500 Alben Challenge (016)

Diese Woche wird was, das habe ich jetzt schon im Gefühl. Besonders, da mich so viele tolle Frauen in der Liste anschauen. Ich glaube, ich komme unter anderem auch deshalb so langsam voran in dieser Liste, weil mich die vielen alten Herren mir ihren Gitarren ein bisschen langweilen. Sorry, not sorry. Ich bin also gespannt, was mich diese Woche erwarte. 

Ich habe die Cover als Amazon-Affiliate-Links eingefügt, weil ich so sicher sein kann, dass ich sie benutzen darf. Wer gerne Alben kauft, sei es auf Vinyl oder CD, kann das gerne über diesen Link machen. Der Preis verändert sich nicht und ich bekomme einen klitzekleinen anteiligen Beitrag.


425: Gram Parsons – Grievous Angel

Was ich direkt wieder aus meinem Kopf bekommen muss – ich habe Gram Parsons mit Alan Parsons Projekt verwechselt. Jetzt bin ich verwirrt und weiß wieder nicht, was mich hier erwartet. 

Was ich weiß: Die Wikipedia sagt, dass hier Country Rock auf mich wartet, aber oho, einer der „Erfinder“ des Country Rock. Weiß nicht, ob das die Sache interessanter macht. Dieses Album hier ist Parsons zweites Solo-Album, das ihn in die Charts brachte. Viel hatte er aber nicht davon. Er starb nur wenige Wochen nach Fertigstellung mit nur 26 Jahren. 

Oh no. Oh no no no. Menschen , die mich kennen, werden die ersten Klänge des Albums hören und mich auslachen. Sofort geht es um Cowboys und irgendwelche langen Straßen. Puh. Tief durchatmen, Miriam. Wir hören das hier mit offenen Ohren. Positiv: Die beiden Stimmen passen sehr schön zueinander, tolle Harmonien, mag ich. Ich konzentriere mich also darauf und stelle mir zwei sympathische junge Menschen vor, die ein bisschen herumklimpern. Und schon mag ich „Hearts on fire“ viel lieber. Auch „Brass Buttons“ ist plötzlich ok. Ich glaube, dass das hier für jemanden, der Country mag und versteht, ein tolles Album ist. Besonders das Live-Medley ist doch ein bisschen Wärme für’s Herz. Ich fühle es noch nicht so, aber ich arbeite dran. Und dann: „Love hurts!“ Was für ein schönes Cover! Da habe ich dann endlich auch all the feels. Fazit also: Country, ich komme. Ganz langsam und vorsichtig. Ich halte noch in jeder Punkrock-Kneipe auf dem Weg an und trinke einen Schnaps, aber ich komme. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Love hurts


424: Bruce Springsteen – The Rising

Bruce Springsteen hatten wir in dieser Challenge auch schon, aber ich mag seine Musik und habe nichts dagegen, ihm hier noch mal zu begegnen. Dabei muss ich zugeben, dass ich mich mit seinen Alben überhaupt nicht auskenne. Ich lerne also. 

Was ich weiß: The Rising ist von 2002 und sein erstes Studioalbum nach 18 Jahren. Es ist eine direkte musikalische Antwort auf die Anschläge des 11. Septembers 2001 und war sowohl bei Kritikern als auch Publikum erfolgreich. 

Es ist gut, wenn ich schon bevor ich die Playtaste drücke, schon ein bisschen über das Album und die Zeit weiß. Als das Album erscheint, sind die Menschen in den USA verstört und ängstlich – und dann kommt Bruce nach laaaaanger Zeit zurück und gibt ihnen ein vertrautes Gefühl. Etwas Bekanntes, etwas Gutes. In dieser Hinsicht ist das Album wirklich beeindruckend. Man fühlt sich wie in eine warme, große Decke gewickelt. „Into the fire“ startet ein bisschen country-esk, ein bisschen wie ein kleines Gebet. „Waiting on a sunny day“ macht glücklich und gefällt mir richtig gut. Und genauso unaufgeregt geht es weiter. Alles vertraut und nett, bitte. „Empty sky“ zum Beispiel wendet sich dem Thema zu, „World apart“ bringt fast so etwas wie orientalische Klänge hinein. Da steckt dann schon „Come on, let’s be friends“ drin. „The Fuse“ mag ich und „You’re missing“ auch. Da ist ein bisschen Schwung, ein bisschen Trauer, alles drin. Aber genau deshalb auch wenig Neues. Eine Single oder einen einzelnen Song, der hinaussticht und über den man sich vielleicht live freuen würde, höre ich nicht. 

