500 Alben Challenge (019)

Wie oft fange ich meine Reviews an mit: Das ist ganz anders als ich es mir vorgestellt habe? Definitiv zu oft. Aber so ist es halt. Mich überraschen viele Künstler:innen und Alben, von denen ich noch nicht viel kannte. (Oder eben nie ein komplettes Album gehört habe.) Weiter geht es in der Challenge mit meinem ersten Bob Dylan Album, alten Bekannten und mystischen Klängen.

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410: Bob Dylan – Time out of mind

Oh oh, hier taucht das erste Mal Dylan auf. Den erwarte ich ja viel auf den vorderen Plätzen dieser Challenge und habe schon ein bisschen Angst davor. Ich kann mit ihm bisher nämlich sehr wenig anfangen. Aber hey, dafür mache ich die Challenge ja. 

Was ich weiß: Dieses Album hier ist von 1997 und das 30. Studioalbum (!) von Bob Dylan. Er ist zu diesem Zeitpunkt also schon DER Bob Dylan, Folk-Superstar, Stimme der Revolution, wird schon ganz leise für den Literaturnobelpreis gehandelt (und bekommt ihn dann 2016 tatsächlich). 

So sieht es bei meinem ersten Dylan-Album aus: Es erinnert mich sofort an das Tom-Waits-Album, das ich auf Platz 416 gehört habe. Ich habe also sofort einen Vergleich im Kopf und hier verliert Dylan erstmal. Das ist alles sehr gut und atmosphärisch, aber Waits hat mich mehr gepackt. Stellenweise fühlt es sich sogar so an, als versuche Dylan wie Waits zu singen – und das ist seltsam. Das ist jedenfalls mal wieder anders, als ich es mir vorgestellt habe, kein nöliger Gesang, kein Folk, sondern alles sehr bluesig. Ich verstehe, wie das Menschen ansprechen kann, die Dylan und diese Art von Musik schon lange hören. Ein guter Einstieg ist es nicht. Für mich ist das erstmal ein Album, das man ganz allein für sich hört. Ich koche mir etwas und lausche dabei. “Lovesick” mag ich und “Standing in the Doorway”, “Not yet Dark” noch ein bisschen mehr. Ich mache mir einen Rotwein auf. Und dann – haha – kommt “Make you feel my love”. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, dass Adele das gecovert hat. Das mag ich tatsächlich sehr (aber von Adele noch ein bisschen lieber). Insgesamt komme ich beim Hören immer mehr rein, das Album entspannt mich. Sogar beim groovy “I can’t wait”. Ich könnte das noch weiter hören, und vielleicht starte ich es gleich noch mal von vorne. Wer hätte das gedacht?

Wenn nur ein Song, dann dieser: Make You Feel My Love


409: The Doors – Strange Days 

Jaaaa, das Album hier kenne und mag ich sehr. Denke ich jedenfalls, denn ich habe es schon sehr lange nicht mehr gehört. The Doors liefen oft als Hintergrundmusik bei gemütlichen Abenden, aber ich denke, sie sind besser über gut Kopfhörer. Sie sind dunkel und trotzdem catchy, psychedelisch und trotzdem zugänglich. Den ganzen Drogen- und Hippie-Hintergrund kann ich für mich dabei gut ausblenden, verstehe aber, wenn das für andere Hörer:innen zu viel ist. 

Was ich weiß: „Strange Days“ ist das zweite Album der Doors. Da sind sie schon Superstars und der Wirbel dreht sich besonders um Sänger Jim Morrison, der später sehr früh an einer Überdosis sterben wird. Bis dahin erwarten uns aber noch ein paar Alben.

Hat ein Albumtitel jemals besser gepasst? Ich sitze mal wieder drinnen – wo auch sonst? – und muss mich mit Musik von dem Mist da draußen ablenken. “Strange Days have found us.” Mein erster Tanzdrang befällt mich wie erwartert bei “Love me two times”. Offensichtlich brauche ich das gerade sehr – Schütteln soll ja auch Serotonin freisetzen oder so. Eines wird mir bei dem Album schnell klar: Offenbar kenne ich es doch nicht so gut, wie ich gedacht habe. Ich kann mich nämlich an ein paar Songs darauf kaum erinnern. Was passiert hier? Auf der einen Seite mag ich es gern, denn Jim Morrisons Stimme ist sinnlich, dieser psychedelische Rock geht in den Kopf und in die Beine. Auf der anderen Seite merke ich auch, wie schnell mir das zu eintönig wird. Ist es das esoterische Geplapper? Zu viele kleine Breaks? Trotzdem: “People are strange” – yes! “I can see your face in my mind” höre ich gleich zweimal. “When the music is over” muss auch noch mal lauter hinterher. Vermutlich hatte ich damals einfach eine wild gebrannte CD und doch nie das ganze Album? Oder ich musste erst wieder reinkommen. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Love me two times


408: Sinead O’Connor –  I do not want what I haven’t got

IT’S BEEN SEVEN HOURS AND 15 DAYS! Jaja, „Nothing Compares 2 U“ ist ja doch das einzige Stück, das ich von Sinead O’Connor kenne. Dafür aber natürlich auch auswendig. Ich musste das Musikvideo sogar mal in der Uni besprechen. Gerade bei solchen Künstler:innen freue ich mich über diese Challenge, um auch mal mehr von ihnen zu hören. (Siehe Cindy Lauper)

Was ich weiß: Das hier ist tatsächlich schon das zweite Album von Sinead O’Connor. Das erste Album war erfolgreich, mit dem Cover von „Nothing compares 2 U“ (jaja, das ist ein Cover) geht sie dann aber auch international durch die Decke. Gleichzeitig wird sie aber auch als „schwierig“ bekannt. War ja klar: Eine politische Frau mit kurzgeschorenen Haaren und (problematischen) Sympathien für irische IRA-Aktionen.  

