Gelesen im Februar (2019)

Der Februar ging schön weiter. Ich habe es ja schon oft gesagt: Ich bin eigentlich nicht so der Krimileser. Mit der Gereon-Rath-Reihe habe ich in diesem Monat aber kräftig weiter gemacht. (Wen das nicht interessiert, kann die ersten paar Bücher ja überspringen. Ich habe übrigens auch endlich mit Babylon Berlin angefangen. Gefällt mir richtig gut, auch wenn es doch ganz anders ist als die Bücher. Ansonsten kann ich das ganz wunderbare „Cat Person“ empfehlen! Ganz seltsame und dunkle Kurzgeschichten, die sich so neu anfühlen.

Goldstein (Gereon Rath Reihe 3) – Volker Kutscher

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Ihr könnt euch nicht wehren, ich mache weiter mit der Reihe. Hier also „Goldstein“, Buch Nummer 3. Der Fall ist mir hier ein bisschen zu vielschichtig und um die Ecke gedacht, da ist einfach zu viel los. Dafür werden die Zeiten in Berlin dunkler und wir steigen langsam mehr in die politische Situation ein. Das ist es, warum mich die Reihe jetzt auch endgültig gepackt hat. Das wird immer spannender.

Die Akte Vaterland (Gereon Rath Reihe 4) – Volker Kutscher

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Im vierten Buch der Reihe stellen sich die drei Handlungsstränge heraus, die in den Büchern im Fokus stehen. 1. Der Fall selbst (in jedem Buch neu), hier unter anderem ein Toter in einem Aufzug, der seltsamerweise ertrunken ist. Das ist mysteriös und wir lösen das Rätsel gemeinsam mit dem Kommissar. 2. Die Beziehung von Gereon und Charlotte, überhaupt ist es schön zu sehen, wie viele interessante Frauenfiguren Kutscher in diesem sehr männlichen Polizei-Apparat einbaut. (Was machen die denn in der Serie mit Charlotte?!) 3. Der geschichtliche Verlauf – es ist mittlerweile 1932 und der Hintergrund, warum die Nazis mehr und mehr an die Macht kriechen, wird hier immer mehr aufgedeckt. Es wird dunkel, der Fall ist schwierig und politisch. Die Reihe wird immer besser und besser.

Märzgefallene (Gereon Rath Reihe 5) – Volker Kutscher

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Ooooooke, eins musste in diesem Monat noch sein. Im 5. Teil der Reihe ist es noch immer 1932 und es ist jetzt schon ziemlich düster in Deutschland. Der Herr Kommissar muss sich jetzt nicht mehr nur mit Mordfällen und seiner Lady herumschlagen, sondern auch unausweichlich mit der Politik beschäftigen. Die Nazis haben sich mehr und mehr an die Macht gekämpft und bestimmen den Alltag – auch im Polizeirevier. Besonders gelungen finde ich, dass der Protagonist noch immer keine Seite wählen will – er bleibt neutral und verlässt sich auf sein „Das wird schon“, während die Leute um ihn herum entweder verzückt mitlaufen oder Angst haben. In diesem Teil unternehmen wir auch endlich mal eine Reise nach Köln und ich bin überrascht, wie sehr ich mich über Vorkommnisse wie „den Unfall auf der Neusser Straße“ freue. Vielleicht sollte ich mehr Bücher lesen, die in Köln spielen …

Die Interessanten – Meg Wolitzer

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Ein Buch, an dem ich viele Tagen hart gearbeitet habe, denn obwohl die Geschichte an sich interessant war, konnte ich sie nicht richtig leiden. Im Buch verfolgen wir das Leben einer Gruppe von Freunden vom Teenager-Alter bis ca. Mitte 50. Es sind ereignisreiche Leben, die für mich aber mit jeder kleinen Wendung immer unrealistischer wurden. Die meisten der Charaktere mochte ich nicht, und der unemotionale Schreibstil der Autorin ließ mich quälend lang und langsam durch das Buch ziehen. Trotzdem wollte ich es unbedingt zu Ende lesen, um doch zu erfahren, was passieren und worauf das alles hinauslaufen würde. Freunde, die sonst meinen Lesegeschmack teilen, mochten es sehr. Für mich war es ein recht freudloses Buch.

Cat Person – Kristen Roupenian

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{Presseexemplar} Vor etwas mehr als einem Jahr wurde Kristen Roupenian mit ihrer Story „Cat Person“ im New Yorker mit einem Schlag bekannt. Da war plötzlich jemand, die die Unsicherheit, Erwartungen und Lebenssituation der sog. Millenials perfekt beschreiben konnte. Zudem passte der Start der meeto-Debatte zeithistorisch auch. In der Story folgen wir einer jungen Frau, die einen etwas reiferen Mann kennenlernt. Sie flirtet per Nachricht, geht schließlich mit ihm auf ein Date, das sie dann doch nicht so toll findet, aber trotzdem mit ihm nach Hause geht. Die Frage, die sich nicht nur für sie stellt: Bis zu welchem Zeitpunkt ist es ok Erwartungen zu brechen, nein zu sagen? Was sieht sie in dem Mann? Und ist das heute „normal“?

Jetzt ist Kristen Rouprnians gleichnamige Kurzgeschichtensammlung erschienen und ich bin schwer begeistert. (Auch wenn ich bei vielen Geschichten gern so viel mehr gelesen hätte.) Das ganze Buch ist dunkel und seltsam. Es geht um unklare Hierarchien, Kommunikation, unausgesprochene Wünsche und generell Menschen, die dringend mal miteinander reden sollten. Meine Lieblingsstorys sind wahrscheinlich „Sardinen“, „Cat Person“, „Ein netter Typ“ und „Beißerin“. Ich freue mich schon auf mehr von der Autorin.

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche – Reni Edda-Lodge

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{Presseexemplar} Ich hatte vorher nichts über das Buch gelesen und wusste daher auch nicht, wie viel da im Internet schon kritisch diskutiert wurde. Die Autorin will Weißen nicht länger das Problem von strukturellem Rassismus erklären, macht im Buch aber natürlich genau das. Auch auf meinem Instagram-Account hörte ich dann das, was dem Buch auch im englischen vorgeworfen wurde: Nicht genügend recherchiert, Studien als Beleg, die nicht näher benannt werden, zu polemisch. Ich habe das beim Lesen nicht so empfunden, aber wahrscheinlich bin ich da auch mit anderen Erwartungen ran gegangen. Ich wollte hier keine wissenschaftliche Arbeit lesen, sondern einen Einblick in das Problem gewinnen. 

Das Buch handelt vom strukturellen Rassismus in Großbritannien, lässt sich in großen Teilen aber sicher genauso auf Deutschland übertragen. Die Autorin schreibt über die Geschichte schwarzer Einwanderer, über weißen Feminismus und Klassenunterschiede. Dabei stellt sie heraus, dass oft nicht die einzelnen Brüllnazis das Problem sind, sondern der ganze Apparat, der dahinter steckt und Weiße bevorzugt. Sie beschreibt auch, wie vehement sich besonders weiße Liberale dagegen wehren, das anzuerkennen. Denn immer wieder wollen Menschen lieber den Vorwurf des Rassismus bekämpfen als den Rassismus selbst. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und zum Zuhören auffordert. 

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