Reptile Youth, 20.11.2012, Gebäude 9

Morgen ist das letzte Deutschlandkonzert von Reptile Youth in Hamburg. Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass die beiden Jungs aus Dänemark zurzeit eine der besten Liveacts sind, die man sich in kleinen schmuddeligen Hallen ansehen kann. Ihr Ruf eilte ihnen schon vor dem im September erschienen Debütalbum voraus: Unkontrollierbare Tanzeinlagen, Publikumskontakt mit einem großen Ausrufezeichen, viel Spaß.

Meine Kollegin Jessi und ich wurden von Mads und Esben für ein kleines Interview und Fotoshoot vor dem Konzert in Köln eingeladen. Den Bericht könnt ihr hier beim Digitalregime nachlesen.
Die Jungs waren wirklich sehr nett und haben mich sogar kurz vor der Show noch ein paar Fotos machen lassen.

Das Konzert selbst war leider nicht so gut besucht, wie ich gehofft und Reptile Youth es verdient hatten. Die beiden scheint das allerdings nicht gestört zu haben. „Jede Show ist anders, das hat nichts mit der Anzahl der Leute zu tun“, hat Mads uns davor erzählt. „Es kann ausverkauft sein, aber die Hälfte der Leute ist gerade von ihren Freundinnen verlassen worden. Und dann können nur wenige Leute da sein, die aber richtig Lust drauf haben.“

Wie viele Leute vor der Bühne standen, die Kölner hatten Lust und Reptile Youth haben nicht runter geschaltet. Von Black Swan Born White über Shooting up Sunshine bis Speeddance, wir haben gefeiert, getanzt und ich besonders viele Fotos gemacht. Ich durfte nämlich das ganze Konzert durch fotografieren.

Weglegen müsste ich die Kamera dann aber doch zumindest bei Heart Blood Beat, denn das ist mein liebster Song von Album, und da musste auch ich ein wenig wilder tanzen.

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Die Orsons, 12.11.2012, Gloria

Die Orsons sind das, was Die Ärzte früher mal waren. Das behaupte ich jetzt einfach mal.
Die Orsons sind sehr melodisch, haben perfektes Mitsing- und Mitgröhl-Material, ohne zum Mallorca-Schlager abzurutschen, und hin und wieder finden sich dazwischen relativ provokante Texte. Auf ihren Konzerten spielen sie kleine Sketche zwischen ihren Songs und singen immer wieder eigene Versionen von aktuellen Pophits an. Ärzte.

Wo Die Ärzte aber leider immer mehr in die Is-mir-egalichkeit abrutschen und das Die Ärzte-Publikum doch schon schwer in die Jahre gekommen ist und bei Konzerten in großen Hallen lieber die Sitzplätze wählt, punkten die Orsons mit Energie und Frische. Sie sind pubertär und lepsch (wie man in Köln sagt), die Hälfte der Songs handelt vom Trinken und Feiern und davon, das Leben zu genießen. Dabei kommen so schöne Texte heraus wie diese:

„Sollten unsre Kinder irgendwann mal meckern ‚Früher war alles viel besser!‘ dann mein‘ sie damit jetzt.“
„Kein Foto und kein Video, kann festhalten was ich grade fühl.“
„Ich trink Vodka Apfel und drücke auf Apfeltaste+Z. (Rückgängig machen auf nem Mac), jedem den Gag erklärt: Check!“

Ganz ehrlich: Die Orsons sind eigentlich gar nicht meine Musik und auf das Konzert mitgekommen bin ich nur für Freunde. Am Eingang stand ich dann nicht auf der Fotoliste und konnte nur noch aus der Menge aus einer einzigen Position fotografieren. Der Abend ging mir also ganz am Anfang schon kräftig auf die Nerven.


