buchtipps im Mai

Bücher im Mai (2021)

Was ein Monat. So viel schlechtes Wetter, so viel Hoffnung, dass hier in Köln langsam wieder alles geöffnet wird. So viel Nervösität, wie sich das anfühlen wird. Es wird euch kaum überraschen, aber wenn ich nervös bin, dann lese ich. In diesem Monat alles von Soft-Sex-Pulp über Krimis und Sachbuch bis zu Romanen, die mir den Magen umdrehen. Vielleicht im Juni mal wieder etwas Nettes?


Fische – Melissa Broder

Ich habe eine Menge schwere Bücher gelesen in der letzten Zeit. Naja, sagen wir, Bücher zu schweren Themen. Da wurde es Zeit, für etwas Leichtes, ein bisschen Love, ein bisschen Pulp. Ich bekam hier beides, nur in sehr sehr seltsam. Ach ja, und viel Sex, sehr explizit. Damit hatte ich nicht gerechnet. In Kurz: Lucy und ihr Lebensgefährte trennen sich. Weil sie das psychisch nicht gut wegsteckt, soll sie bei ihrer Schwester in Venice Beach eine Auszeit nehmen, auf den Hund aufpassen, zu einer Selbsthilfegruppe gehen. Während sie versucht, über den Ex hinweg zu kommen, geht sie auf bemerkenswert schlechte Tinderdates, hört sich die schlimmen Männergeschichten ihrer Therapie-Kumpaninnen an und verliebt sich dann in einen Fischmann. Ja, richtig gelesen, so wie eine Meerjungfrau, nur in männlich. Das hätte wirklich sehr pulpig und lustig sein können, aber leider dauert und dauert es, bis mal was passiert. Eigentlich liest man nur Seite über Seite von Frauen, die fast bis zum Wahnsinn abhängig von Beziehungen sind. Und als große Lösung ab Schluss, SPOILER, beschließt Lucy, sich nicht für den Meermann ins Meer zu stürzen. Slow fucking clap. Ich weiß jetzt jedenfalls, dass ich Fische nicht allzu sexy finde. Sternchen gibt es aber für das tolle Cover.

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Olympia – Volker Kutscher

Endlich endlich endlich. Habe mir ja ganz schön viel Zeit gelassen, den mittlerweile 8. Teil der Reihe zu lesen. Ich kann da eigentlich immer nur dasselbe erzählen. Ich mag die Krimis wegen ihrer Atmosphäre, die 1920er und 1930er Jahre in Deutschland aus der Perspektive von Menschen, die nicht ganz verstehen, was da gerade mit ihrem Land passiert, umgeben von Pro und Contra und mittlerweile auch sehr viel Gewalt und Angst. Es ist nämlich schon 1936 in Olympia – und genau dort dürfen wir jetzt auch zuschauen: Bei Morden im Olympischen Dorf. Ich hatte wieder die ganze Zeit das Bedürfnis, Ereignisse nachzuschlagen und mir alte Aufnahmen auf YouTube anzusehen. Ich hoffe, ich werde jetzt nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Mit dem Ende war ich nicht so ganz zufrieden, aber es kommen ja noch zwei Bände in der Reihe. Ich freu mich. 

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Mord im Orientexpress – Agatha Christie

Was ist los, Miriam, gleich noch ein Krimi? Vielleicht wollte ich mal testen, ob ich da langsam in eine neue Liebe reinrutsche. Ich kann euch beruhigen: Nicht wirklich. Insgesamt ist dieser Klassiker von Agatha Christie trotzdem richtig gut. Eine schöne Wer-war’s-Geschichte, ein Kammerspiel in einem Zug, der im Schnee feststeckt und in dem ein Mord geschieht. Liest man, oder in meinem Fall hört man schnell weg. Angenehm und ein bisschen spannend. Reicht aber jetzt auch wieder mit den Krimis für mich. 

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Die Ballade vom traurigen Café –  Carson McCullers

Noch ein Klassiker, bitte. Hier eine Novelle von der von mir sehr geschätzten Carson McCullers aus dem Jahr 1951. Es geht um Miss Amalia, die in einem kleinen Dorf im Herzen der Amerikanischen Südstaaten etwas eigenbrödlerisch lebt. Bis ein Mann dazukommt, sie aufblüht und mit ihm ein Café eröffnet. Aber ist er wirklich so gut für sie? Spätestens als ihr gewalttätiger Exmann zurück in die Stadt kommt, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Ein kurzes Buch über Liebe, Sehnsucht, Verrat und die Frage, was Glück bedeutet. Die Charaktere darin muss man nicht mögen, aber fasziniert von ihnen sein. Die Stimmung macht’s wieder. 