Wenn nur ein Song, dann dieser: Waiting on a sunny day


423: Diana Ross and The Supremes – Anthology

Ich bleibe dabei, dass ich Best-Of-Alben auf dieser Liste unpassend finde. Werde ich für The Supremes eine Ausnahme machen? Ich vermute mal ja. Denn es ist fast unmöglich, das hier nicht zu mögen.

Was ich weiß: In der Blütezeit des Motown waren die Supremes die Hit-Machine. Das lag nicht nur an den großartigen Singles, sondern auch an der einzigartigen Stimme von Diana Ross. Diese Anthology hier ist von 1973 und sowas wie ein Rückblick auf ihre Hits der 1960er (als eh hauptsächlich Singles veröffentlicht wurden.) Und dann kommt Disco, Baby.

Das startet ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. So süßlich und wenig stimmgewaltig. Oder vielleicht kenne ich einfach den Song nicht? Bei einer Anthologie denke ich ja gleich an ein Best Of. Wenn ich mir 1960er Girlbands vorstelle, ist das „Buttered Popcorn“. Das macht Spaß und tut keinem weh. Vielleicht ist es sogar noch ein bisschen zweideutig. Oder man brauchte es für Werbung im Kino. Keine Ahnung. “The tears“ mag ich sehr, das fühlt man. Im Laufe des Albums merke ich auch, warum das hier so anders ist als aktuelle Musik. Diana Ross hat eine unglaubliche Stimme, trotzdem muss sie das nicht beweisen. Kein Schreien beim Höhepunkt des Songs, kein Abklappern von Tonleitern. Sie singt die Songs souverän und unaufgeregt. Das ist alles so lange her und ich kenne eigentlich keinen der frühen Songs so richtig. Dann geht’s aber los: „Where did our love go“ natürlich, „Baby love“, „Stop in der name of love“, „Can’t hurry love“. Was auch auffällt: es geht in den Songs eigentlich nur um Liebe und Partnerschaft. Love love love. Aber zu einem Großteil ist das unglücklich. Entweder ist die Lady völlig abhängig („My world is empty with out you, Baby“) oder sie versucht den Typ zu überzeugen, sie nicht zu betrügen, oder zumindest ein bisschen netter zu sein. Waren das die Beziehungsperspektiven für Frauen? Wer das Album hier rein musikalisch betrachten will, sieht in den 49 Songs (!) den Weg vom Ende der fünfziger bis in die 1970er. Es wird ein bisschen sexy und die Supremes entwickeln sich langsam zu den bekannten Disco-Ikonen. Insgesamt gebe ich trotz der Länge des Albums einen großen Daumen hoch. Die Songs machen einfach sehr viel Spaß (auch trotz der deprimierenden Texte). Mein Herz schlägt wieder für Disco.

Wenn nur ein Song, dann dieser: „Baby Love“


422: The Ronettes – Presenting the fabulous Ronettes

Wenn The Ronettes die Girl Group sind, an die ich denke, wenn ich das Cover sehe, wird das hier richtig gut. Ein bisschen Rock, ein bisschen Blues. Alles etwas ungewöhnlich, wenn es Ende der 1950er von Frauen kommt?

Was ich weiß: Sie sahen ganz brav aus, hatten musikalisch aber einiges zu bieten. Das Album hier ist von 1964 und wie vorhin bei den Supremes eine Sammlung ihrer Singles aus den letzten Jahren. 

