Köln, Konzerte, Kapazitäten

Köln ist toll. Nicht schön, ok, das gebe ich zu, aber toll. Wer gerne auf Konzerte geht, kann sich kaum eine bessere Stadt aussuchen. Besonders kleine Bands kommen neben Berlin fast immer auch nach Köln, erst danach folgen Hamburg und vielleicht noch München. Wahrscheinlich liegt das einerseits daran, dass unsere Veranstalter und Booker noch viele gute Kontakte aus der Popkomm-Zeit haben. Andererseits haben wir auch viele wirklich gute Veranstaltungsorte – besonders die Kleinen!

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Darwin Deez, 20.02.2013, Gloria

DarwinDeez
Im Publikum von Darwin Deez trifft man genau die Leute, die man dort auch erwartet hat: Den Raum teilen sich süße Mädchen und sensible Jungs, Arm in Arm oder in kleinen Gruppen tanzend, mit den durchschnittlichen Großstadt-Hipstern. Wobei, ach, dieses Wort.Das sollte man bei einer Darwin Deez Review tunlichst vermeiden.
Der dürre Junge aus New York mit seinen Korkenzieherlocken und den seltsamen 80er- und 90er-Jahre-Klamotten wurde lange als der Prototyp des durchschnittlichen Hipsters gehandelt. Man vergisst dabei schnell, dass der Mann hier ist, um sein neues Album vorzustellen.


„Songs for imaginative people“ ist weniger Pop-Fantasie, sondern ein bisschen rauer und vielfältiger. Gerade für Konzerte ist da aber auch weniger Hitpotenzial – im Moment jedenfalls. Wie nicht anders zu erwarten, kommen die Songs vom alten Album natürlich besser an. Im Gegensatz zur Review von Intro waren das aber einige Stücke und bei weitem nicht nur „Radar Detector“. „Constellations“, „DNA“ und „Up in the Clouds“ wurden zum Beispiel genauso mitgesungen und wild betanzt. Wer weiß, wo der Intro-Herr gestanden hat, vorne bei mir war die Stimmung großartig.


Was Missgünstige neben den ganzen Tanzeinlagen und lustigen Outfits dann doch nicht vermuten: Der Mann kann richtig Gitarre spielen. Das beweist er mit mehrminütigen Gitarrensoli und ironisch-referenziellem Spielen hinter dem Kopf. Dass das alles nicht nur Spaß und Spontaneität ist, bemerkt man nur, wenn man dann wirklich genau hinsieht. Als Gitarrist Andrew Hoepfner sich in einem Stück kurz verspielt, wirft Darwin ihm einen kurzen, aber überaus kritischen Blick zu. Der Mann, der sonst im Studio alles alleine macht, muss sich hier auf der Bühne eben auch auf seine Bandmitglieder verlassen.
Hinter all der Professionalität erkennt man aber deutlich den Spaß, die die Band auf der Bühnen hat. Publikum und Band freuen sich über die synchronen Tanzeinlagen zu 90er-Boyband-R&B, Elektro-TV-Themes und irgendwas Metall-artigem. Andrew tanzt wie Klaus Kinski auf Ecstasy. Das Publikum singt und tanzt jeden Hit wild mit. „The Stage, this is our livingroom“ sagt Darwin mittendrin.

Obwohl anders geplant, hat die Band dann die Zugabe doch mit „Bad Day“ beendet. Vielleicht weil das Publikum die alten Songs noch ein bisschen mehr mochte, vielleicht weil Darwin doch etwas gesundheitlich angeschlagen war und „Human“ nicht mehr geschafft hat. Egal, Spaß gemacht hat es trotzdem.

Local Natives, 16.02.2013, Stadtgarten

FGLocal Natives 05
So, da haben wir es. Das erste Konzert in diesem Jahr. Und das erst im Februar, pöh. Aber der Januar war mau und meine Zeit knapp. Also, womit starten wir das Jahr? Mit dem Local Natives. Gute Wahl.
Letzte Woche haben die wahlweise zwischen 4 und 5 Herren im Stadtgarten gespielt. Der Club war ausverkauft und die Band baff. „Wir dachten wir spielen wieder in dem kleinen Saal, und jetzt sind hier so viele Menschen“ verkündigte man während des Konzerts. Gestört hat das sicherlich niemanden. Das Publikum war gut drauf, tanzte (rechts von der Bühne) oder wippte gekonnt mit (links von der Bühne).