Und ich fange schon wieder mit dem Satz dieser Challenge an: Das ist ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Aber hört euch mal “I am streched on your grave” an. Wer erwartet denn das, wenn man nur “Nothing compares 2 U” kennt? Das klingt schon ganz faszinierend, aber ich denke nicht, dass ich das mag. Zu sphärisch, zu verträumt für mich. Das hat so einen Tick Mittelalter, da bin ich raus. Danach geht es zwar nicht ganz so ungewöhnlich weiter, aber die Songs schreien schon hart 1990er! Muss man mögen, sag ich mal. Ich denke an Melrose Place und diese verträumten TV-Serien, nur viel politischer. “Black Boys on Mopeds” z.B. ist offensichtlich politisch (und so erschreckend, wie aktuell das Thema noch ist). “Nothing compares 2 U” is natürlich DER Song des Albums und yes, das ist auch noch immer ein perfekter Popsong. Sollte es tatsächlich noch jemanden geben, der den nicht kennt: Bitte schnappt euch gute Kopfhörer, legt das Handy aus der Hand und holt euch Taschentücher. Alle anderen können das eigentlich auch mal wieder machen, hören danach aber auch mal das Original von Prince. So, der Rest des Albums ist leider sehr dünn und alle Songs habe ich in dem Moment vergessen, in denen ich sie gehört habe. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Nothing Compares 2 U


407: The Clash – Scandinista!

The Clash! Juhu! Da kenne ich alle Alben und freue mich auf ein Wiederhören. The Clash ist auch eine der wenigen Bands, bei der ich Reggae gut ertragen kann. (Ist sonst nicht so meins.) 

Was ich weiß: The Clash zählen zwar nicht zu den ersten, aber den bekanntesten Bands des UK-Punks. Bei ihnen geht es nicht allein um Lautstärke und Provokation, sondern um politische Themen und die Musik. Scandinista! ist von 1980, da ist The Clash schon etabliert und weltweit bekannt. Das Album ist laaaaang und ein bisschen zusammengewürfelt, auch mit unfertigen Songs und Instrumentals. 

Ich freue mich ja immer, wenn Leute denken, ich höre harten Punk, wenn ich The Clash höre. Dann zeige ich ihnen einen Song wie “Magnificent Seven”, alles ganz tanzbar hier. Scandinista ist wirklich nicht eines meiner Lieblings-The Clash-Alben, weil hier alles so durcheinander ist. Weihnachtliche Chorgesänge in “Hitsville”, lustige Geräusche in “Version Pardner”, ganz viel Hall in “Crooked Beat”. Why? Das Album ist auch furchtbar lang ohne einen wirklichen Hit. Es ist wie die große Schublade, die wir alle zu Hause haben, in der all der Schnick ist, bei dem man nicht weiß, wo er sonst hin soll. Hier gibt es alle Stile, alle Rhythmen, dazu wird alles mit politischen Texten gewürzt, die aber heute nicht mehr so hängen bleiben, wenn man nicht genau hinhört. Hört mal “Somebody get murdered” oder “Police on my back”. Ich höre das Album zwar ganz gerne, aber dann doch mehr als Hintergrundmusik. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Magnificent Seven


406: PJ Harvey – Rid of me

Ein Wiedersehen mit PJ Harvey. Das letzte Album von ihr in dieser Challenge mochte ich sehr. Mal sehen, was hier auf mich wartet.

Was ich weiß: „Rid of me“ ist das zweite Album von PJ Harvey, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch als Band unterwegs ist. (Die auch schon ihren Namen trägt). Wie fast alles von Harvey, räumt das Album viel Lob und Preise ab, mehr Bekanntheit erlangte sie aber erst später. 

Kopfüber in den Grunge! Wenn ich damals schon von PJ Harvey gewusst hätte, wäre ich sicher Fan gewesen. Aber irgendwie war das Leben schwieriger ohne Internet. Das Album startet langsam und legt dann richtig los. Aber auch schon beim ersten Song und Titeltrack “Rid of me” haucht mir Ms Harvey so zärtlich ins Ohr, dass ich sofort ein bisschen verliebt bin. Da ist er wieder, dieser schnelle Wechsel zwischen Krach und leisen Tönen, zwischen Härte und Verletzlichkeit, zwischen wilden Emotionen und Nachdenklichkeit. Ich liebe die Kraft von “Rub ’til it bleeds”, die Seltsamkeit von “50ft Queenie”, aber auch “Dry” und “Me-Jane” schicken mich gleich zurück in die frühen 1990er. In a good way. Das Album ist eine herrlich kraftvolle Zeitreise. Ich bin sehr froh, dass ich es mal wieder gehört habe. (Ok, mehrmals)

Wenn nur ein Song, dann dieser: Rub ’til it bleeds


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