beste Bücher 2020

Bücher Best Of 2020

Während die meisten Buchbloggerinnen schon Mitte Dezember ihre Jahresfavoriten bekannt gegeben haben, bin ich wie immer spät dran. Ja ja, 2020 war an sich nicht so mein Blog-Jahr. Aber an sich lese ich generell erstmal das Jahr zu Ende, bevor ich mich für die besten Bücher entscheide. Jetzt also, nach ein bisschen Nachdenken und die Liste kürzen, bin ich für 2020 bei sieben Büchern angekommen, die einen Platz unter meinen Liebsten verdient haben.

Insgesamt habe ich dieses Jahr viel mehr gelesen als noch die Jahre zuvor. Das lag natürlich hauptsächlich daran, dass ich viel mehr Zeit hatte – keine Konzerte, kein Herumlungern in Bars, kein Kino, keine Restaurants, keine Museen. Please make it stop. Zum anderen hat mein Leseeifer auch einfach damit zu tun, dass ich in Büchern Konzentration finde, die mir ansonsten ziemlich gefehlt hat. 

Ich habe viele gute Bücher gelesen in diesem Jahr, trotzdem sind es in Etwa gleich viele Highlights geblieben. Hier findet ihr sieben Bücher, die mich bewegt haben, die etwas Besonderes waren, über die ich lange nachdenken musste, oder die mir einfach so gut gefallen haben, dass ich sie euch zeigen will. Diese Liste ist keine Rangfolge, es gibt kein eins bis sieben. Schaut einfach mal, ob euch eines oder gleich mehrere davon ansprechen. 


Circe – Madeline Miller

Wo starten wir bei unserer Lesereise? Ganz, ganz tief in der Vergangenheit im alten Griechenland. Ja, ich sollte gleich zugeben, dass ich die alten Mythen sehr mag, aber um in diese epische Geschichte einzusteigen, muss man sich damit gar nicht auskennen. Madeline Miller erzählt nicht einfach nur nach, sie schenkt einer eher nebensächlichen Figur der alten Mythen eine eigene Geschichte. Von Anfang bis Ende beweist Circe, dass sie anders ist als ihre göttlichen Verwandten: menschlicher, nachdenklicher, einsamer. Immer wieder wird sie für diese Andersartigkeit bestraft, nur um dann das Beste daraus zu machen und daran zu wachsen. Nach und nach emanzipiert sie sich von den gesellschaftlichen Erwartungen und ihren eigenen vorgegebenen Grenzen, und erzählt dabei ihre beeindruckende Geschichte. Das Buch ist nicht nur ein großes Abenteuer und immer, immer spannend, Madeline Miller schreibt es außerdem in solch schönen Sätzen, dass man es in Zeitlupe lesen will, um auch ja nichts zu verpassen. 

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Zuhause – Daniel Schreiber

Welches Buch könnte unseren verrückten Alltag in 2020 besser beschreiben, als dieses hier?  Dabei geht es gar nicht darum, zu Hause zu bleiben, sondern um die Frage, was ein zu Hause eigentlich ausmacht. Es ist ein Gedankenspiel, eine Überlegung, eine Reflexion. Die meisten von uns werden nicht mehr in die Häuser oder Wohnungen unserer Kindheit zurückkehren, viele sogar die Stadt oder das Land wechseln. Was ist, wenn man sich nirgends mehr heimig fühlt? Schön, tiefsinnig und poetisch schreibt Daniel Schreiber und wir folgen ihm gern bei seinen Gedankengängen. Auch mal mit Schmerzen im Herzen, auch mal mit Verletzungen aus der Vergangenheit. Aber am Ende auch mit einem Ergebnis.

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Fuchs 8 – George Saunders

George Saunders hat mich letztes Jahr schon mit seinem Roman „Lincoln im Bardo“ begeistert und legt dieses Jahr gleich mit einer Geschichte nach, die mein Herz hat schmelzen lassen. Auf kurzen 56 Seiten berichtet uns ein Fuchs von seinem Leben, seinen Freunden, seinen Tagträumen. Die Sprache ist kurz anstrengend, dann bemerkt man aber, wie großartig die Wahl dieses Stil ist, und die Übersetzung von Frank Heibert erst, wow. „Zuers möchte ich sagen, Enschuldigung für alle Wörter, di ich falsch schreibe. Weil ich bin ein Fuks!“ Nach zwei, drei Seiten hat man sich daran gewöhnt und liest das kurze Buch schnell weg. Natürlich geht es darin um die Natur und was Menschen mit ihr machen. Das ist aber nicht preachy oder von oben herab. George Saunders nimmt sich die klassische Form der Parabel und macht sie modern. Vielleicht sollte das in Schulen gelesen werden – oder euch einen Abend lang von Netflix und Co. fernhalten. 

