Gelesen im Juli (2019)

Obwohl zwei richtig gute Bücher dabei waren, bin ich mit diesem Lesemonat nicht so ganz zufrieden. Das liegt wahrscheinlich darin, dass ich sehr viel Zeit mit einem anderen Buch verbracht habe, das ich im Juli gar nicht fertig bekommen habe, und das mich viel Energie gekostet hat. (Dazu dann aber mehr im nächsten Monat) Hier erst einmal die aktuellen Bücher.

 

Die Farbe von Milch – Nell Leyshon

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{Presseexemplar} „Ein kompromissloses Werk von seltsamer, sprachlicher Schönheit“ steht auf dem Buchrücken. Ich bin verwirrt. Sprachliche Schönheit, weil die Erzählerin keine Kommata benutzt? Bei wörtlicher Rede dann aber doch? Macht die Protagonistin das, weil sie gerade erst das Schreiben gelernt hat? Warum ist Rechtschreibung dann kein Problem? Kompromisslos empfand ich das Buch auch nur, weil offenbar keine Lektorin die Autorin auf die vielen, vielen Themen aufmerksam gemacht hat, die begonnen, aber dann doch nicht abgeschlossen werden. Es fühlt sich wahnsinnig nach undurchdachtem Erstlingswerk an. Am Ende schafft Leyshon es dann zwar noch, die Geschichte wenigstens ein bisschen rund zu kriegen, aber das reicht mir nicht. Für einen Tag am See oder eine lange Zugfahrt ist das Buch schon ok, da gibt es aber sicherlich Besseres.

 

Die trinkende Frau – Elizabeth Raether

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Kurzweilig und klug – so wollte ich das kleine Buch haben. Die Idee trifft bei mir ja auch genau ins Schwarze. Als ein Redakteur keine Lust hat, eine Kolumne über Alkohol zu schreiben, übernimmt das seine Kollegin und plötzlich geht es um viel mehr: Die trinkende Frau! Weil so ein Schnaps oder starker Cocktail in der Hand einer holden Maid natürlich viel mehr bedeutet als „Ich möchte mich betrinken“. Leider schafft es das Buch nicht ganz, an meine Erwartungen heran zu kommen. Kurzweilig ist es, ja, die einzelnen Kolumnen sind nicht länger als drei Seiten. Inhaltlich überzeugt die Autorin aber leider nicht ganz. Trinken kann sie vielleicht, aber weder schreibt sie berauschend über einzelne Drinks, noch kommt sie in den kurzen Stücken an einen feministischen Kern heran. Das fühlte sich in weiten Teilen so an, als schreibt Carry Bradshaw jetzt „Drinks and the City“ – immer dann, wenn es scheinbar hauptsächlich darum geht, schön auszusehen und den Schein bei den Herren zu wahren. Als nettes Mitbringsel unter Trinkschwestern kann ich mir das Buch trotzdem vorstellen.

 

Mythos: Was uns die Götter heute sagen – Stephen Fry

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Jede von uns kennt den ein oder anderen griechischen Mythos, sei es Ikarus, der zu nah an die Sonne flog, Narziss, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt hat, oder Medusa, die Frau mit den Schlangen auf dem Kopf, die jeden zu Stein verwandelt, der ihr in die Augen sieht.
Gesammelt kann man diese Geschichten kaum wiedergeben, und doch hat sich Stephen Fry hier eine ganze Reihe dieser Mythen vorgenommen und sie modern nacherzählt. (Überhaupt, Stephen Fry, come on) Wir verfolgen im Buch die Entstehung der Welt, erfahren alles über die Hauptgötter und verstehen, wie viele der Geschichten zusammenhängen. Ich weiß jetzt, wer Echo war oder wie Jahreszeiten entstanden sind. Ich erkenne die Archetypen der griechischen Götter in aktuellen Figuren wieder. Das Buch ist großartig, kurzweilig und macht Lust auf mehr.

 

I‘ll be gone in the dark: One Woman’s obsessive Search for the Golden State Killer – Michelle McNamara

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Ich muss ja zugeben, dass ich der ganzen True-Crime-Welle, die gerade durch Netflix und Podcasts fegt, gar nicht so abgeneigt bin. Da sind oft spannende Geschichten dabei, leider aber auch unglaublich viel effekthaschender Mist auf Bild-Niveau. Dieses Hörbuch ist ein schöner Lichtblick, weil es sich auf die Arbeit von Recherche bezieht. Worum es geht: die Autorin beschreibt den Fall des Massenmörders und -vergewaltigers, der heute als Golden State Killer bekannt ist. Wir begleiten sie bei der Recherche und der Zusammenarbeit mit der Polizei und erfahren gleichzeitig, was sie als Person antreibt. Das Buch ist nur mit Hilfe ihres Mannes und Freunden fertiggestellt worden, da sie während des Schreibens plötzlich verstorben ist. Der Lichtblick: der Täter wurde vor zwei Jahren tatsächlich gefasst. Ein gutes Buch – und eine Serie dazu ist natürlich auch schon in Planung.

 


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