Ich sag’s wie es ist: Cover und die ersten Töne bringen mich schon in die richtige Stimmung. Gewitter! Toll! Das ist irgendwie monumental, vielleicht, weil es auch so wahnsinnig lange her ist (und man das auch hört). Hört euch mal „So young“ an, da sehe ich gleich verzweifelte Teenager aus alten Filmen. Sie ist zu jung, um zu heiraten, oh weh! Die Songs sind alle schnell und kurz und fühlen sich nach Livemusik an. Die Art, wie sie es nicht nur wegen Corona scheinbar schon lange nicht mehr gibt. Ich will mich in mein schönstes Kleid schmeißen und mich dorthin ausführen lassen. Aber: Auch wenn das so im Nachhinein alles brav aussieht, es fühlt sich hier nicht so an. „What’d I say“ ist rocknrollig. Hier fühlt man sich gut und „shaked that thing“. Vielleicht ist es die Musik, die man heimlich hört, wenn die Teenager-Hormone kicken. Und in dem Moment, als ich darüber nachdenke, starte „Be my Baby“ und I’m in love (ich bin Dirty Dancing sozialisiert, ich kann da nichts für).

Wenn nur ein Song, dann dieser: „Be my Baby“


421: Various Artists – The Best of Girl Groupes Volume 1 and 2

Leute, Leute, ist das euer ernst? Jede Dude, der auf einer Bühne stehen und eine Gitarre halten kann, ist hier mit seinem Album vertreten, und die Girls bekommen gemeinsam ein Best of? Schaut mich an, wie ich enttäuscht meinen Kopf schüttle. 

Was ich weiß: Der Rolling Stone schreibt es so: Zwischen Elvis und den Beatles waren es Girl Groups wie die Shirelles und die Shangri-Las, die den Rock & Roll am Leben gehalten haben. Da zu dieser Zeit hauptsächlich Singles veröffentlicht worden sind, sammelt dieses Album hier die erfolgreichsten. Ich bin zwar noch immer grumpy, aber freue mich jetzt trotzdem sehr, hier vielleicht noch etwas Neues zu entdecken.

Ich muss mich von den Ronettes vom letzten Album gar nicht umstellen. Es geht gleich auf die gleiche Art weiter. Hier weinen Frauen über ihre furchtbaren Beziehung, wollen endlich geheiratet werden oder gehen tanzen. „Going to the chapel“ kommt hier gleich noch mal vor, diesmal aber von den Dixie Cups. Der „Shoop Shoop Song“! Yes! Ich habe richtig viel Spaß mit dem Album, weil ich ja fast jeden Song irgendwoher kenne. So ein großes, rundes Ganzes ist es aber nicht, eher eine kleine Entdeckungsreise, ein Sprungbrett in einen Pool aus Girlgroups. Ich möchte nun gerne über jede einzelne dieser Bands lesen. Wie schade, dass ich hier nicht mehr davon bekomme. Vielleicht später noch? Aber warum denn dieses Album? Wer ist Claudine Park“ „Party Lights“ ist toll! So viel Spaß diese Musik auch macht, desto erschreckender führen die Texte auch vor Augen wie weit wir gekommen sind seit 1950. Ich will ein paar davon als schöner Handletterings sehen, ha ha, „Do the Locomotion with me“. Aber auch: Schaut man mal richtig darauf, sieht man, dass alles sehr gleich und mit Blick auf den Massenmarkt produziert ist. Was ist daran anders als die 1990er Euro-Dance-Tracks oder jetzige Radiopop-Liedermacher?

Wenn nur ein Song, dann dieser: „Shoop Shoop Song“


Und als kleines Zuckerstückchen entlasse ich euch in dieser Woche mit diesem tollen Text:

“Johnny, get angry. Johnny, get mad. Give me the biggest lecture that I’ve ever had. 

I want a brave man, I want a caveman.

Johnny show me that you really care for me.”


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