Gelesen im August (2020)

Es ist gar kein Lockdown mehr und trotzdem lese und lese und lese ich. Man soll sich von der gelesenen Menge eh nie unter Druck setzen lassen, aber langsam mache ich mir selbst Angst, haha. In diesem Monat also: neue Highlights, eine alte Liebe und zwei Comics.


Paper Girls 6 – Brian K. Vaughan

Das war‘s, endlich habe ich das Finale der Reihe in die Hände bekommen. Jetzt würde ich gerne noch mal alles in einem Rutsch lesen, vielleicht wird ja irgendwann mal alles in einem Band veröffentlicht. Wie immer kann ich zur Handlung natürlich nicht mehr viel sagen. In grob: Vier junge Zeitungsausträgerinnen aus den 80ern werden durch die Zeit geschleudert, vor und zurück, und kämpfen sich nach und nach wieder in ihre Gegenwart. Toll!

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Nach der Flut das Feuer – James Baldwin

Von 1963 ist dieses Buch mit zwei Essays und es ist erschreckend, wie aktuelle sie noch immer sind. James Baldwin, den man schon wegen seines wunderbar klaren und poetischen Schreibstils lesen sollte, bringt darin alles auf den Punkt. Die Situation schwarzer Menschen in den USA, die Probleme, Möglichkeiten, Hoffnungen und Hass. Es sind viele persönliche Beobachtungen und Begegnungen, die er darin beschreibt – so präzise, dass sie für das große Ganze stehen. Unbedingt lesen.

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Die Frau des Zeitreisenden – Audrey Niffenegger

Dies war der Versuch, eines meiner alten Lieblinge noch einmal zu lesen und zu überprüfen, ob es noch immer das halten kann, was ich so an ihm mochte. Das Ergebnis vorweg: Yes. Still love it. Auch wenn es dieses Mal ganz anders war. Es geht, Überraschung, um Zeitreisen. Und das ist ein Thema, das ich wirklich sehr gern lese – besonders, wenn die Theorie dahinter so gut aufgebaut ist, wie hier. Henry reist unkontrolliert durch die Zeit, plötzlich ist er weg und taucht nackt und hungrig irgendwo anders auf, manchmal für Minuten, manchmal für einige Stunden. Er kann nichts ändern, alles scheint vorbestimmt zu sein. Deswegen ist der Blickwinkel seiner Frau Clare auch so interessant: Die trifft er in seinem linearen Leben mit 30 zum ersten Mal, wo sie ihm erzählt, dass er sie schon ihr ganzes Leben als Zeitreisender besucht hat. Das kommt für ihn jedoch erst später. (Deshalb greifen diese Pädo-Vergleiche auch überhaupt nicht, die so manche gerne anführen.) Hört sich alles ein bisschen kompliziert an, ist es beim Lesen aber gar nicht. Eigentlich ist das Buch ein großer Kreis. Viel emotionaler, als ich das in Erinnerung hatte. Seltsam, wie sich die Wahrnehmung eines Buches nach 10 Jahren ändern kann. Ich habe leider nur diese alte, hässlich abgegriffene Version (aber die „richtige“ ist auch zu kitschig).

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Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955 – Harald Jähner

Als kleiner Geschichtsnerd habe ich mich sehr auf das Buch gefreut. In der Schule hat man ja im großen und ganzen alles über den 2. Weltkrieg gehört (nur das wichtige nicht, denke ich manchmal). Aber was waren die Konsequenzen? Was ist danach mit Deutschland passiert? Wie lebten die Menschen? Auf wunderbar lesbare Art zeigt das Buch viele Aspekte des Lebens: Hunger, Verdrängung, Rassismus, Besatzung, Heimkehr, Überleben, Sex, Kultur. Alles spannend, vieles ganz neu für mich. Mitfühlend und erschreckend. Mit Geschichten von echten Menschen. 

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Leb wohl, Berlin – Christopher Isherwood

Christopher Isherwood ist für mich einer der ganz Großen. Dies hier ist vielleicht sein berühmtestes Buch. In ein paar Episoden, die locker aufeinander folgen und im eigentlichen Sinne keine durchgehende Geschichte erzählen, beschreibt es das Leben in Berlin um 1930. Es handelt von Armen und Reichen, schrägen Vögeln, Mitläufern und Traditionalisten. Im Hintergrund spürt man den Aufstieg der Nazis, trotzdem legt Isherwood seinen Fokus auf die Menschen, die Berliner*innen und Zugezogenen, ihre Biografien, Gefühle und Träume. Da taucht man tief ein in eine andere Welt. Der Film Cabaret basiert übrigens lose auf einer der Erzählungen. Ich will schon bald noch mehr von ihm lesen.

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Literaturtheorie: Ein Sachcomic – Owen Holland, Piero

52 Bücher, das ging schnell. Damit habe ich mein Leseziel für dieses Jahr schon erfüllt. Naja, irgendwas muss man ja tun, wenn man nicht auf Konzerte kann. Das hier war aber kein Highlight für mich, da habe ich mir mehr von versprochen. Was auf der Rückseite steht, ist aber auch nicht ganz das, was es im Buch zu entdecken gibt. Dies hier ist eine schön gestaltete Geschichte der Literaturtheorie. Wer hat wann was gesagt. Mehr aber auch nicht. Ich hatte ja gar nicht erwartet, dass es tief in die Materie einsteigt. Aber so ein bisschen wäre schon schön gewesen.

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Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen – Daniel Schreiber

Ein Gedankenspiel, eine Überlegung, eine Reflexion. Die meisten von uns werden nicht mehr in die Häuser oder Wohnungen unserer Kindheit zurückkehren, viele sogar die Stadt oder das Land wechseln. Was ist, wenn man sich nirgends mehr heimig fühlt? Was ist heute eigentlich ein Zuhause? Daniel Schreiber ist rumgekommen, wohnt hier und da, und denkt darüber nach, wie ein Ort ein Heim wird. Schön, tiefsinnig und poetisch schreibt er und wir folgen ihm bei seinen Gedankengängen. Auch mal mit Schmerzen im Herzen, auch mal mit Verletzungen aus der Vergangenheit. Aber mit einem Ergebnis. Ich plane jetzt schon, das Buch noch einmal langsamer und intensiver zu lesen. 

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Die Entbehrlichen – Ninni Holmqvist

Hach, ich mag doch Romane, die in parallelen Realitäten spielen, deren Muster man nach und nach entdecken muss. In dieser Gesellschaft hier muss man produktiv sein oder sich im besten Fall kräftig vermehren, um für neues Humankapital zu sorgen. Ältere Menschen, die ohne Kinder und nicht besonders erfolgreich in ihrem Beruf sind, müssen in luxuriöse Sanatorien, in denen sie an medizinischen Versuchen teilnehmen oder ihre Organe für gesellschaftlich relevante Personen spenden müssen. Wir lernen die Welt mit Dorrit kennen, die zu ihrem 50. Geburtstag ihr altes Leben hinter sich lässt. Das ist alles an sich spannend, aber mir war es zu wenig im Buch. Die Welt war mir zum einen nicht tief und reflektiert genug erzählt und zum anderen war die Story nicht besonders spannend. Das zog sich teilweise seitenlang bis die Handlung einen Sprung gemacht hat. Spannende Idee also, die Umsetzung war aber nur ok. 

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