Gelesen im Dezember

Mein Lesemonat

Ein bisschen früher als sonst, aber ich muss mich ja auch noch an meine Best-Ofs setzen … Wie schön die Feiertage sind, um mit Tee und Kaminfeuer im Fernsehen drinnen zu sitzen und zu lesen. Jaja, wer schafft das schon? Stattdessen habe ich mir neue Bücher schenken lassen und gleich noch den großen Buchhandlungstag dazwischen geschoben. 2019 kann also kommen, mein Bücherregal ist wieder voll.

(Die Titel sind als Affiliate-Links zu Amazon verlinkt (*). Dazu habe ich „normale“ Links zu den Verlagen eingefügt.)

 

Worauf du dich verlassen kannst

Worauf du dich verlassen kannst – Kate Tempest

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Ich muss hier wahrscheinlich gar nicht lange erzählen, dass Kate Tempest grandios mit Sprache umgehen kann. (Kate Tempest ist Rapperin und Lyrikerin und überhaupt ein Phänomen.) Es gibt Sätze in dem Buch, die ich mir mehrmals durchlesen musste, nicht, weil sie nicht klar waren, sondern weil sie so wundervolle Bilder beschreiben. Besonders mit der Liebe hat sie es: „Becky lächelt und alle Straßen in Harrys Herz stehen in Flammen, alle Fenster in allen Häusern bersten auf einen Schlag. Eine Flutwelle rast heran und löscht das Feuer, das Wasser flutet die Häuser, läuft aus den zerplatzten Fenstern wieder ab und trägt die Trümmer mit sich fort.“ Fast noch mehr hat mich aber die Art beeindruckt, in der Kate Tempest uns durch die Geschichte führt. Neben den Protagonisten lernen wir noch viele weitere Charaktere kennen, deren Leben in kurzen Episoden beschrieben werden. So als würde eben kurz rein- und wieder rausgezoomt, damit wir im weiteren Verlauf ihre Motivationen verstehen. Das ist großartig. Da verzeihe ich ihr auch, dass die Story an sich manchmal zu konstruiert ist.

 

Das Bildnis des Dorian Gray

Das Bildnis des Dorian Gray – Oscar Wilde

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Als ich das Buch vor Jahren das erste Mal gelesen habe, mochte ich es sehr. Jetzt beim zweiten Mal konnte ich es schwer ertragen. Mann Mann, selten, dass meine Meinung sich so ändert. Seitenweise quäle ich mich hier durch elitäres Geschwafel und Beschreibungen von Prunk und Reichtum und das ist mir alles so egal. Das große „Frauen sind so und Männer sind so“ bei jedem Treffen der gehobenen Gesellschaft … Darunter versteckt sich noch immer die großartige Geschichte von Dorian, dessen Porträt für ihn altert und all seine Sünden aufnimmt. Aber ich hatte die ganze Langeweile drum herum wohl das letzte Mal ausgeblendet. Vielleicht muss ich das Buch in ein paar Jahren noch mal lesen und schauen, was es dann mit mir macht.

 

Die Hochhausspringerin

Die Hochhausspringerin – Julia von Lucadou

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Das Buch hat mich sehr an The Circle von Dave Eggers erinnert, nur noch ein bisschen weiter in die Zukunft gedacht. Ich mochte die Geschichte, ich mochte die Gegensätzlichkeit der beiden Protagonistinnen und wie das Buch mit Depression umgeht. Es geht darin ganz grob um ein System, in dem man funktionieren muss, wenn man erfolgreich sein will. Das heißt vollkommene Überwachung von Gesundheit und Leistung. Macht man da nicht mit, muss man in die Peripherien vor der Stadt – ohne Luxus und sonstige Absicherung. Hitomi ist Wirtschaftspsychologin eines großen Unternehmens und auf dem Weg nach oben. Sie soll herausfinden, warum Riva, eine berühmte Sportlerin, sich plötzlich dem System verweigert.
Auch wenn man sich in dieser Welt viel hinzudenken muss (nichts für Leser, die auserzählte Geschichten mögen), kann man sich die Strukturen und Mechanismen gut selbst erschließen. Ich vermute ja, dass diese neue Welt als sehr negativ empfunden werden soll, aber dafür waren mir die Konsequenzen des Ausstiegs ehrlich gesagt nicht hart genug. Wie im realen Leben habe ich mir oft gedacht: Ist doch freiwillig, muss man ja nicht teilnehmen, wenn man das nicht möchte. Interessant war’s trotzdem, ich mag ja solche SciFi-Dystopien.

 

Der Club Takis Würger

Der Club – Takis Würger

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Wenn man es genau nimmt, ist das Buch eigentlich ein Krimi. Vielleicht eher ein Rohentwurf von einem Krimi, denn sobald man zum eigentlichen Handlungsort der Geschichte nach Cambridge kommt, ist eigentlich schon ziemlich klar, was passieren wird bzw. in der Vergangenheit passiert ist. Vielleicht ist das für manche nix, aber Krimis sind mir immer recht egal, und das Buch hier fand ich richtig gut. Relativ kurz, aber mit wunderbar präziser Sprache folgen wir darin Hans von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter – ein Außenseiter, ein stiller Mensch, der boxt und sonst recht einsam ist. Während seiner Geschichte wechseln wir ganz oft die Perspektive zu Personen, die seinen Weg von außen zeigen. Das Buch könnte ein Klassiker aus den 1950ern sein oder eben eine stimmungsvolle kleine Reise genau jetzt. Schnell zu lesen und richtig gut.

 

oh Simone!

Oh, Simone! Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten – Julia Kobrik

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Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, schreit es aus allen Ecken. Wie wäre es denn mit dieser hier? Simone de Beauvoir ist vielen noch immer nur als die Freundin von Jean-Paul Sartre bekannt, dabei haben die beiden gemeinsam gearbeitet und den Existenzialismus zusammen auf die Welt gebracht (mal grob gesagt). Darüber hinaus führten die beiden eine auch aus heutiger Sicht noch immer ungewöhnliche offene Beziehung. Dieses hübsche Buch hier gibt einen Überblick über Simones Leben und wie sie sich dieses erkämpfen musste. Darüber hinaus beschreibt es ihre Arbeit (Belletristik, Biografie, Das andere Geschlecht), ihre Philosophie und ihre Einstellung zum Leben. Liebevoll aufbereitet und ein großartiger Einstieg. Danach hat man garantiert Lust, mal wieder oder überhaupt mal Beauvoir zu lesen, und wird das alles im großen Kontext besser verstehen.

 

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