Gelesen im September (2019)

Hach, was war das für ein schöner Büchermonat. Ich habe diesmal ganz viele Tipps für euch. Besonders einer der Nominierten zum deutschen Buchpreis hat mich sehr begeistert. Aber lest, lest!

 

Lanny – Max Porter

Max Porter erzählt eine einfache Geschichte: eine kleine Familie lebt in einem kleinen Dorf, ein Kind geht verloren… Max Porter erzählt diese Geschichte aber nicht einfach nur, er lässt sie uns erleben. Er spielt mit den Worten und seinem Schreibstil und schafft es damit, die Zeit anzuhalten oder zu beschleunigen, ganz nah an der Figur zu sein oder die Stimmung eines ganzen Ortes einzufangen. Das ist traurig, düster, verspielt, hoffnungsvoll, dramatisch, poetisch und so vieles mehr. Ich wünsche mir, dass Charly Kaufmann das verfilmt (wenn das denn möglich ist). Das ist das zweite Buch von Max Porter und ich bin schon jetzt Fan. Sein erstes Werk, das experimentelle „Trauer ist ein Ding mit Federn“ hat mich schon umgehauen. Lanny ist zwar nicht so intensiv, aber auch schon wieder ein Erlebnis.

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HOOL – Philipp Winkler

Mit Büchern kann man in Welten eintauchen, mit denen man noch nie in Berührung gekommen ist. Das trifft es bei mir hier auf den Punkt: Fußball, Schlägereien, illegale Tierkämpfe – Leute, da bin ich raus. Vielleicht brauchte ich auch deshalb am Anfang wohl etwas, bis ich mich mit dem Buch anfreunden konnte. Dann aber war alles cool zwischen uns. Weil HOOL ein gutes Buch ist, handelt es natürlich nur oberflächlich von diesen Themen. Eigentlich erleben wir hier so etwas wie eine Coming-of-Age-Geschichte, denn Protagonist Heiko muss einen Weg finden zwischen Freunden und Familie und akzeptieren, dass Dinge sich ändern. Das kann schmerzhaft sein, und wenn man gleichzeitig noch ein superharter Dude sein muss, um so schwieriger.

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Satan in Goraj – Isaac Bashevis Singer

Ganz ehrlich weiß ich nicht mehr, wie ich auf Isaac Bashevis Singer aufmerksam geworden bin. Habe ich Nobelpreisträger recherchiert? Jüdische Literatur? Keine Ahnung. Satan in Goraj hat mich von Thema her aber gleich angesprochen. Ich wollte mal wieder einen Klassiker und ein bisschen Grusel. Im Buch geht es um ein abgelegenes, durch einen kriegerischen Überfall fast zerstörtes Dorf um 1650. Während die Bewohner es langsam wieder aufbauen, kommen verschiedene Menschen ins Dorf, die Weissagungen und Versprechen mitbringen, die fast zu schön sind, um wahr zu sein. Der neue Messias soll in die Welt gekommen sein, bald schon wird das jüdische Volk erlöst sein. Singer versteht es sehr genau, die psychologischen Beweggründe hinter den Wünschen und Taten der Bewohner aufzudecken. Gemischt mit ein bisschen übernatürlichem Horror. Das Buch ist in Englisch von 1955 und ich habe so das Gefühl, dass zum Beispiel „Rosemary’s Baby“ davon besonders inspiriert wurde.

(Wird gerade wohl nicht verlegt, ich habe es aus dem Antiquariat)

 

 

Gott, hilf dem Kind – Toni Morrison

Dass man in den USA nicht einfach nur „schwarz“ ist, sondern unterschiedliche Pigmentierungen der Haut zu immer mehr Diskriminierung führt, war mir schon bekannt. (Ich vermute mal, das ist hier auch so?) Der Original-Klappentext legt den Schwerpunkt des Buches auf diese Thematik, denn Lula-Ann ist tiefschwarz, als sie auf die Welt kommt, und wächst aus diesem Grund mit viel Schmerz und Einsamkeit auf. Eigentlich geht das Buch jedoch viel weiter als das. Wir treffen verschiedene Figuren, die alle auf ihre Art Traumatisches in der Vergangenheit erlebt haben, und es stellt sich die Frage, inwiefern uns genau das als Personen ausmacht. Kommen wir davon los oder nicht? Prägen Unglücke unseren weiteren Lebensweg?
Toni Morrisons Sprache ist wunderbar poetisch, und trotzdem nicht anstrengend zu lesen. Eine besonderes Triggerwarnung aber: Jeder einzelnen weiblichen Figur in diesem Buch passieren mehr oder weniger grausame Dinge. Auch das ist wahrscheinlich alltäglich. Wer das aber gerade nicht lesen kann, sollte sich für ein anderes Buch entscheiden.
Diese Schönheit hier habe ich aus der Büchergilde Gutenberg.

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Das flüssige Land – Raphaela Edelbauer

{Presseexemplar} Da habe ich genau die richtige Kulisse gefunden, um das Buch zu beenden. Mit einer Handlung kann man „Das flüssige Land“ kaum beschreiben, die treibt besonders am Anfang nur so dahin. Als Ruths Eltern sterben, macht sie sich auf den Weg in deren Heimat, in das mystische Dorf Groß-Einland in den Bergen Österreichs. Als sie es zufällig findet, entdeckt sie die nette Dorfgemeinschaft mit den vielen Geheimnissen. Die Unehrlichkeit dieser Dorfbewohner ist genau das, was das Buch ausmacht. Es sind nicht mal reine Lügen, es ist ein Verdrängen, das schon über Jahrzehnte vor sich geht. Was passiert hier eigentlich? Warum ist da ein großes Loch unter dem Dorf, in dem nach und nach alles versinkt? Warum ignoriert es die Gemeinschaft? Was hat die autoritäre Gräfin damit zu tun? All das ist eigentlich egal. Auch Ruth verdrängt und lenkt sich ab, stürzt sich ins Vergessen und Aufklären gleichermaßen. Alles hier fließt, verändert sich und ist in Gefahr. Das gilt für die Natur, die Protagonistin und das Erinnern. „Das flüssige Land“ ist ein tolles Buch, auf das man sich einlassen muss. Es war auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

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