Kaffeesaurus am Friesenplatz

Kann man ein Café nach über einem halben Jahr noch „neu“ nennen, wo doch auf den Ringen gefühlt täglich die Locations wechseln? Ich denke ja. Auch wenn der Laden hier seit dem ersten Tag so voll ist, dass ich gefühlt bei jedem Besuch den letzten freien Platz erwische. 

Die Macher des Kaffeesapiens in Deutz haben sich dieses Mal direkt ins Getümmel des Belgischen Viertels getraut, größer und heller, und wieder mit richtig gutem Kaffee.

Im Kaffeesaurus ist es schön, da sind wir uns alle einig. 

Ein großer Raum mit Fensterfront (leider mit Blick auf Baustelle über Baustelle), Möbel aus hellem Holz, ein paar Pflanzen hängen von der Decke. Insgesamt ist das Ambiente im Kaffeesaurus eher industriell, dazu trägt auch die Café-eigene Bäckerei und Kaffeerösterei bei, die man sich in einem hinteren Raum durch eine Glasscheibe ansehen kann. Gemütlich im eigentlichen Sinne ist das nicht, aber man fühlt sich wohl hier und möchte bleiben.

Auch die Menschen hier sind gleich noch ein bisschen schöner als wo anders. Die Kellner*innen tragen Jeans und T-Shirt, prosten sich mit Espresso zu und sind so lässig, dass sie nicht schnell sein können. Winken hilft, und am Ende auf die Rechnung schauen, damit man all die Getränke, die man bestellt, aber nicht bekommen hat, nicht bezahlen muss. Auch die Gäste sind mit Sicherheit alles Modeblogger*innen. Ich kann hier viel Zeit damit verbringen, mich über jedes Outfit zu freuen. Ich sehe eine Menge gut kombinierte Turnschuhe, hochgekrempelte Hosen, lässige Pullover und sehr viele unglaublich tolle Mäntel. Selbst die Oma in der Ecke trägt ein Senfgelb, das ich schon lange suche. Hach, Kaffeesaurus, hier ist’s hip und schön.  

Im Kaffeesaurus ist es lecker.

Aber genug von Äußerlichkeiten, das Kaffeesaurus hat auch sonst eine Menge zu bieten, sonst würde ich ja nicht so gerne hier hin kommen. Zu aller erst: Der Kaffee ist richtig gut. Ein einfacher Cappucchino (für 2,60 €) ist schon ein Traum, auch der normale Filterkaffee (2€) ist sehr gut. Für Köln ganz fortschrittlich: Hier gibt es auch Flat White (3,40 €) oder Cold Brew als Black Tonic (für 3,50 €). Ich muss mich also ein bisschen zurückhalten, um nicht koffeingeschockt zu sterben.

Das Essen ist nicht günstig, aber gut. Die pochierten Eier sind über die Zeit immer besser geworden, egal ob als Eggs Benedict oder sonstwie auf Brot. Ein bisschen Avocado und Lachs dazu und ich bin eh glücklich. Der Kuchen in der Theke sieht zwar verdammt gut aus, ist meist aber nur ok. Dafür gibt es tatsächlich bessere Cafés in Köln.  

Im Kaffeesaurus ist es laut.

Ich bin eine der komischen Personen, die in Cafés vor dem Laptop sitzen oder in ihr Notizbuch vertieft arbeiten kann. Ich kann mich bei Café-Atmosphäre einfach gut konzentrieren. Das Kaffeesaurus ist mir dafür eigentlich aber ein wenig zu laut. Die Menschen hier unterhalten sich, und das gar nicht mal so leise. Oft ist auch noch ein schreiendes Baby da, das aber niemanden stört. Dazu gibt’s 90s-geschwängerte Musik vom Band. Unterhalten geht ganz gut hier, wer arbeiten will, bringt noch einen Kopfhörer mit.

A apropos arbeiten: Hier gibt’s Wlan, einen freien Hotspot von Unitymedia. Der funktioniert aber überraschend großartig. Selbst ein YouTube-Video, das ich schnell recherchieren muss, läuft flüssig. (Kopfhörer!) Niemand hat hier etwas dagegen, wenn man lange am Laptop sitzt. Fast immer treffe ich hier die ein oder andere Bloggerin, die Texte schreibt und Fotos sortiert. (Aber denkt dran: Wer lange sitzt, sollte auch viel bestellen.)

Insgesamt ist das Kaffeesaurus also ein wunderschöner Zufluchtsort an einem hässlichen Platz in der Innenstadt. Wie viel schöner das hier noch werden wird, wenn die ganzen Baustellen vor der Türe verschwinden und man vielleicht auch mal draußen sitzen kann. Schade ist, dass das Café täglich nur bis 19 Uhr geöffnet hat. Aber so versucht man vermutlich, das furchtbare Ringe-Publikum zu umgehen. 

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