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Body Politics – Melodie Michelberger

{Presseexemplar} Wer schlank ist, ist schön. Wer schlank ist, ist gesund. Erfolgreich, intelligent, sportlich und glücklich. Das alles sind Bilder, die in der Gesellschaft und uns verankert sind. Es gibt Probleme mit diesem Bild, denn was ist mit den anderen? Und wenn trotzdem alles scheiße ist, liegt es dann doch an der Figur? Melodie Michelsberger schreibt über ein verzerrtes Selbstbild. Über Diäten und Vorurteile und den Drang, alles zu optimieren, besonders den eigenen Körper – bis man davon krank wird. Am Anfang war ich verwirrt, warum es so lange über sie selbst geht, aber das ist gut so, denn so kann sie sich selbst bei allem, was später kommt, immer wieder als Beispiel anführen. Und da kommt einiges. Sie erklärt, wie es zu diesen gesellschaftlichen Annahmen gekommen ist. Wo alles diskriminiert wird. Ich glaube, dass das Buch besonders gut für Menschen geeignet ist, die sich mit dem Thema noch nicht viel beschäftigt haben. Hoffentlich ist es ein Anfang.

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Der Hund – Akiz

Wie Das Parfum, nur für den Geschmackssinn, in etwa so wurde mir das Buch beschrieben. Aber da kommt es leider nicht ran. Die Geschichte ist rau, aggressiv und arg konstruiert. „Der Hund“ ist ein kleiner Mann, war irgendwo eingesperrt, alle Sinne auf ein Minimum heruntergefahren, so hat sich ein außergewöhnlicher Geschmackssinn entwickelt. Jahre später kommt er über Umwege in ein Sterne-Restaurant und macht dort Leute mit seiner Kochkunst verrückt. Man wartet beim Lesen leider die ganze Zeit, dass irgendwas passiert, aber eigentlich schaut man nur dem Wegbegleiter zu, der den namenlosen Wunderkoch für seine eigene Karriere mit sich schleppt. Erklärt wird gar nix. Insgesamt wird glaube ich vier Mal irgendetwas Großartiges zubereitet. Wer Geschichten mag, die in Profi-Küchen spielen, wird das hier mögen. Wer eklige Dinge mit Tieren nicht lesen kann, sollte die Finger davon lassen. 

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Was man sät – Marieke Lucas Rijneveld

Hier war ich wirklich gespannt, in zweierlei Hinsicht. Zum einen hat das Buch letztes Jahr den International Man Booker Prize gewonnen (und das passt mit meinen Lesevorlieben eigentlich immer ganz gut), zum anderen wird das Buch als schwere Kost beschrieben und ich wusste nicht, ob ich mich dafür gerade mental so fit fühlte. Well well well – ich komme raus mit gemischten Gefühlen. Zum einen, ja, das ist ein gutes Buch. Es beschreibt die Abwärtsspirale einer ganzen Familie, sprachgewaltig und auf jeder Seite nach Liebe lechzend. Oft verstörend, scheinbar zeitlos. Auf der anderen Seite gibt es in dem ganzen Schmerz keine Lichtblicke. Es ist so anstrengend, so ermüdend und unangenehm für die Leserin. Das Buch zieht viel Energie. Am Ende hatte ich diese Idee, die mich seitdem nicht mehr loslässt: Wir gerne ich das Buch als Horrorbuch gelesen hätte. Also so richtig im Genre mit Monster oder böser Energie. Hat das Buch hier jemand gelesen und empfindet auch so?

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Gästebuch. Gespenstergeschichten – Leanne Shapton 

Leanne Shapton schreibt Bücher als Collagen. Es sind Experimente, denn im Buch gibt es keine offensichtliche Handlung. Aus einer Sammlung an Fotos und Texten müssen wir die Geschichte selbst herauspicken. Und davon gibt es viele, die mal mehr und mal weniger Wirkung zeigen: Der erfolgreiche Tennisspieler, der von einem unsichtbaren Wesen begleitet wird. Der Herr im blauen Anzug, der an einem Tag auf hunderten Veranstaltungen auftaucht. Die Kollektion an alten Kleidern, die alle Geschichten erzählen. Der Grönlandhai, der alles schon gesehen hat. Man muss sich auf die einzelnen Fragmente einlassen, um die Gespenster zu finden, denn die tauchen hier nicht nur in ihrer klassischen Gestalt auf. Die Autorin schafft im Buch mit ihren Fragmenten die Atmosphäre, mit der unser Kopf dann weitermachen muss. Ich fand es großartig. 

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