Lesemonat Februar 2020

Gelesen im Februar 2020

Ich hatte diesen Monat nicht viel Lust mich vor den PC zu setzen und zu schreiben. Aber nach einer Woche im Home Office wird es Zeit, dass ich mich motiviere. Ich hatte eigentlich geplant, meine Lesemonate Februar und März zusammenzufassen, weil ich so spät dran war, aber mit viel Zeit werden das langsam zu viele gelesene Bücher. Also hier, mit Verspätung, meine gelesenen Bücher aus dem Februar!

Circe – Madeline Miller

Neuerzählungen von klassischen Geschichten, seien es Märchen oder andere allgemein bekannte Literatur, gab es in den letzten Jahren immer wieder. Da kann man sich streiten, wie kreativ das wirklich ist… Dieses Buch hier aber ist eine kleine Perle! Zum einen ist Circe eine Figur aus der griechischen Mythologie, über die ich ja eh sehr gerne lese. Zum anderen erzählt die Autorin nicht einfach nur nach, sondern nimmt sich einer Figur an, die sonst eher nebensächlich ist, und baut drum herum eine ganze Geschichte. Von Anfang bis Ende beweist Circe, dass sie anders ist als ihre göttlichen Verwandten: menschlicher, nachdenklicher, einsamer. Nach und nach emanzipiert sie sich von den gesellschaftlichen Erwartungen und ihren eigenen vorgegebenen Grenzen. Eine beeindruckende Geschichte. Zudem schreibt Madeline Miller solch schöne Sätze, dass ich das Buch in Zeitlupe lesen wollte, um nichts zu verpassen.
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Mutterschaft – Sheila Heti

Ok. Vielleicht komme ich doch zu sehr aus der Fachbuchecke und hatte mir dieses Buch strukturierter und argumentativer vorgestellt. Die Autorin stellt darin Überlegungen an, ob sie ein Kind will oder nicht, und wenn ja, warum überhaupt. Wann immer es tatsächlich um diese Frage ging, fand ich das Buch spannend. “Will ich Kinder, weil ich als als normale Frau betrachtet werden oder weil ich zur besten Sorte Frau gehören will, derjenigen, die nicht nur Arbeit hat, sondern auch den Wunsch und die Fähigkeit zu nähren, einen Körper, der Babys produzieren kann, und mit der ein anderer Mensch Babys zeugen möchte?” Darum herum musste ich mir aber jede Menge Nacherzählungen von Träumen anhören oder philosophische Antworten von Würfeln geben lassen. Vielleicht muss das gar kein negativer Punkt sein, aber ich persönlich kann damit nichts anfangen und das höchstens Patti Smith verzeihen. Und Beziehungsprobleme und Wahrsagerinnen gab’s noch dazu. Puh, das war nix für mich.
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Fuchs 8 – George Saunders

„Zuers möchte ich sagen, Enschuldigung für alle Wörter, di ich falsch schreibe. Weil ich bin ein Fuks!“
Auf kurzen 56 Seiten berichtet uns Fuchs 8 von seinem Leben, seinen Freunden, seinen Tagträumen. Die Sprache ist kurz anstrengend, dann bemerkt man aber, wie großartig die Wahl dieses Stil ist, und die Übersetzung von Frank Heibert, wow. Nach zwei, drei Seiten liest sich das kurze Buch schnell weg. Natürlich geht es darin um die Natur und was Menschen mit ihr machen. Das ist aber nicht preachy oder von oben herab. George Saunders nimmt hier die klassische Form der Parabel und macht sie modern. Dass er sich mit Sprache und ungewöhnlichen Geschichten auskennt, wissen wir spätestens seit „Lincoln im Bardo“ (das letztes Jahr zu meinem Liebsten gehörte). Und dass ich mich mit Füchsen auskenne, ist eh klar.
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Dubliners – James Joyce

{Presseexemplar} Über hundert Jahre ist diese kleine Kurzgeschichtensammlung jetzt schon alt, davon merkt man aber nicht viel. Besonders sprachlich ist die neue Übersetzung von Friedhelm Rathien so modern – man kann sich damit ohne Angst an einen Joyce wagen. Wie der Titel verrät, spielen alle Geschichten in Dublin, und dort eher bei den „einfachen“ Leuten. Wir lesen zuerst aus der Perspektive von Kindern und werden dann zusammen mit den Figuren bei jeder Geschichte ein bisschen älter. Wo es mich sonst bei Kurzgeschichten stört, wenn ich nur einen kurzen Einblick bekomme, fand ich das hier sehr passend. Dazu kommt, dass viele der Geschichten einen besonderen literarischen Stil aufgreifen, mal durch Rückblenden die Spannung erhöhen oder den Leser auch mal genau so im Unklaren lassen wie die Figur. Ich habe die „Dubliners“ sehr gerne gelesen – und vielleicht ist das dann doch schon ein erster Schritt zum großen Ulysses für mich?
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Und noch zwei Extra-Erwähnungen:

Der Master Wein-Guide – Madeline Puckette, Justin Hammack
{Presseexamplar} Es ist keine Überraschung, aber ab und an bin ich einem Gläschen Wein nicht abgeneigt. Ich kenne mich halbwegs gut damit aus, weiß, was ich mag und was nicht. Aber das war‘s dann auch. Weil ich mir dieses Jahr vorgenommen habe, öfter mal etwas Neues zu lernen, kam dieses dicke Buch hier genau richtig. Alle erdenklichen Weinsorten sind hier nach Anbaugebiet sortiert. Viel wichtiger aber: „Der Master Wein-Guide“ umschreibt auch, wie die verschiedenen Weine im Großen und Ganzen schmecken, wozu sie passen, wer sie mag. Ich blättere sehr gerne darin herum und entdecke neue Sorten, die ich beim nächsten Besuch beim Händler testen will. Auch ein schönes Geschenk für die Weinliebhaberin, die schon alles hat.
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Der Vogelgott – Susanne Röckel
{Presseexamplar} Der Vogelgott war eines meiner liebsten Bücher der letzten Jahre und jetzt ist es endlich als Taschenbuch erschienen. In der fast kafkaesken Geschichte geht es aus verschiedenen Perspektiven um ein vogelartiges Wesen – eher noch um die Mythologie dahinter. Ein Ornithologe, ein Entwicklungshelfer in einem fremden Land, eine Kunsthistorikerin und ein Journalist decken nacheinander neue Geheimnisse auf und wir schauen zu, was das mit ihnen macht. Und noch während ich diese Beschreibung lese, denke ich: nein, das stimmt auch wieder nicht. Es ist schwer zu beschreiben. Und so vielschichtig. Lest es einfach.
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