500 Alben Challenge (021)

100 Alben geschafft. Ich mache diese Challenge seit zwei Jahren und habe gerade mal 100 Alben geschafft, oh Mann. Aber hey, ich habe auch nicht gedacht, dass ich schnell damit durch sein werde. Am Anfang habe ich noch sehr motiviert fast jeden Tag ein Album gehört. Jetzt ziehen sich die Abstände zwischen den Alben in die Länge. Das hat aber auch Gründe: a) dass ich mir die Alben genauer anhöre (ja, ganz, und ja, manchmal mehrmals) und dass b) diese Pandemie mich zeitweise so eingenommen hat, dass für mich neue Musik nicht der richtige Input war. Auch jetzt komme ich noch langsam voran mit den Alben. Meist höre ich nur eins die Woche. Aber Spaß macht es trotzdem, Neues zu hören oder Bekanntes neu zu entdecken. Auch diese Runde wieder.

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400: The Temptations – Anthology

Ich sage mal voraus, dass das hier ein Garant für gute Laune ist. Ich sehe mich an einem Samstag bei Sonnenschein in meiner Küche werkeln und alte Temptations-Songs summen. Das wird schön.

Was ich weiß: Die Temptations sind das Aushängeschild des Motown und des schwarzen Blues in den 1960er Jahren. Sie werden auch gerne als die größte schwarze Gesangsband der Geschichte bezeichnet. (Was soll denn das weiße Pendant sein?) Von den Gründungsmitgliedern lebt übrigens nur noch einer, Otis Williams, und er macht noch immer Musik. „Anthology“ ist eine Zusammenstellung ihrer Hits.

Sieht so aus, also gibt es dieses Album nicht auf Spotify, jetzt müssen wir wieder ein bisschen tricksen. Ich finde aber zum Glück schnell eine Playlist, die jemand schon mit den Tracks dieses Albums erstellt hat. Da fehlen offenbar nur zwei Songs, aber ich glaube, damit müssen wir jetzt einfach leben. Ich habe heute Bürotag und freue mich richtig auf das Album. Das ist lang und macht gute Laune, wie ich vorausgesagt habe. Natürlich sind eine Menge Songs dabei, die ich schon kenne – vielleicht aus Filmen? – aber ich habe eher das Gefühl, dass ich hier alles schon mal gehört habe. “My Girl“, „I’ll be in Trouble“, „Get ready“. Alles herrlich. „The Girl’s alright with me” kannte ich bisher nicht, mag ich aber. Überhaupt geht es hier eigentlich die ganze Zeit um GIRLS, aber ok, offenbar war das so damals bei den Temptations. Ich schwinge mich dank den Temptations durch den Tag, am Ende wird es sogar noch sehr funky. Das Album, bzw. die Playlist, kann ich uneingeschränkt empfehlen, wenn man gute Laune braucht.

Wenn nur ein Song, dann dieser: My Girl


399: Tom Waits – Rain Dogs

Tom Waits hatten wir schon in der Challenge, aber ich werde da ganz bestimmt nicht klagen. Je höher wir auf der Liste kommen, desto mehr nähern wir uns wahrscheinlich seinen frühen Alben. Tom Waits Stimme ist einzigartig und ich bin ganz Ohr.

Was ich weiß: Rain Dogs ist 1985 erschienen und gilt als eines der Alben mit denen Tom Waits sich vom jazzigen Kneipensänger zum Rockmusiker gewandelt hat. (Sad face) Das Album ist sehr viel rhythmischer als seine Vorgänger, behandelt aber wieder ähnliche Themen: Verlierer und Außenseiter der Gesellschaft. 

Tom Waits ist seltsam und dafür mag ich ihn. Was zum Beispiel will ein Song wie „Singepore“? Und trotzdem höre ich ganz genau hin. Das Album nimmt mich mit auf eine Reise. Offenbar befinden wir uns hier in einer verwunschenen Zirkusvorstellung oder auf einem verrückten Jahrmarkt, und die meiste Zeit fühle ich mich recht unwohl damit. Dann ist da aber auch „Clap Hands“, bei dem ich mich auf schöne Art an Regen erinnert fühle. Oder „Jockey full of Bourbon“, bei dem ich in Gedanken nach der Vorstellung rund um den Zirkus schlendere. „Gun Street Girl“ ist ruhig und entspannt wie ein langer Sommertag, an dem nichts zu tun ist. Und dann ist da natürlich noch „Downtown Train“, das kennt man, und aus gutem Grund. Am Ende ist das Album genauso seltsam wie es angefangen hat, dunkel und spaßig gleichzeitig. Ich habe es gerne gehört und mich wie mit einem guten Buch in eine andere Welt versetzen können. (Es könnte mein Soundtrack zu Bradburys „Das Böse kommt auf leiden Sohlen“ sein.) Jetzt fände ich es interessant, ob das anderen genauso geht und wie ihre Welt im Album aussieht…

Wenn nur ein Song, dann dieser: Downtown Train


398: ZZ Top – Eliminator

Auch ZZ Top haben wir hier schon gesehen und beim letzten Mal haben sie mich sehr positiv überrascht. Das war rhythmisch und authentisch und ich war ganz dabei. Das könnte gut werden.

