Gelesen im August (2019)

Leseliste August 2019

Oft ist es genau in den Monaten, in denen ich denke, dass ich zu nichts komme, in denen ich die meisten Bücher lese. Vielleicht brauche ich das, um mich zu entspannen, vielleicht hatte ich dieses Mal auch wieder das Glück, das einige verdammt gute Bücher dabei waren. Also wirklich, wirklich gute Bücher! Unbedingt lesen!

 

 

Die Entdeckung des Himmels – Harry Mulisch

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Wir starten aber mit diesem hier, und leider kapiere ich’s nicht. Über Wochen habe ich mich durch diese 800 Seiten gequält. Ich mochte den Anfang und einen Teil zum Ende hin. Alles dazwischen lässt mich leider ratlos zurück. Was sollte das alles? Was wollte der Autor überhaupt erzählen? Eine Lebensgeschichte? Mehrere? Eine Geschichte über gut und böse? Über Gott und die Welt? Die Wissenschaft? Das Buch fühlt sich an, wie der große Rundumschlag eines Intellektuellen, der ALLE Gebiete, auf denen er sich auskennt, irgendwie zu einem großen Ganzen verknüpfen will. Leider funktioniert das für mich hinten und vorne nicht, weil die einzelnen Teile und Handlungsstränge scheinbar nichts, oder kaum etwas miteinander zu tun haben. Viele, viele Leute sind begeistert von dem Buch, oft wird es als der Klassiker der niederländischen Literatur bezeichnet. Ich kapier’s leider nicht.

 

 

Hier ist noch alles möglich – Gianna Molinari

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Eine namenlose Protagonistin lässt ihre Vergangenheit hinter sich und fängt in einer Fabrik als Nachtwächterin an. Es sind die letzten Monate der Fabrik, bald ist auch hier alles vorbei. Die Protagonistin soll Fallen aufstellen, denn angeblich gibt es einen Wolf in der Nähe. Zwischendurch fällt ein Mann vom Himmel… In diesem Buch passiert nicht viel, und trotzdem ist alles wichtig. Die Krise, die die Protagonistin durchlebt, spiegelt die verschiedenen Krisen der Gesellschaft wider. Alles verändert sich und bleibt doch gleich. Was ist wahr und was nur Einbildung? Ein großes Buch, trübsinnig, langsam und verwinkelt. Ich wünschte, ich könnte das im Deutschunterricht auseinandernehmen und die ganze Klasse damit langweilen. 😏

 

 

Utopien für Realisten – Rutger Bregman

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Ein bedingungsloses Grundeinkommen, offene Grenzen, eine 15-Stunden-Woche. Wer sich all das irgendwann gut vorstellen kann, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Bregman entwirft eine Zukunft, in der wir Zeit haben, um uns um wirklich wichtige Dinge zu kümmern. Keine Bullshitjobs in Marketing oder Banking, sondern gutes Geld für Arbeit, die gemacht werden muss. Den Rest erledigen Maschinen oder wir brauchen es einfach nicht mehr. Freizeit statt Reichtum für weniger Stress, weniger Krankheiten und tatsächlichen Fortschritt. Das ist die Utopie – Bregman argumentiert aber nachvollziehbar, dass sie mit der digitalen Revolution irgendwann eine ernstzunehmende Lösung sein wird, vielleicht unausweichlich ist.

 

 

Sasa Stanisic Herkunft

Herkunft – Saša Stanišić

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Hier ist der Rückblick auf ein Leben, echt und gefühlvoll und auch so, wie wir alle es erleben. Rumhängen mit den Kumpels, Fußball gucken mit dem Vater, sich um die kranke Oma kümmern… Nur hat dieses Leben hier ein paar Stationen mehr, denn irgendwann gab es das Land, aus dem der Protagonist kam, nicht mehr. Zum Alltag hinzu kommen also Flucht und Neuanfang. Und die Frage, wo man herkommt und warum das so wichtig ist. Das Buch steht mittlerweile auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis. Verstehe ich gut, ich bin dabei.

 

 

Kurt – Sarah Kuttner

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Ein Buch, das davon erzählt, wie Kompliziertes noch komplizierter wird. Ein Buch über das fünfte Rad am Wagen, das plötzlich als einziges noch Bodenhaftung hat. Die Familie im Buch ist heute eigentlich keine ungewöhnliche mehr – Lena zieht mit ihrem Freund Kurt zusammen, der schon einen Sohn hat (auch Kurt), und das klappt alles super. Trotzdem habe ich wenig Bücher gelesen, die diesen Prozess des Zusammenwachsens so schön beschreiben. Was dann passiert, ist zum Glück schon ungewöhnlicher: das Kind stirbt. Aber nicht laut oder mysteriös, wie man es aus anderen Büchern kennt. Es passiert einfach. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um die eigene Rolle in der Familie und im Leben, sondern auch darum, Schmerz und Trauer zulassen, und dabei die Liebe nicht zu vergessen. „Kurt“ ist ein tolles Buch – laut und lustig, leise und berührend. Und auch wenn ich Kuttners Schreibstil nicht immer mag, hier passt das alles.

 

 

Moabit – Volker Kutscher, illustriert von Kat Menschik

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Wahrscheinlich muss ich 2019 zu meinem Volker-Kutscher-Jahr ernennen, nachdem ich dieses Jahr alle Bücher von ihm weggelesen habe. (Außer das neue, ich warte noch.) Hier also eine kleine, illustrierte Kurzgeschichte, die vor dem Start der Serie spielt, und – ja, ja, bitte! – von Charlotte handeln soll. Eigentlich kommt Charlotte hier dann zwar leider nur am Rande vor, leben kann ich damit trotzdem gut. Das Buch lohnt sich schon durch die wunderschönen Illustrationen von Kat Menschik, die mit der Handlung nichts zu tun haben, aber das Gefühl der Zeit unterstreichen.

 

 

GRM – Sibylle Berg

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{Presseexemplar} Ich gebe auf. Ich habe jetzt schon in zwei Anläufen versucht GRM zu lesen, und muss jetzt endlich mal kapitulieren. Nicht, weil das Buch nicht gut ist: Sibylle Berg schreibt großartig, präzise, humorvoll, ungewöhnlich. Sondern weil sich hier auf 640 Seiten das Elend sammelt. Von allen Seiten prasselt es auf dich ein: Gewalt, Armut, Drogen, Hoffnungslosigkeit, Gesellschaftskritik … Da hilft es auch nicht, dass die Story selbst nur ab und an durch das Elend hindurchblitzen darf. Und ich muss mir eingestehen, dass ich das gerade einfach nicht schaffe. Das Buch wandert also ins Regal und bekommt irgendwann noch einmal eine Chance. Aber nicht bald.

 


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