Die Setlist sah ungefähr so aus:
You & I
Breakers
Wide Eyes
Black Spot
Heavy Feet
Mt. Washington
Warning Sign
Camera Talk
Ceilings
Colombia
Airplaines
Bowery
—-
Wooly Mammoth
Who knows whi cares
Sun Hands

Was mir gleich aufgefallen ist: Die Band klingt live fast so wie auf Platte. Da das gerade bei den besonderen Arrangements von Local Natives nicht einfach ist, bringt ihnen das schon mal einen großen Pluspunkt. Vielleicht war es aber auch genau das, was mich bei den ersten paar Songs dann doch nicht so ganz überzeugt hat. Das mehrstimmige Singen und die perfekte Soundwand, die da auf das Publikum traf – das kam mir alles etwas zahm vor. Man merkte, dass da noch viel mehr kommen kann. Live ist eben eine andere Situation, die Musik muss einen dort anders mitnehmen als auf der CD.
Als die Jungs sich dann ein bisschen eingespielt hatten, krachte es aber noch gewaltig. Auch wenn sie mehr den Fokus auf die Songs aus dem aktuellen Album gelegt haben, holten die eingestreuten Songs aus Gorilla Manor das Publikum immer genau im richtigen Moment wieder ab. Besonders Taylor Rice (Gitarre und Gesang) sprang und tanzte bald wild über die Bühne und zeigte, wie viel mehr Punk in der Band steckt, als zumindest ich gedacht hatte. Da hat es mich auch fast nicht mehr überrascht, als man kurzerhand das Publikum zum Besuch einer befreundeten Punkband „nur die Straße runter“ einlud.

Das Konzert endete in der Zugabe wunderbar mit dem wilden „Sun Hands“ – ein perfekter Abschluss, der noch einmal ein bisschen Mehrstimmigkeit hervorholte, damit aber entgültig klarstellte, dass das gar nicht zahm sein muss.

Nouvelle Vague Konzertvideo

Nouvelle Vague haben 2001 auf dem Electronic Beats Festival in Köln im E-Werk gespielt. (Neben Animal Collective, Holy Ghost! und Planningtorock.) Ich habe eben zufällig das Video davon auf YouTube gefunden.
Ich hatte Nouvelle Vague vorher noch nie live gesehen. Auf dem Festival spielen die Bands ja immer nur kleine Sets. Hoffentlich kommen sie bald noch mal für ein ganzes Konzert vorbei. Ich habe dort nicht fotografiert, sondern ausnahmsweise mal richtig zugesehen.
Also hier – 15 Minuten Mittagspausenkonzert:

(und wer mich im Bild findet, bekommt einen Glitzersticker)

Die besten Konzerte 2012

Baaaaah. Best-of-Listen sind so schlimm.
Obwohl, manchmal entdeckt man auf denen ja doch noch etwas. Deshalb lese ich auch gerne Beste-Songs- oder Beste-Alben-Listen.

Na gut, hier also meine ganz persönliche „Die besten Konzerte des Jahres“-Liste. Das war gar nicht so einfach, denn dieses Jahr war wirklich überdurchschnittlich gut. Da waren einige Bands dabei, die ich mir immer ansehen wollte und auf die ich schon lange gewartet habe, und auch ein paar Bands, von denen ich mir jedes Konzert ansehen würde, auch wenn sie jeden Monat vorbei kämen. Unter meinen Top-Platzierungen sind dann aber eher die Bands gelistet, die mich wirklich überrascht haben.

