Gelesen im Oktober (2020)

Es ist Oktober, es wird dunkel draußen. Normalerweise ziehe ich jetzt wie verrückt durch die Konzerthallen und freue mich dann, wenn ich Abende zu Hause auf der Couch mit einem guten Buch verbringen kann. Jaja, normalerweise. Zurzeit mache ich ja eigentlich fast nichts anderes und habe daher manchmal auch gar keine Lust, zu einem neuen Buch zu greifen. (Zugegeben, das ist selten.) Aber ich vermisse es tatsächlich, in einem Café zu sitzen und zu lesen. Oder an irgendeinem anderen Ort, der nicht meine Wohnung ist. Aber genug genörgelt – hier ist alles, was ich im Oktober gelesen habe. 


Und wie wir hassen! – Lydia Haider (Hsg.) 

Aaaaah. Wie sehr kann ich es gerade nachvollziehen. Ich hasse dieses Virus, dass alles ausfällt und ich nicht ausgehen kann. Ab und zu auch einfach alles. In diesem hübschen Buch versammeln sich 15 Autorinnen aus Österreich und schreiben sich den Hass in kurzen Essays aus dem Kopf. Mal lustig, mal ernst, mal literarisch, mal in Songform, immer gut. Am liebsten mochte ich Sybille Berg mit „Fußball“, Judith Goetz mit „Meine Verachtung, entbehrliche Herren!“ und Maria Muhar mit „Schlachthausgasse“. Natürlich muss man das alles nicht immer allzu erst nehmen, trotzdem aber viel zwischen den Zeilen lesen, sich anstecken lassen oder dagegen wettern. Ein schönes Buch für zwischendurch.

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Three Woman. Drei Frauen – Lisa Taddeo

Lisa Taddeo schreibt über drei Frauen. Es ist eine Reportage, keine Fiktion. Sie schreibt von Maggie, die von ihrem Lehrer missbraucht wird. Von Lina, die aus ihrer lieblosen Ehe ausbricht. Von Sloane, die auf Wunsch ihres Mannes mit anderen Menschen schläft. Vordergründig geht es im Buch viel um Sex, aber eigentlich geht es um Sehnsucht – nach Liebe, Aufmerksamkeit und Normalität. Das Buch zeigt deutlich, wie viel physische, psychische und emotionale Gewalt Frauen erleiden müssen und wie viel sie sich selbst antun. Es zeigt, wie sehr sie sich von gesellschaftlichen Erwartungen und Partnern abhängig machen und wie oft sie in toxischen Beziehungen bleiben. „Drei Frauen“ war auf vielen Bestsellerlisten und hat sicherlich für Gesprächsstoff gesorgt. Nur war das Ganze für mich zu langatmig. Ich musste mich da echt durcharbeiten. 

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Das Böse kommt auf leisen Sohlen – Ray Bradbury

Im Oktober muss man doch etwas Gruseliges lesen, oder? Das gehört doch zum Lese-Grundgesetz? Hier also mein Beitrag: Der wunderbare Ray Bradbury, ein gruseliger Wanderzirkus und Sätze, die auf der Zunge tanzen. Die Geschichte ist erstmal simpel: Der Zirkus kommt in die Stadt und zwei ca. 13jährige Jungs entdecken, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Dann nimmt die Geschichte aber großartig phantasievolle Kurven und Wendungen und ist richtig spannend. Hinter all dem steckt die große Angst vor dem Alter, die gruseligste von allen. Die Angst vor Verantwortung und vor Konsequenzen. Der Roman ist aus den 1960ern und deshalb nicht ganz pc, aber ich empfehle ihn trotzdem gerne. Ach ja, offenbar gibt es auch eine wunderbar illustrierte Version mit Bildern von Reinhard Kleist. <3

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Nicht mein Ding – Jami Attenberg

Cover und Titel haben mich ja schon abgeschreckt, das muss ich zugeben. Aber da steckt Wunderbares drin! Ein Lebensentwurf entgegen der „Normalität“: Andrea ist Ende 30, nicht verheiratet und hat keine Kinder. In New York lebt sie, weil sie dort her kommt, nicht um irgendwelche Träume zu erfüllen, und ein Jobmensch ist sie auch nicht. Glücklich ist sie mit ihrem Leben nicht immer, aber wer ist das schon? Das Buch ist ehrlich und vielschichtig, warm und allein, stellt Normen in Frage ohne anzuklagen. Ich mochte besonders, wie immer wieder auf verschiedene Stationen in Andreas Leben zurückgeblickt wird, und dies die Perspektive auf die Figuren dabei immer ein wenig ändert. Vor allem ist das Buch aber auch ein toller New-York-Roman, so einer, bei dem man das Gefühl hat, dabei zu sein, und ein ganzes Ensemble kennenzulernen. Ich mochte es sehr. 

„Ihr Leben ist konstruiert, elegant, akkurat, etwas unvergesslich Schönes, und meins ist ein Eintopf, ein saftiges, matschiges Durcheinander aus Zutaten und Empfindungen und Emotionen mit zu viel Salz und Gewürzen, zu vielen Ängsten, von dem immer ein bisschen vorn auf mein Hemd tropft. Aber hast du es mal probiert? Hast du es probiert. Es ist köstlich.“

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The BFG – Roald Dahl

Keine schlechten Nachrichten, über nichts nachdenken, yay dem Eskapismus. Kaum ein Autor macht das besser als Roald Dahl – Kinderbücher mit so viel Fantasie! Der BFG ist der Big Friendy Giant, von dem Sophie eines Nachts entführt wird. Die beiden freunden sich schnell an und machen Pläne, um gegen die anderen Riesen anzukämpfen, denn die sind böse Menschenfresser! Oha. Die Geschichten vom Roald Dahl nehmen verrückte Wendungen, auf die ich selbst nie im Leben gekommen wäre. Träume einfangen, kurz die Queen von England mit einbeziehen? Den BFG mochte ich bis jetzt am liebsten von Roald Dahl. Schnell gelesen, macht gute Laune, genau das Richtige. 

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