Was ich weiß: Eliminator ist schon das achte und das kommerziell erfolgreichste Album der Band. Wikipedia sagt, ich soll besonders auf das Gitarrensolo in „Sharped Dressed Man“ achten. Und wahrscheinlich ein Auge zudrücken bei der großen 1980s-Artigkeit, die über allem schwebt. Ok, let’s go. 

Kann ich, bevor ich auf Play drücke, kurz abmerken, dass das Cover aussieht wie so ein 1980er Taschenbuch von Stephen King? Oder eine VHS mit einem ganz schrägen Autofilm? Anyway: Nachdem ich auf Play gedrückt habe, habe ich sofort Spaß. Auf der Stelle. „Gimme all your lovin’, all your hugs and kisses, too!“ Ich will Schulterpolster tragen und meine Haare wild toupieren. Die Gitarre bei „Sharped-dressed man“, wow, sie hatten alle so recht. Und was passiert da bei „Legs“? ich bin schon wieder sehr begeistert und ganz durchgeschüttelt. Und vielleicht ein bisschen entsetzt, wie gut mir ZZ Top gefallen, die ich immer in eine ganz andere Ecke einsortiert hatte. Da wäre ich ohne diese Challenge wahrscheinlich nie drauf gekommen. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Sharp-dressed man


397: Massive Attack – Blue Lines

Diese Runde ist mal wieder schön durchgemischt. Heute starte ich mit Massive Attack in die 1990er! 

Was ich weiß: „Blue Lines“ ist das Debut-Album von Massive Attack und ein Auftakt einer Musikmische, die mal Triphop werden soll: Eine Mischung aus Rap, Soul und Beats. Das Album wird heute als eines der einflussreichsten der 1990er betitelt. 

Ich hatte nicht gewusst, wie sehr ich das vermisst habe. „Safe from harm“ ist so gut – „But if you hurt what’s mine, I’ll sure as hell retaliate.“ Wahnsinn. Und danach als Kontrast gleich das großartige „One Love“. Das erinnert mich an Shirleys Bassey, aber ein bisschen dreckiger und spannender. Ich verstehe sofort, wie das hier eine große Sache sein konnte, denn Hiphop und Soul laufen hier unaufgeregt zusammen und werden zu etwas Neuem. Hört euch mal „Be thankful for what you’ve got“ an, oder „Five Man Army“ oder vor allen natürlich „Unfinished Symphony“. Wie überragend ist dieser Song eigentlich? Da stoppe ich meinen Album-Durchgang und höre ihn gleich noch mal. Von den Nicht-Singles mag ich übrigens auch „Daydreaming“ sehr, der Beat, hach. Fazit also: Das Album hat es so verdient auf dieser Liste zu sein. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Unfinished Symphony


396: Roxy Music – For Your Pleasure

Here comes the sex! Brian Eno hatte ich schon in der Liste, aber jetzt steigt auch Bryan Ferry auf die Bühne. Den habe ich sogar schon mal live gesehen, und der Herr hat es auch im hohen Alter noch immer drauf, kann ich euch versichern. Den Ladys im Publikum um mich herum war jedenfalls ganz heiß. Ist ja auch kein wunder bei dieser schmelzigen Stimme. 

Was ich weiß: Roxy Musik ist Artrock, was als einer der Vorläufer von New Wave gilt (wenn man es denn so genau analysieren will). „For Your Pleasure“ ist das letzte Album mit Brian Eno, der danach im Streit die Band verließ. Der Rolling Stone sagt es schön: „Das Zusammentreffen von Enos Experimentalismus und der Romantik von Bryan Ferry verleiht Pleasure einen wilden, spannungsgeladenen Charme“. Yes Baby!

Die Sexiness steckt erstmal mehr im Text als in der Stimme oder der Melodie. Aber dann säuselt sich Ferry durch „Beauty Queen“ und ich höre deutlich Elvis als Inspiration heraus. Nur eben ein bisschen frischer und expliziter. Das mag ich hier tatsächlich sehr, ein bisschen später im Album wird es mir dann aber doch schnell zu viel, wenn es nicht mehr zu richtig zur Melodie passt, naja. Das mag beides für sich ja ok sein, also Gesang und Melodie einzeln, Aber mir dreht sich bei „Editions of you“ der Kopf. („in every dream a heartache“) Je weiter ich höre, desto mehr wird mir klar, dass ich dieses Gewusel aus Instrumenten und Schmalz in der Stimme eigentlich doch ganz angenehm finde. Es ist wie so ein Abend, an dem man ein bisschen zu viel Cremant getrunken hat und ein bisschen duselig ist, aber das macht auch alles sehr lustig und gibt ein angenehmes Gefühl im Bauch. Ich bin mir sicher, dass „For yor Pleasure“ nicht mein liebstes Album von Roxy Music sein wird und da wahrscheinlich noch etwas kommt in der Liste, die vor mir liegt. Aber es hat mich schon mal genug verwirrt, damit ich mehr davon hören will.

Wenn nur ein Song, dann dieser: Beauty Queen.


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