Lit.Cologne – Dave Eggers

2013-03-12 23.18.19

Oft genug versichere ich, wie lieb ich Köln habe. Das muss ich mir nicht mal überall auf die Wäsche schreiben. Ein besonderer Grund dafür ist auch die Lit.Cologne, das jährliche Literaturfestival, das dieses Jahr schon in die 13. Runde geht.
Besonders gefreut habe ich mich dieses Jahr auf Dave Eggers. Obwohl ich als einziges Buch seinen Debutroman Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität gelesen habe, seine anderen Bücher stehen oben auf meiner Leseliste.

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Walk the Moon, 05.03.2013

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In Köln wird es Frühling, zumindest für eine Woche. Wie passend, dass hier genau jetzt Walk the Moon Station machen – eine Band, die vor allem dafür bekannt ist, einen der besten Sommerhits des letzten Jahres veröffentlicht zu haben. Die Single Anna Sun stieg im Sommer hoch in die US-Charts ein und wurde vom Esquire-Magazin unter die „30 summer songs every man should listen to“ gewählt. 
Was dieser Abend verspricht – und auch hält – ist genau das: Indiepop voller Energie, Lebensfreude, Spaß!
 
Zu Beginn müssen wir aber zusammen die Vorband überstehen. The Rubens sind so langweilig und lieblos bei der Sache, wie man es von so einer jungen Band kaum erwarten kann. Im Gegensatz zu Walk the Moon wirken sie alt und verstaubt, und als hätten sie nach langer Tour gar keine Lust mehr auf der Bühne zu stehen. Das Publikum anheizen geht definitiv anders. 
 
Beim Umbau kämpfe ich mich für die Fotos in die erste Reihe – und treffe auf ein Teenfest. Junge Mädchen, die sich wie die Band mit Kriegsbemalung geschmückt haben und laut überlegen, wer der süßeste der Band ist, sehe ich eher selten im Gebäude 9. In den Reihen dahinter stehen die Tänzer – gut so. In Sachen Enegie und Getanze kann trotzdem niemand mit Walk the Moon mithalten. Als die vier Jungs aus Cincinnati pünktlich um 22 Uhr die Bühne stürmen, sprudelt die Energie nur so aus ihnen hinaus. Wir sehen wilde Tanzeinlagen (keine Boyband-Choreografien), die authentisch und erfrischend sind. 
 

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Schon ab dem zweiten Song Next in Line ist dann auch das Publikum nicht mehr zu halten. Walk the moon haben sich nicht ohne Grund einen Ruf als außergewöhnlich energetische Live-Band erspielt. Erfolgreich meisterten sie bereits Auftritte beim SXSW-Festival sowie im Vorprogramm von Weezer, Panic At The Disco oder den Kaiser Chiefs. Dass die Konzerte keine Routine werden sollen, unterstreichen sie auch mit der im Publikum schon gesehenen Kriegsbemalung. „Das hier ist ein sicherer Raum“, verkündet Sänger Nicholas Petricca auf der Bühne. „Vergesst alles, was da draußen ist und flippt richtig aus.“
 
Die Tanzaufforderungen zwischendurch verfehlen nicht ihre Wirkung. „Shiver Shiver“, Tightrope“ und „Jenny“ werden gleichberechtigt gefeiert. Bei „Iscariot“ halten wir inne und lauschen auch den ruhigen Klängen. Und auch wenn das Publikum heimlich natürlich auf den Hit „Anna Sun“ wartet, den die Band ganz zum Schluss spielt, um die Spannung zu halten, verbreitet Walk the Moon eine Ausgelassenheit, die ansteckend ist. Dazu trägt vor allem bei, dass die Songs einfach gut sind. Nicholas Petricca (Gesang, Keyboards), Kevin Ray (Bass), Eli Maiman (Gitarre) und Sean Waugaman (Drums) tänzeln durch die Playlist ihres Albums und mischen 2 Songs der neuen EP „Tightrope“ ein. Außergewöhnlich gut ist dabei Petriccas Stimme, die er von mehrstimmigem Falsett bis laut-krächzenden Hymnen beherrscht. 
 