Die Band und vor allem das großartige feiernde Publikum haben mich aber ganz schnell mitgerissen. Die Songs sind live sehr stark und das Publikum ist fast bis in die letzte Ecke mitgegangen – tanzen, springen, winken, singen, alles.
Als „Für immer Berlin“ fertig war und das Publikum ca. 10 Minuten alleine weiter sang, war das ein Gänsehautmoment auf der Bühne und in der Menge. Auch die Zugaben wurden durchgefeiert und anstatt müde zu werden, powerte das Publikum mehr und mehr.
Nach dem Konzert standen zwei der Jungs, einer war zu betrunken und einer hatte sich beim Stagediven schlimm den Kopf angehauen (generell Zeichen für äußerst gute Konzerte), noch bis 1 Uhr mit den Fans am Merch.

Also bitte: Sobald die Herren in eure Stadt kommen – hingehen und mitfeiern! Die spielen bestimmt nicht mehr lange in kleinen Hallen.

Robyn, 30.10.2012, E-Werk

Hach, E-Werk, das wird wohl nix mehr mit uns. Schon wieder kann ich nur Fotos bieten und keinen Bericht.
Die Nach-3-Liedern-muss-die-Kamera-raus-Regel besteht noch immer.
Mal sehen, ob ich herausfinden kann, wann das so ist, und wann nicht. Dann auch dieses Mal war ich sehr enttäuscht.
Robyn ist großartig gestartet – laut und wild, tanzend und springend.
Der Fotograben war ungewöhnlich breit. Vielleicht war der noch für irgendwas gut? Ich weiß es jedenfalls nicht.

We are Augustines, 14.10.2012, Luxor

We are Augustines  sind eine Band, die mir in letzter Zeit seltsamerweise ausschließlich von männlichen Freunden empfohlen wurde. Ich habe sie mir auf Spotify angehört und fand sie gut. Ich bin also zum Konzert, ohne die Band so richtig gesehen zu haben. Das viel mir allerdings erst auf, als ich mich in einer Schar hübsch zurecht gemachter junger Damen wiederfand. Mooooment. Was war denn hier los? Ich erwartete eigentlich halbwegs düstere Gitarrenriffs, Jeansjacken, Bier, und weniger schmachtende Mädchen, die ihren Lippenstift nachzogen.
Zufällig habe ich einen befreundeten Fotografen dort getroffen (hallo Dirk!) und er hat mich aufgeklärt: Der Sänger sieht aus wie Brad Pitt, sagen sie, so ein bisschen, wenn er lächelt. Alle Frauen fliegen jedenfalls auf ihn. Aha. Und warum sagt mir das keine vorher!? Da bereite ich mich schön vor mit Musikhören und scheine diese äußerst wichtige Nachricht verschlafen zu haben?!
Als erstes durften wir uns aber die Vorband ansehen: Go back to the Zoo. Der Name geht ja so. Die Band hat mir allerdings sehr gut gefallen. Von denen würde ich mir auch ein ganzes Konzert ansehen. So ein bisschen früher New York Punk, mit ein bisschen Neuem – vielleicht Vaccines oder so. Auf Platte allerdings ein wenig zu glatt produziert.
Dann kam erstmal Nebel. Viel, viel Nebel. Da freut sich das Fotografenherz, denn Nebel heißt, dass die Bilder gar nicht toll werden. Nebel im Luxor heißt eigentlich, dass man gleich wieder nach Hause gehen kann. Das wird nix. Bevor ich weiter auf klare Sicht hoffen konnte, ging es aber auch schon los. Brad Pitt hatte ich mir dann doch etwas anders vorgestellt. Naja, nett war er schon. Während des Fotografierens hat man da ja auch nicht sooo genau ein Auge drauf.
Aber dann. Was für ein Konzert. Von Lied zu Lied wurde die Band entspannter – schließlich war es, wie sie erzählten, das letzte Konzert der Tour. Man lächelte (aha! jetzt sehe ich es auch!) und feierte das Ende einer langen Reise. Merken: Der letzte Termin der Tour ist ein ganz besonderer.
Sänger Billy McCarthy hat sich so überwältigend die Seele aus dem Leib gesungen, dass bei der Zugabe sogar der Klomann raus kam, um nachzugucken, was da los war. Am Ende wollten sie gar nicht mehr nach Hause. Spielten noch ein Song, noch einen, holten Fans auf die Bühne, bedankten sich, hatten Pipi in den Augen, und umarmten noch einmal jeden einzelnen.
Schönes Konzert, kommt in die Top Ten des Jahres.

