Gelesen im Dezember (2020)

Die Adventszeit ist geschafft, Weihnachten ist geschafft, 2020 ist geschafft. Ich habe mein letztes Buch gelesen und bereite schon meinen Jahresrückblick vor. Aber vorher fehlt noch der Monatsübersicht für Dezember – es muss ja alles seine Richtigkeit haben hier. Der Lesemonat war wirklich toll, mit einem Highlight mit einem dickem Herzen dran. 


The long way to a small and angry planet – Becky Chambers

Und hier ist auch gleich das Highlight, ich bin ein kleines bisschen verliebt in dieses Buch. So sehr, dass ich es schon weiterempfohlen und als Weihnachtsgeschenk gekauft habe. Im Grunde macht das Buch einfach Spaß, es ist ein SciFi-Abenteurer. Wir folgen darin Rosemary zu ihrem neuen Job auf ein Raumschiff, das Löcher ins Universum bohrt, die dann für Schnellreisen in andere Galaxien genutzt werden können. Keine Angst, das ist keine harte Science-Fiction. Es geht darin nicht um Technik, sondern um das Zusammentreffen verschiedener Alien-Spezies. Es geht um unterschiedliche Kulturen und wie man sich arrangiert und einander versteht. Ich mochte, dass fast alle Figuren in diesem Buch wirklich nett sind und es kein Drama um Situationen gibt, die mit einer kurzen Unterhaltung gelöst werden könnten. Ich mag, dass Diversität hier ganz natürlich in die Geschichte und Figuren eingewebt ist. Der kleine, zornige Planet kommt dabei am Ende fast ein bisschen zu kurz, aber der Weg dahin macht Spaß und lässt ein gutes Gefühl zurück. Lesen!

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Dad – Nora Gantenbrink

Nora Gantenbrink macht sich auf die Suche nach ihrem Vater. So einem, der die Familie früh verlassen hat, um sich selbst zu verwirklichen, und dann früh gestorben ist. Solche kennt man. Sie macht sich auf die Suche nach den Gründen für diesen Lebensweg – bei seinen Freunden, an den Orten, die er besucht hat, und bei sich selbst. Dabei erfährt man auch ganz viel über sie selbst, das Leben auf dem Dorf und ein neues Leben in der großen Stadt. Es geht im Buch hauptsächlich um Freundschaft, die verschiedenen Arten, die es davon gibt, und die Nuancen, die sich darin finden lassen. „Dad“ ist ein schöner Coming-of-Age-Roman, der sich so leicht lesen lässt, dass ich ihn fast in einem Rutsch durch hatte. Er versucht keine Antworten auf schwierige Fragen zu finden, fragt diese Fragen aber trotzdem. 

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Mein Freund Dahmer – Derf Backderf

Irgendwo habe ich mal gutes über diesen Comic gelesen, aber wo weiß ich nicht mehr. Es gab ihn schon mal in Kurzform und da hat er wohl auch für einigen Wirbel gesorgt. Hängt wahrscheinlich mit dem Thema zusammen, denn es geht hier um den Serienmörder Jeffrey Dahmer, der in den 1980er Jahren eine Menge junge Männer umgebracht hat. Genauer: Es geht um seine Jugend, denn der Autor ist mit ihm zur Schule gegangen. Der Titel greift an dieser Stelle ein bisschen zu weit, Freundschaft würde ich das nicht nennen. Das Buch beschreibt eher Beobachtungen, wie seltsam Dahmer ist und wie alle Erwachsenen in seinem Leben nicht hingeschaut haben. Psychologisch ist das interessant und gibt auch einen guten Einblick in die Gesellschaft der 1970er. Manchmal ist das Buch ein bisschen gruselig. So richtig gepackt hat es mich aber nicht. 

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Felidae – Akif Pirinçci

So, schwieriges Thema hier. Ich wollte das Buch schon lange lesen, den Autor aber nicht mit meinem Geld unterstützen. Voila: Gebrauchtes Buch gekauft. Das hier ist der erste Roman einer ganzen Serie von Katzenkrimis. Ja wirklich, die Geschichte spielt in der Welt der Katzen und der Protagonist muss Mordfälle lösen. Genauer: Der Kater Francis zieht mit seinem Besitzer in ein heruntergekommenes Wohnhaus in einem neuen Stadtviertel. Gleich am ersten Tag findet er einen neuen Freund und eine Leiche im Garten. Schon bald will er nicht nur den Mörder finden, sondern auch vor Schlägern fliehen und herausfinden, was das für eine seltsame Sekte ist, die sich im ersten Stock seines Wohnhauses trifft. Klingt alles seltsam, ich muss aber zugeben, dass das Buch gut war. Die Sprache blumig, die Sätze lang, die Handlung spannend. Irgendwann wird es ein bisschen wild und konstruiert, aber vor allem nicht langweilig. Ich betone – dies ist ein Katzenkrimi, haha. Wer auch Interesse hat, schaut am besten mal im Bücherschrank der Eltern, denn das Buch stand in den 90ern gefühlt bei allen herum. 


Handbuch für Zeitreisende – Kathrin Passig

You know me, ich kann Büchern über Zeitreisen nicht widerstehen. Und das hier: Hach, so gut! Dieses als Reiseführer getarnte Buch tut so, als wären Zeitreisen längst erfunden. Mal für einen Tag auf die Weltausstellung in Chicago, ein Wochenende Dinosaurier beobachten, auswandern ins Mittelalter – alles möglich. In einem kurzen theoretischen Teil wird erklärt, wie das funktioniert und warum wir in der Vergangenheit nichts durcheinander bringen können (Multiversum!), danach gibt es jede Menge Ideen für interessante Orte, Zeiten und Menschen. Bei welchen Krankheiten sollte man aufpassen, welche Erfindungen ein paar Jahre früher auf den Weg bringen und wie nicht gleich als Fremde auffallen? Wie ist das mit Geld, unerwarteten Gefahren und wo ist es einfach langweilig? Im Grunde ist das Buch ein spannendes Geschichtsbuch getarnt als Zeitreisebuch getarnt als Reiseführer, das uns erklärt, dass früher wirklich nicht alles besser war. Ich habe beim Lesen immer wieder laut gelacht und möchte jetzt spontan einen Abend nach Manchester in 1978, oder in den Hamburger Star Club 1962, oder doch Salzburg 1761?

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