Gelesen im November (2020)

Während andere schon ihre Jahreshighlights besprechen, schulde ich der Welt noch meine Buchbesprechungen aus dem November. Oh je. Alles läuft langsamer in diesem Jahr. Offenbar habe ich die Comics wiederentdeckt in diesem Monat. Das liegt daran, dass ich mich gerade viel in der Stadtbibliothek herumtreibe und da neben den Neuerscheinungen auch immer einen Blick auf die Comics und Graphic Novels werfen muss. Ansonsten gab es im November ein Highlight und zwei ganz gute Presseexemplare. 


1000 Serpentinen Angst – Olivia Wenzel

{Presseexemplar} Ein gutes Buch, aber gar nicht das, was ich erwartet hatte. Plötzlich wurde ich mit dem Leben einer queeren Schwarzen Frau aus Ostdeutschland konfrontiert, mit vielen unverarbeiteten Traumata und Angststörungen. Das war heftig und sehr durcheinander. Wahrscheinlich so, wie das alles in ihrem Kopf verschwimmt. Da muss man durch beim Lesen. Das muss man verstehen, verfolgen, akzeptieren und verarbeiten. Das hatte ich aber nicht erwartet und darauf konnte mich in dem Moment nicht immer gut einlassen. Unerwartet, trotzdem gut.

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Die Aufzeichnungen des Serienmörders – Young-Ha Kim

Ein Buch zwischen allen Genres, das sich schwer einordnen lässt. Es ist lustig und spannend, traurig und ungewöhnlich. Byongsu ist 70, war vor vielen Jahren Serienmörder, hat das aber aufgegeben. (Was man so macht, klar.) Nun berichten die Zeitungen von einer neuen Mordserie an jungen Frauen und Byongsu hat Angst, dass es seine junge Ziehtochter treffen könnte. Er macht sich also auf die Suche nach dem Mörder, hat dabei aber ein Problem: bei ihm wurde Demenz diagnostiziert. Wie der Protagonist selbst, weiß man beim Lesen immer wieder nicht, was gerade vor sich geht. Kann man Byongsu alles glauben, was er erzählt? Sind er und seine Tochter in Gefahr? Das Buch ist ein Krimi, eine emotionale Krankheitsgeschichte und ein Blick in eine andere Welt. Dabei schnell und einfach zu lesen. Ich mochte es sehr.

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Shenzhen – Guy Delisle

Das hier war mal wieder so ein spontaner Griff in das Comicregal der Stadtbibliothek – und ich bin sehr begeistert. In einfachen Schwarz-Weiß-Zeichnungen zeigt uns der Autor seinen Arbeitsaufenthalt in Shenzhen in China. Die Wirtschaftsmetropole in der Nähe von Hong Kong wächst und wächst. Hier wird fast nur gearbeitet. Der Autor selbst spricht kaum Chinesisch als er anreist, um dort mit Zeichnern zu arbeiten, und so besteht seine Zeit dort aus viel Langeweile und ein paar kleinen Ausflügen. Ich mag Reiseberichte sehr. Gerade jetzt im Lockdown konnte ich mich in dieser Geschichte sehr gut hineinversetzen. Es ist fast beruhigend zu sehen, wie jemand aus solch einer Situation Kunst macht. Es sind gerade die kleinen Dinge und lustigen Kommunikationsprobleme, an die man sich im Nachhinein am ehesten erinnert. Ganz großartig für den Sonntagmorgen im Bett.

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Normale Menschen – Sally Rooney

{Presseexemplar} Ich wette, genau das, was ich an dem Buch mochte, werden die meisten daran nicht mögen. Ich hatte es so gerne, dass so lange Zeit nichts passierte. Normale Handlung, normale Charaktere, nichts Spektakuläres. Marianne und Connell sind Teenager aus sehr unterschiedlichen sozialen Kreisen. Trotzdem funkt es zwischen ihnen. Ein bisschen Teenager-Drama, sonst passiert nichts Großes, man guckt den beiden bloß beim Zweifeln zu. Auch später auf der Uni mit neuen Freundeskreisen und neuen Möglichkeiten bleibt das so. Denn das Buch sollte ja auch vom „Normalen Menschen“ handeln. Da werden andere „langweilig“ schreien. Ich mochte das sehr, und auch der Schreibstil von Sally Rooney ist wunderbar flüssig. Dann aber geht es plötzlich doch ab im Buch und ich war raus. Ich fand das alles so plötzlich und nicht wirklich aus der Story gewachsen (ja, schon, aber why?). Hätte sie da auf Extreme verzichtet und die Themen so nüchtern und unspektakulär angesprochen wie alles davor, hätte das Buch mich viel eher überzeugt. So war es ein gut-durchschnittliches Drei-Sterne-Buch. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es bei Teenagern und jungen Erwachsenen viel besser ankommt.

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Der Traum von Olympia – Reinhard Kleist

Gerade zieht es mich wieder hin zu Comics. Und bei Reinhard Kleist kann man da wenig falsch machen. In dieser bewegenden Geschichte geht es um Samia Yusuf Omar, die 2008 für Somalia als Sprinterin bei den Olympischen Spielen antreten durfte. Zurück zu Hause wird ihr klar, dass sie in ihrem Land, das unter der Herrschaft von Extremisten steht, keine Zukunft hat. So macht sie sich wie viele andere auf die Reise, eine Flucht nach Europa. Ein wichtiges Buch über ein wichtiges Thema. Und leider eine wahre Geschichte. Ich hoffe, dass es auch Leuten in die Hand fällt, denen noch ein bisschen die Augen geöffnet werden sollte. 

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