wie viel sie sich selbst antun und wie sehr andere Personen dabei im Spiel sind. Das sind zwei ineinander verwobene Geschichten, die die dritte, Helenes, mit einbeziehen, weitererzählen und umso wichtiger machen. Ich würde jetzt noch nicht „Manifest“ schreien, aber what a book. Das wird lange mit euch sein, wenn ihr es gelesen habt.

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What we don‘t talk about when we talk about fat – Aubrey Gordon

Erst einmal eine große Triggerwarnung an alle dicken Menschen, die das Buch lesen wollen. Es tut an vielen Stellen sehr weh. Es ist frustrierend und bricht sicher ein paar alte Wunden auf, aber ja, es ist auch das beste Buch, das ich bisher zum Thema gelesen habe. Aubrey Gorden macht nicht nur den wundervollen Podcast Maitenance Phase, sondern hat 2020 auch dieses Buch geschrieben. Sie beschreibt darin anhand persönlicher Erlebnisse und wissenschaftlicher Studien, wie es um die Diskriminierung fetter Menschen steht. Nacheinander bespricht sie viele Aspekte wie Gesundheit, BMI, Diäten, Schönheit, etc. und zeigt, woher es am Ende doch alles kommt – ein gesellschaftlich akzeptiertes Ventil, um Hass herauszulassen. Es ist ein radikales Buch, das zeigt, wie tief Dünnsein als Ideal tatsächlich in unserem Denken verankert ist. Gerne lesen, wenn ihr gut Englisch könnt und das mental aushaltet. Fuck diets und seid lieb zueinander.

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