The Gaslight Anthem, 25.10.2012, E-Werk

Auch ein fantastisches Konzert kann die Laune verderben… wobei, eigentlich weiß ich ja nicht, ob es fantastisch war.
Von vorne? Ich war bei The Gaslight Anthem, hatte mich schon lange darauf gefreut. Und auch noch Blood Red Shoes als Vorgruppe – whoop whoop!! Das konnte nur ein unglaublich fantastischer Abend werden. Dann stellte sich The Gaslight Anthem aber als die Sorte Band raus, die Fotografen wieder raus schmeißt.

Bei solchen Bands darf man die üblichen drei Songs fotografieren, dann aber bitte sofort die Kamera aus der Halle entfernen. „Hey, du darfst danach ja auch wieder rein kommen.“ Toll. Dass wir hier nicht in einer Dorfdisco sind, sondern in Köln, und es tatsächlich Leute gibt, die nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn oder dem Fahrrad kommen, daran scheint niemand zu denken. (Oder das man die Kamera auch so nicht gerne vor dem Konzert im Auto lassen möchte…) Den Hinweis vielleicht zu bekommen, wenn man seine Akkreditierung bekommt, geht natürlich auch nicht.
Im Gegensatz zu den Berufsfotografen im Graben eile ich nach den drei Liedern auch nicht schnell nach Hause, um die Fotos noch am selben Abend allen Musikredaktionen der Welt anzubieten, sondern will das Konzert auch tatsächlich sehen und darüber schreiben.

Hier also mein Bericht: Die Blood Red Shoes waren wie immer großartig. Allerdings waren sie verdammt schlecht abgemischt. Laura-Mary Carters Stimme hörte man immer wieder gar nicht und auch sonst war alles sehr flach. Habe trotzdem gut getanzt.
Bei The Gaslight Anthem war es dann viel zu voll im Fotograben. Mit gefühlten 300 Fotografen mit riesigen Kameras vor der Bühne steht man sich nicht nur im Weg, sondern stolpert die ganze Zeit übereinander und versperrt den Fans die Sicht. Das finden alle scheiße.
Den ersten Song bekommt man als Fotograf wegen der ganzen Justiererei und Platzsuche eh nicht wirklich mit. Ab dem zweiten Lied hat mir The Gaslight Anthem schon sehr gut gefallen. Sehr ausdrucksstark waren sie, sehr charismatisch. Die Stimme von Brian Fallon ist klasse, der Sound super. Als drittes Lied spielten sie Old White Lincoln – bei einem Hit der Band zu fotografieren macht immer Spaß. Besonders wenn die Band selbst so viel Spaß dabei hat. Das Publikum hatten sie da natürlich auch gleich auf ihrer Seite. Alle sangen mit, tanzten und nahmen dem Sänger die Arbeit ab.

Was danach passierte, muss ich selbst bei anderen nachlesen. Wer weiß, warum manche Bands oder deren Management solche Angst haben, dass sich SLR-Kameras noch im selben Raum befinden könnten. Die übrigens von anständigen Fotografen garantiert nicht mehr benutzt werden. Vielleicht sollte man ihnen mal zeigen, was die ganzen Smartphones mittlerweile für Bilder machen. An die neuen, kleinen Systemkameras, die ich mehr und mehr im Publikum sehe, möchte ich gar nicht denken. Die dürfen alle mit rein nehmen – und da sie nicht akkreditiert sind, können sie vorne stehen und sogar blitzen, und haben oft bessere Bilder als die Fotografen.

