Algiers im Artheater

Zwei Wochen lang hat mein Leben Pause gemacht. Krank, nix geht mehr, Husten, Fieber, Langeweile. Und das schlimmste daran natürlich: keine Konzerte. Dabei hatte ich besonders dieses Konzert hier schon so lange im Auge. Algiers! Im Artheater! Dafür musste ich wieder fit sein.

Gut ausgeruht durfte ich also am Freitag endlich wieder raus. Algiers sind hierzulande leider noch viel zu unbekannt, das sage ich aus fiebrigem Herzen. Ihr aktueller Song „Underside of Power“ läuft zwar im Indie-Radio hoch und runter, aber so richtig die Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten sie damit auch dort nicht.

 

 

Das liegt natürlich zu einem großen Teil daran, dass die Musik der Algiers nicht so einfach ist. Ich würde es mal als eine Mischung aus New Wave, Postpunk, Gospelblues, Samples und Politik beschreiben. Kling anstrengend, ist aber ein Erlebnis – besonders live! Eigentlich haben sie verdient, dass da jeder Mensch im Publikum steht, der behauptet, Musik zu mögen. Gleichzeitig bin ich sehr dankbar, dass ich dieses Erlebnis im kleinen Artheater haben darf. Das fühlt sich gleich an, als wüssten wir alle etwas, das der Welt bisher verborgen geblieben ist.

Ihr Ruf eilt den Algiers voraus und, oh, werden die vier ihm gerecht. Natürlich brauchten die Kölner wieder ein paar Minuten, bis sie warm wurden. Das kennen wir ja, erstmal abwarten und schauen, ob sich die ganze Arbeit lohnt. Bands müssen hier halt ein wenig arbeiten, gut so. Also haben Algiers gezeigt, was sie können. Wo Bassisten normalerweise im Halbschatten die Bühne bevölkern, springt und schwingt und kriecht Ryan über die Bühne. Wo Sänger sonst mit dem Publikum flirten, dreht Franklin ihnen die Hälfte der Zeit den Rücken zu oder zuckt mit geschlossenen Augen mit seinem Tamburin. Das hört sich ungemütlich an. Das hört sich an, als sollte man sich einen Drink holen und aus der Ferne zuschauen. Die Energie, mit der Algiers ihre Songs durch den Raum stampfen, laut und wirr, lässt sich aber ganz vorne am besten aufsaugen.

 

 

Und so stand ich am Bühnenrand und konnte nicht anders als zu tanzen – wegen Ausruhpflicht eigentlich verboten. Aber mein Körper hat auf Konzertentzug noch mehr gestaunt, was ihm da präsentiert wurde. Und auch die Band muss gemocht haben, was die Kölner ihnen da geboten haben. Es gab zumindest mehr Zugaben als sonst auf der Tour.

 


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