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Michael Kiwanuka, 03.12.2012, Gloria

Letztes Jahr wollte ich auch schon mal zu Michael Kiwanukae, als er das erste Mal in Köln im CBE gespielt hat. Obwohl ich auf die ganze Singer/Songwriter-Sache eigentlich gar nicht so stehe, hat mich seine Musik beim ersten Hören gleich angesprochen. Das Ganze nenne ich mal „warmen Retro-Soul“.
Seinen Song Tell me Tale kennt man aus Blogs und hat man vielleicht auch schon mal im Radio gehört, wenn man Glück hatte.

Das Konzert im Kölner Gloria war dann genauso warm und freundlich und voller Talent, wie ich es erwartet hatte. Mit dem schmalsten Fotograben den ich je erlebt habe, habe ich mich durch die ersten zwei (nicht 3!) Songs gequetscht. Da Michael Kiwanuka seine Songs aber wirklich lang ausspielt, durfte ich praktisch doch länger fotografieren als bei anderen Konzerten.

Alle Songs waren durchgängig gut. Die Band hatte Spaß. Und Muchael Kiwanuka weiß, was er tut. Am meisten berührt hat mich dann ausgerechnet eine Coverversion. Lange erzählte Michael, dass er als Kind diesen einen Gitarristen im BBC-Radio gehört und er ihn sehr inspiriert hat. Er hat dann immer versucht auch so zu spielen… Das hörte sich alles ganz niedlich und bescheiden an. Der kleine Michael hört irgendeinem vergessenen Radiotyp zu. Naja, eigentlich meinte er dann Jimmy Hendrix: Haha, Lacher. Süße Konzertgeschichte. Als er dann Waterfall spielte (ich glaube, das war’s), wow.

Ich werde jedenfalls versuchen, das nächste Konzert in Köln nicht zu verpassen.

Das Album gibt es übrigens bei Amazon gerade für 6,60€. Hier klicken:

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Moneybrother, 14.12.2012, Luxor … und die Folgen des Rotlichts

Eine meiner liebsten Livebands überhaupt ist Moneybrother aus Schweden. Letzte Woche konnte ich sie im Luxor das dritte Mal sehen – und das erste Mal fotografieren.

Naja, fotografieren möchte ich das gar nicht nennen, denn da gab es ein kleines Problem: ROT-LICHT. Ohne Unterbrechung Rotlicht.
Bis ich die Bilder halbwegs rauschfrei hatte, sahen alle Bandmitglieder aus wie Porzellanpuppen – also doch alles in schwarz-weiß. Viel besser hat es das aber auch nicht gemacht.

Also bitte, im Gegensatz zu den größtenteils gruseligen Fotos war das Konzert wie erwartet grandios. Als mein letztes Konzert in diesem Jahr hatte ich dafür auch schon einen Ehrenplatz in meiner Top Ten reserviert (Spoiler! Die kommt dann nächste Woche). Anders Wendin ist nicht nur einer der charmantesten Schweden, die ich kenne (und ihr solltet mal hören wie er „Miriam“ sagt, hach! <3 ), er feiert auch jedes Konzert so wie es sich gehört.

Das Konzert war lang, heiß und laut. Jedes der neuen Songs von dem im September erschienenen Album This is where life is passte gut ins Set, als hätte das Publikum sie schon schon vor Ewigkeiten angenommen. Und mit mittlerweile fünf (englischen) Alben können Moneybrother schon einiges bieten. Da war ich fast bei jeder Zugabe überrascht, dass es dieses und jenes Lied ja auch noch gibt und ich sie bei dem ganzen Spektakel noch nicht vermisst hatte.
Das schöne an Bands wie Moneybrother ist ja, dass die Fans nicht nur das ganze Konzert über auf ein oder zwei Hits warten, sondern das ganze Konzert in einem durch ein Highlight ist. Na gut, ich schwärme, aber ich könnte mir auch gar keinen Favoriten aussuchen: Showdown, They’re building walls around us, Blow him back into my arms, Don’t call the police, Stormy weather, Just another summer, Born under a bad sign, Here comes the vain again – I love them all.
Das Versprechen, nicht wieder 3 Jahre zu brachen, bis er zurück nach Köln kommt, nehme ich übrigens sehr ernst. Schnell wiederkommen!



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