Mein Highlight an diesem Abend ist also dieses: auf dem Nachhauseweg einen Döner kaufen und ein Ayran geschenkt bekommen. „Weil du so traurig aussiehst.“ Danke Dönermann.

Scissor Sisters, 09.10.2012, Gloria

Selten sind bei einem Konzert die Erwartungen so weit von der Realität entfernt gewesen wie bei diesem.
Bei den Scissor Sisters erwartete ich eine Party, die ihresgleichen sucht: pink, Plüsch, die komplette Gay- und Drag-Szene Kölns gemeinsam im Gloria. Und Glitter auch.
Im großen und ganzen erwartetet ich das.

Ich bekam: Eine sehr gute Show, ein ganz seltsames Publikum.
Zu aller erst war das Gloria nicht mal ausverkauft. Was war denn da los? Als ich ankam, waren da: nette mittelalte Herren, die kleine Bierbäuche vor sich her trugen und sich an die Tische setzten. Und da blieben. Jemand hatte seine Mutter dabei, klar, „Take your Mama out all night“. Und viele Fans aus Frankfurt. Warum die grade alle daher kamen, weiß ich nicht. Aber die waren sehr nett.

Nachdem ich mit meinen Fotos fertig war, konnte ich mich gemütlich ganz vorne an den Rand stellen – wollte ja anscheinend sonst niemand da hin. Direkt vor der Bühne tobten dann doch ein paar glitzernde Jünglinge im Tanktop. Gleich dahinter fand sich aber auch eine Reihe Gestalten, die absolut stillstanden, ihre Kamera im Anschlag hielten, und jedes mal wild synchron anfingen zu zoomen, wenn der Sänger sein T-Shirt hochzog. Das ist kein Witz – das war gruselig. Es fehlten nur Trenchcoats und falsche Schnäuzer.

Die Show dagegen war richtig gut. Die Scissor Sisters haben es von Song zu Song doch noch ein bisschen geschafft, die Stimmung aufzubauen. Gut getanzt, gut gesungen, Spaß gehabt – oder wenigstens professionell den Anschein erweckt.

Madsen, 08.10.2012, E-Werk

Ganz ehrlich, bei Madsen war ich skeptisch. Ich hatte zwar schon gehört, dass sie eine gute Live-Band sind, aber nicht unbedingt aus meinen vertrauenswürdigsten Quellen.
Das neue Album ist wieder härter, sagt man. Als ich mir die neue erste Single daraus anhöre, bin ich mir nicht mehr so sicher, was das soll. Naja. Im E-Werk also, mit der Hallengröße hatte ich auch nicht gerechnet.
Im Laufe des Konzerts, das mir sehr gut gefallen hat, habe ich aber einiges über Madsen herausgefunden.
Madsen haben eine super Tonabmischung
Madsen haben richtig gutes Licht
Madsen sind eine verdammt gute Live-Band.

Auch wenn man sich die CDs nicht unbedingt kaufen möchte – guckt euch die live an!
Voller Energie, sehr charmant und es fühlte sich tatsächlich nicht nach einem großen Konzert an – eher nach einem sehr guten Clubkonzert. Und das ist wohl das größte Lob, das es für Bands gibt. Das beweisen aber auch die Videos:

Über Madsen-Fans habe ich auch noch einiges gelernt:
Madsen-Fans sind wirklich textsicher. Alle.
Madsen-Fans machen mit. Bei allem.
Madsen-Fans können tanzen – Jungs, Mädels, alle. Like nobody’s watching.
Madsen-Fans stehen alle vorne. Viel Platz hinten. Sah nicht nach ausverkaufter Halle aus, war’s aber.
Madsen-Fans gehen nicht bei der Zugabe, damit sie schnell zum Auto kommen. Sehr sympathisch.