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Die Madonna im Pelzmantel – Sabahattin Ali

Das Schöne am Lesen sind die Momente, wenn einem zufällig Bücher wie dieses hier in die Hände fallen. Irgendwo hatte ich davon gehört, es dann doch wieder vergessen und dann zufällig in der Stadtbibliothek entdeckt. Ich wusste, dass es ein alter türkischer Roman ist, von einem Autor, der eingesperrt und ermordet wurde. Erzählt wird die Geschichte von Raif und seiner großen Liebe, was wir wissen, aber erst spät erfahren. Wir sitzen mit seinem Kollegen in Ankara, lernen seine Familie kennen und reisen nach Berlin in die Weimarer Republik. Was für ein Buch! Es ist ein Liebesroman ohne Kitsch. Ein Buch von 1943, das sich liest wie ein aktueller Roman, nur sprachgewaltiger und mit Sätzen, die kurvige Nebenstraßen nehmen und trotzdem zum Ziel kommen. Es spielt mit Außen- und Innenperspektiven und zeigt, dass in den Köpfen der Menschen oft ganz andere Sachen vor sich gehen, als man glaubt. Eine großartige Entdeckung!

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Allegro Pastell – Leif Randt

{Presseexemplar} Dass es dieses Buch auf meine Bestenliste schaffen würde, hätte ich beim Lesen nicht gedacht. Ich war gelangweilt, genervt, dann aber auch interessiert und unterhalten. Eigentlich hat sich meine Meinung von Seite zu Seite geändert – und auch danach noch. Aber gerade deshalb musste das Buch hier auftauchen, es lässt mich einfach nicht in Ruhe. In kurz: Tanja und Jerome führen eine Fernbeziehung. Sie in Berlin, er im Maintal. Wir erleben Hochs und Tiefs und schauen den beiden beim Leben zu. War es das schon? Eigentlich ja. Und warum ist das nun so großartig? Weil es genau so ist. Wir haben Vorstellungen von unserem Leben, die dann doch irgendwie ganz anders verlaufen. Wir treffen eine Menge Menschen, die ihre ganz eigenen Geschichten leben. Wir kommen zusammen und gehen wieder auseinander und zwischendrin machen wir uns eine Menge Gedanken. Und irgendwie plätschert das alles so vor uns hin, ist egal, und einfach Alltag. Wunderbar fand ich an Allegro Pastell die Vielfalt an Beziehungsmodellen. Da gibt es hetero und homo, fern und nah, klassisch und ungewöhnlich, verheiratet, getrennt, geschieden – und all das ist völlig normal. Überhaupt ist alles völlig normal. Und ich denke noch immer über dieses Buch nach. 

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The Haunting of Hill House – Shirley Jackson

Und auch hier haben wir wieder eine Autorin, die es zwei Jahre hintereinander auf meine Bestenliste geschafft hat. Das hier ist Shirley Jackson – düster, schwierig und gleichzeitig lustig. Es ist ein Klassiker des Geisterhaus-Genres von 1959, aber höchstwahrscheinlich werdet ihr euch darin wenig gruseln. (Erst nach der Hälfte des Buches „passiert“ etwas.) Wir folgen darin Eleanor, unschuldig und einsam, die bis vor kurzem ihre kranke Mutter gepflegt hat und nun zu ihrem ersten selbstbestimmten Abenteuer aufbricht. Doktor Montague hat sie nach Hill House eingeladen, in dem es angeblich spuken soll. Dort findet sie Freunde, Menschen, die ganz andere Leben führen als sie selbst, und erlebt nach und nach auch übernatürliche Phänomene. Das Großartige am Buch ist, dass wir viel in Eleanors Kopf sind und deshalb nie so wirklich erfahren, was im Haus eigentlich vor sich geht. Ich mochte besonders die Stimmung, und diese langsame, kriechende Ungewissheit.

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The long way to a small angry planet – Becky Chambers

Am Ende des Jahres krabbelte noch ein Buch heran, dass einfach sehr viel Spaß gemacht hat. Es ist ein SciFi-Abenteuer, eine unterhaltsame Geschichte, die man nicht aus der Hand legen will. Wir folgen darin Rosemary zu ihrem neuen Job auf ein Raumschiff, das Löcher ins Universum bohrt, die dann für Schnellreisen in andere Galaxien genutzt werden können. Keine Angst, das ist keine harte Science-Fiction. Es geht darin nicht um Technik, sondern um das Zusammentreffen verschiedener Alien-Spezies. Es geht um unterschiedliche Kulturen und wie man sich arrangiert und einander versteht. Und dabei gibt es so viel zu entdecken! Politik, Beziehungen, Sex, Liebe, Freundschaft, Jobs, Gefahr und Loyalität, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ich mochte, dass fast alle Figuren in diesem Buch wirklich nett sind und es kein Drama um Situationen gibt, die mit einer kurzen Unterhaltung gelöst werden könnten. Ich mag, dass Diversität hier ganz natürlich in die Geschichte und Figuren eingewebt ist. Der kleine, zornige Planet kommt dabei am Ende fast ein bisschen zu kurz, aber der Weg dahin macht Spaß und lässt ein gutes Gefühl zurück. Lesen!

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Weil ich dieses Jahr tatsächlich sehr viele Bücher gelesen habe, kam mir diese Liste am Ende doch ein bisschen kurz vor. Deshalb hier noch ein paar Bücher, die auch ganz großartig waren und es wert sind, gelesen zu werden: 

Verzeichnis einiger Verluste“ von Julia Schalnsky

Außer sich“ von Sasha Marianna Salzmann

Aufzeichnungen eines Serienmörders“ von Young-Ha Kim

Die Farbe Lila“ von Alice Walker

Hundert Augen“ von Samanta Schweblin

Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ von Ray Bradbury


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