Was man am Ende über wenige Band sagen kann: Walk the Moon brauchen größere Hallen. Wer so frischen, authentischen und jungen Indiepop macht, sollte sich vor Fans nicht retten können. Genug Energie, um viel größere Hallen zu füllen, haben sie allemal. 

Köln, Konzerte, Kapazitäten

Köln ist toll. Nicht schön, ok, das gebe ich zu, aber toll. Wer gerne auf Konzerte geht, kann sich kaum eine bessere Stadt aussuchen. Besonders kleine Bands kommen neben Berlin fast immer auch nach Köln, erst danach folgen Hamburg und vielleicht noch München. Wahrscheinlich liegt das einerseits daran, dass unsere Veranstalter und Booker noch viele gute Kontakte aus der Popkomm-Zeit haben. Andererseits haben wir auch viele wirklich gute Veranstaltungsorte – besonders die Kleinen!

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Tickets kaufen: Art Brut

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Tja, als hätte ich es vorausgesagt. Vor kurzem haben sie noch 10-jähriges Bandjubiläum gefeiert und schon machen sie sich wieder auf. Art Brut kommen nach Köln – wieder ins Luxor.
Eddie Argos kann zwar nicht singen, aber das ist ihm so egal wie dem Publikum. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass unschuldige Redakteurinnen sich auf dem Konzert Hals über Kopf in das wild tanzende Energiebündel verliebt haben – sag ich jetzt mal so.

Art Brut spielen am 03. Mai in Köln, und wer sich keine Karte kauft, ist selbst Schuld.

Musikvideo: Darwin Deez – You can’t be my girl

Wo ich gerade über den netten jungen Herrn berichtet habe… Was für ein wunderbares neues Video!

In kurz: Darwin Deez kauft sich einen ganzen Haufen Stockvideos, schneidet sie so zusammen, dass sie ansatzweise einer Story folgen und schneidet sich selbst gleich auch noch hinein. Das ist eigentlich ganz simpel – und wahnsinnig lustig.

Darwin Deez „You Can’t Be My Girl“ from Keith Schofield on Vimeo.

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Darwin Deez, 20.02.2013, Gloria

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Im Publikum von Darwin Deez trifft man genau die Leute, die man dort auch erwartet hat: Den Raum teilen sich süße Mädchen und sensible Jungs, Arm in Arm oder in kleinen Gruppen tanzend, mit den durchschnittlichen Großstadt-Hipstern. Wobei, ach, dieses Wort.Das sollte man bei einer Darwin Deez Review tunlichst vermeiden.
Der dürre Junge aus New York mit seinen Korkenzieherlocken und den seltsamen 80er- und 90er-Jahre-Klamotten wurde lange als der Prototyp des durchschnittlichen Hipsters gehandelt. Man vergisst dabei schnell, dass der Mann hier ist, um sein neues Album vorzustellen.


„Songs for imaginative people“ ist weniger Pop-Fantasie, sondern ein bisschen rauer und vielfältiger. Gerade für Konzerte ist da aber auch weniger Hitpotenzial – im Moment jedenfalls. Wie nicht anders zu erwarten, kommen die Songs vom alten Album natürlich besser an. Im Gegensatz zur Review von Intro waren das aber einige Stücke und bei weitem nicht nur „Radar Detector“. „Constellations“, „DNA“ und „Up in the Clouds“ wurden zum Beispiel genauso mitgesungen und wild betanzt. Wer weiß, wo der Intro-Herr gestanden hat, vorne bei mir war die Stimmung großartig.


