Gelesen im April (2019)

Im Moment lese ich viel mehr als ich schreibe. Da will offenbar ganz viel rein in den Kopf, aber noch nicht wieder raus. Das muss anscheinend noch ein bisschen reifen da oben, ein paar Synapsen neu verwoben und alles dann kräftig durchgeschüttelt werden. Die Mischung ist mal wieder wild. Die Indies überzeugen, der große Bela B. enttäuscht. Und das Sachbuch des Monats breitet mich schon mal ein bisschen auf meinen Urlaub vor.

 

(Die Titel sind als Affiliate-Links zu Amazon verlinkt. Dazu habe ich „normale“ Links zu den Verlagen eingefügt.)

 

Unser Leben in den Wäldern – Marie Darrieussecq

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Es war Indiebookday und ich war unterwegs, da fiel mir dieses kleine Büchlein in die Hände. Auf knapp über 100 Seiten erzählt darin die Ich-Erzählerin von ihrem Leben in einer dystopischen Zukunft. Hier ist man dank Implantaten immer online, lebt mit künstlichen Intelligenzen zusammen und hat Klone, an deren Organen man sich im Notfall bedienen kann, um sein eigenes Leben zu verlängern. Kennt man zwar alles schon irgendwoher und eigentlich geht mir diese Technologiefeindlichkeit, die aktuell in vielen solcher Bücher auftaucht, größtenteils auf die Nerven, das hier war aber so eng und klar erzählt, dass mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht hat. Die kleinen und großen Überraschungen hätte es für mich gar nicht gebraucht. Lieber hätte ich sogar noch ein bisschen mehr Zeit in dieser Welt verbracht.

 

 

Lunapark (Gereon Rath Reihe 6) – Volker Kutscher

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So, nachdem ich nach meinem kleinen Kutscher-Wahn tatsächlich einen Monat Pause gemacht habe, wurde es doch mal Zeit für den 6. Teil der Reihe: Lunapark. Der Fall ist spannend: die SA hängt hier das erste Mal sowohl als Täter als auch Opfer mit drin und der Kommissar muss versuchen, sich bei der Auflösung nicht von der ganzen Politik lenken zu lassen. Es tauchen hier einige Figuren aus den vorigen Romanen auf, daher denke ich, dass man ab jetzt nicht mehr unbedingt neu einsteigen kann. Insgesamt wird es härter und spannender, gleichzeitig ging mir die ganze Beziehung zwischen Gereon und Charlotte hier auch das erste Mal so richtig auf die Nerven. Könnten die vielleicht einfach mal wie normale Menschen miteinander reden und nicht alle ihre Aktionen heimlich hinter dem Rücken des anderen machen? Ist ja ganz schön, dass das den Plot vorantreibt, aber wenn ganze Handlungsstränge mit einer Aussprache aufgelöst werden könnten, nervt das. Fazit: Ich freue mich schon auf den nächsten Fall.

 

 

Scharnow – Bela B Felsenheimer

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{Presseexemplar} Das einzige, was man dem Buch zugute halten kann, ist seine Kreativität. Eine Story wie diese habe ich tatsächlich noch nie gelesen. Eine Gruppe Alkoholiker, die nackt einen Supermarkt überfallen, Verschwörungstheoretiker, die glauben, dass Haustiere von Politikern die Weltherrschaft übernehmen, ein fliegende Mann, der Kleinstadtpolizisten herausfordert … Alles hängt hier irgendwie zusammen und kann nicht auf den Punkt gebracht werden.
Leider war es das auch schon. So viele Logikfehler, so viel platter Quatsch, oft suhlt sich Herr B in Klischees, dass es weh tut. Die meiste Zeit handeln die Figuren nicht, sondern fragen sich irgendwas und ziehen abstruse Schlussfolgerungen – alles für den mittelmäßigen Gag. Und dabei klingen sie leider alle gleich, egal ob Kleinstadtoma, prolliger Polizist oder syrischer Geflüchteter. Das Buch ist einfach nicht gut geschrieben und will viel mehr sein, als es eigentlich ist. Ob sich da keine Lektorin drangetraut hat? Und dass der große Bela tatsächlich Sätze schreibt wie „Sie hatte das Verlangen nach einem amtlichen Schwips“ hat mir dann doch fast das Herz gebrochen. Besser nicht kaufen.

 

 

Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird – Iunona Guruli

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{Presseexemplar} Der Titel verrät es bereits – dies hier ist kein einfacher Stoff. Im Zuge der vorletzten Buchmesse mit Georgien als Gastland wurden dieser Kurzgeschichtenband übersetzt und in Deutschland verlegt. Die Storys haben mir im Ganzen gut gefallen, besonders die zu Beginn. Da denkt die Protagonistin sich in der schlimmsten Situation in alte Märchen hinein. Die Geschichten über Sucht mochte ich dann nicht so. Alles im Buch ist ein bisschen miteinander verwoben, aber nur ein bisschen, so dass man sie auch einzeln lesen kann. Die Autorin kann schreiben, ich kann mir gut vorstellen, mal einen ganzen Roman von ihr zu lesen. Aber Vorsicht: harte Triggerwarnung für sexuelle Gewalt und Drogenmissbrauch.

 

 

Eugene – Quentin Vijoux

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Am Welttag des Buches habe ich mich zufällig mal wieder in der Stadtbibliothek Köln herumgetrieben. Bücher abgeben, Bücherstapel auffüllen, neue Themengebiete entdecken – ihr kennt das. Als ich bei den Comics stand, fiel mir dieses Buch hier in die Hand, von dem ich noch nie gehört hatte, das aber nett aussah. Ich wollte also „kurz mal reinlesen“ und blieb dann einfach sitzen. Eugene ist gezeichneter Surrealismus: Männer, die zu Bäumen werden, dunkle bedrohliche Gestalten, Hauttransplantationen, verlorene Söhne und eine viel zu anhängliche Freundin. Zur Handlung kann man wirklich nichts Genaueres sagen. Das war so seltsam, machte keinen Sinn, aber auf jeder Seite passierte irgendetwas Neues, so dass ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

 

 

My year of living danishly – Helen Russell

(furchtbar in deutsch: Hygg Hygg Hurra)
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Hätte ich das Buch unter seinem furchtbaren deutschen Namen kennengelernt, hätte ich es sicher nie gelesen. So aber schlummerte es schon eine ganze Weile auf meinem Kindle und kam jetzt raus ans Licht, da ich gerade einen Dänemark-Urlaub plane. Es ist ein angenehm leicht-seichtes Sachbuch über Dänemark und die Frage, warum die Menschen dort regelmäßig zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen.
Das Buch ist zwar von einer Britin geschrieben, die sich aus deutscher Sicht vieles etwas zu erstaunt ansieht, aber ich habe das Buch trotzdem gern gelesen. Es stellt sich raus: Glücklich machen Vertrauen, Sicherheit, Tradition, Gemütlichkeit, dann übersteht man auch hohe Steuern und ewige Winter. (Der Patriotismus und die Fremdenfeindlichkeit, die es offensichtlich im Land geben, werden zwar auch behandelt, aber nur am Rande.)
Fazit: „I don‘t mind paying more for a coffee here because I know that it means the person serving me doesn‘t a) hate me or b) have a crappy life. Everyone is paid a decent wage, everyone is looked after, and everyone pays their taxes, just as I pay mine. And if we all have marginally less money to buy more stuff that we don‘t really need anyway, well I‘m starting to think it‘s a deal worth making.“

 


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