Was Missgünstige neben den ganzen Tanzeinlagen und lustigen Outfits dann doch nicht vermuten: Der Mann kann richtig Gitarre spielen. Das beweist er mit mehrminütigen Gitarrensoli und ironisch-referenziellem Spielen hinter dem Kopf. Dass das alles nicht nur Spaß und Spontaneität ist, bemerkt man nur, wenn man dann wirklich genau hinsieht. Als Gitarrist Andrew Hoepfner sich in einem Stück kurz verspielt, wirft Darwin ihm einen kurzen, aber überaus kritischen Blick zu. Der Mann, der sonst im Studio alles alleine macht, muss sich hier auf der Bühne eben auch auf seine Bandmitglieder verlassen.
Hinter all der Professionalität erkennt man aber deutlich den Spaß, die die Band auf der Bühnen hat. Publikum und Band freuen sich über die synchronen Tanzeinlagen zu 90er-Boyband-R&B, Elektro-TV-Themes und irgendwas Metall-artigem. Andrew tanzt wie Klaus Kinski auf Ecstasy. Das Publikum singt und tanzt jeden Hit wild mit. „The Stage, this is our livingroom“ sagt Darwin mittendrin.

Obwohl anders geplant, hat die Band dann die Zugabe doch mit „Bad Day“ beendet. Vielleicht weil das Publikum die alten Songs noch ein bisschen mehr mochte, vielleicht weil Darwin doch etwas gesundheitlich angeschlagen war und „Human“ nicht mehr geschafft hat. Egal, Spaß gemacht hat es trotzdem.

Local Natives, 16.02.2013, Stadtgarten

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So, da haben wir es. Das erste Konzert in diesem Jahr. Und das erst im Februar, pöh. Aber der Januar war mau und meine Zeit knapp. Also, womit starten wir das Jahr? Mit dem Local Natives. Gute Wahl.
Letzte Woche haben die wahlweise zwischen 4 und 5 Herren im Stadtgarten gespielt. Der Club war ausverkauft und die Band baff. „Wir dachten wir spielen wieder in dem kleinen Saal, und jetzt sind hier so viele Menschen“ verkündigte man während des Konzerts. Gestört hat das sicherlich niemanden. Das Publikum war gut drauf, tanzte (rechts von der Bühne) oder wippte gekonnt mit (links von der Bühne).

Die Setlist sah ungefähr so aus:
You & I
Breakers
Wide Eyes
Black Spot
Heavy Feet
Mt. Washington
Warning Sign
Camera Talk
Ceilings
Colombia
Airplaines
Bowery
—-
Wooly Mammoth
Who knows whi cares
Sun Hands

Was mir gleich aufgefallen ist: Die Band klingt live fast so wie auf Platte. Da das gerade bei den besonderen Arrangements von Local Natives nicht einfach ist, bringt ihnen das schon mal einen großen Pluspunkt. Vielleicht war es aber auch genau das, was mich bei den ersten paar Songs dann doch nicht so ganz überzeugt hat. Das mehrstimmige Singen und die perfekte Soundwand, die da auf das Publikum traf – das kam mir alles etwas zahm vor. Man merkte, dass da noch viel mehr kommen kann. Live ist eben eine andere Situation, die Musik muss einen dort anders mitnehmen als auf der CD.
Als die Jungs sich dann ein bisschen eingespielt hatten, krachte es aber noch gewaltig. Auch wenn sie mehr den Fokus auf die Songs aus dem aktuellen Album gelegt haben, holten die eingestreuten Songs aus Gorilla Manor das Publikum immer genau im richtigen Moment wieder ab. Besonders Taylor Rice (Gitarre und Gesang) sprang und tanzte bald wild über die Bühne und zeigte, wie viel mehr Punk in der Band steckt, als zumindest ich gedacht hatte. Da hat es mich auch fast nicht mehr überrascht, als man kurzerhand das Publikum zum Besuch einer befreundeten Punkband „nur die Straße runter“ einlud.

Das Konzert endete in der Zugabe wunderbar mit dem wilden „Sun Hands“ – ein perfekter Abschluss, der noch einmal ein bisschen Mehrstimmigkeit hervorholte, damit aber entgültig klarstellte, dass das gar nicht zahm sein muss.