Bücher Best-of 2017

Das hier war mein schwierigstes Best-of bisher, deswegen kommt es auch so spät. Ich habe so lange hin und her überlegt und mich dann doch immer wieder umentschieden. Im Gegensatz zu meinem Konzert-Best-Of mache ich hier keine Top 10, sondern eigentlich immer eine freie Anzahl an Büchern, die ich sehr mochte. 56 Bücher habe ich gelesen (ohne einzelne Comics), davon möchte ich jetzt 7 in mein Best-of nehmen.

Bücher, die ich zum zweiten oder x-ten mal gelesen habe, und das auch sicher wieder und wieder machen werde, berücksichtige ich nicht. Vom Gefühl her waren es in diesem Jahr wenige, immerhin sechs Stück (siehe unten in der Liste). Vielleicht ein kleiner Lesevorsatz für 2018: Mehr Lieblingsbücher noch einmal lesen.

Ach ja, für eines möchte ich mich noch schnell selbst auf die Schulter klopfen: Nachdem ich mal genau darauf geachtet hatte, ist mir aufgefallen, dass ich in den letzten Jahren fast ausschließlich Bücher von Autoren gelesen habe. Autoren, männlich. Warum eigentlich? Ich habe also angefangen, mich ein bisschen weiter umzusehen, ein Buch von einer Autorin vielleicht ein bisschen höher auf die Leseliste gesetzt. Herausgekommen ist: Von den 56 Büchern, die ich in diesem Jahr gelesen habe, wurden 27 von Frauen geschrieben. Das hat zuerst einmal keinen großen Unterschied gemacht, trotzdem habe ich gemerkt, dass da plötzlich andere Perspektiven waren, die ich, ohne es zu merken, vermisst hatte. Das wird auch in meinem Best-Of deutlich.


Mein Buch-Best-of 2017:
(Die Titel sind als Affiliate-Links zu Amazon verlinkt. Dazu habe ich „normale“ Links zu den Verlagen eingefügt.)


Geister: Nathan Hill

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Was für ein Buch. Das kann ich wirklich kaum in ein paar Sätzen zusammenfassen. So viele Figuren, so viele Geschichten und Storylines, und alle sind interessant und miteinander verbunden. Worum GENAU es geht, ist daher gar nicht so wichtig. Auf über 800 Seiten erzählt Nathan Hill fast nebenbei über die Spaltung der modernen amerikanischen Gesellschaft, von jung zu alt, von Stadt zu Land, offline und online, von 1960 bis zu Occupy Wallstreet. Wenn ich euch in diesem Jahr nur ein Buch in die Hand drücken darf, dann dieses. (Nein, die anderen auch)


Der Bastard von Istanbul – Elif Shafak

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Hinter jeder Ecke wartet eine neue Überraschung. So gut wie alle Protagonistinnen sind Frauen, alle unterschiedlich, jede einzelne mit einer spannenden Geschichte, Motivation und Meinung. Ihr werdet mit allen einen Tee trinken und jede einzelne Geschichte länger verfolgen wollen. Dazu kommt diese wunderbare Stimmung, die mich gleich sehnsüchtig an Istanbul denken lässt, obwohl ich noch nie da war. Ich will mir die verwinkelten Gassen ansehen, verträumt auf den Bosporus schauen und mit Asya im Café Rotwein trinken. Im Kern dreht sich die Handlung immer wieder um die Deportationen und Massenvernichtungen der Armenier in 1915 und wie sowohl die Armenier als auch die Türken heute mit dieser Vergangenheit leben. Ich mag, wie uns Elif Shafak die Ansichten beider Seiten näher bringt, ohne mit dem Finger zu zeigen. Und wie man als Leser versteht, ohne belehrt zu werden.


Euphoria – Lily King

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Stellt euch einen heißen, schwitzigen Sommer vor. Dazu eine vollkommen fremde Welt, die es Stück für Stück zu entdecken gibt. Wir sind im Dschungel von Neuguinea: Neue Menschen, neue Kulturen, neue Sprachen, Nahrung, Häuser und Pflanzen. „Euphoria“ erzählt eine dieser Geschichten, die man nicht unbedingt selbst erleben will, in die man aber zu Hause auf dem Sofa eintaucht und plötzlich ist es mitten in der Nacht und jetzt lohnt sich das Schlafen auch nicht mehr. Das Buch ist ein Abenteuer, spannend und aufregend. Ich kann es sehr empfehlen.


Eleanor & Park – Rainbow Rowell

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Ab und an schiebe ich ein Jugendbuch ein, wenn ich den Kopf von etwas frei bekommen will. Die sind leicht und nett und flitzen so dahin. In mein Best-of schaffen sie es in der Regel nicht. Hier ist die klassische Teenagergeschichte: Das Außenseitermädchen verliebt sich in den halbwegs populären Jungen und es ist DIE GROßE LIEBE! Na klar, was auch sonst. Im Gegensatz zu anderen Büchern sind diese Protagonisten aber eben nicht die typischen Teenager-Romanhelden. Eleanor und Park sind ein dickes Mädchen und ein Junge mit asiatischen Wurzeln und die Geschichte ist so viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint.


Der Report der Magd – Margaret Atwood

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Dank der Serienadaption und wahrscheinlich auch der gruseligen Situation in den USA hat dieses Buch in 2017 noch einmal für Wirbel gesorgt. 1985 hat Margaret Atwood das Buch geschrieben und an seiner Aktualität hat es nichts verloren, denn es zeigt, wie schnell es gehen kann, dass eine demokratische Gesellschaft kippt und sich in ein autoritäres Regime verwandelt. Frauen haben hier je nach Stand keinerlei Rechte mehr und werden auf wenige gesellschaftliche Rollen begrenzt: Gebären, Haushalt, Repräsentation. Im Buch hören wir, wie es dazu kam, wie in dieser Gesellschaft gelebt wird und wo sich Widerstand regt. Stellenweise ein klein wenig trocken, aber das macht nichts. Ihr werdet Sachen lesen, die euch nicht mehr loslassen, und einen ganz neuen Blick auf heute entwickeln.


Die Straße – Cormac McCarthy

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Das erste Buch, das ich 2017 gelesen habe. Ein düsterer Klassiker; der Vater der dystopischen Romane. Wir wissen nicht, was genau passiert ist, aber wir stecken in einer Welt, die stirbt. Das besondere an diesem Buch ist die Stimmung. Eine dunkle Geschichte mit trotzdem jeder Menge Hoffnung. Wo es so einfach wäre aufzugeben, aber es trotzdem nicht passiert. Ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen und freue mich schon darauf, wenn ich es noch mal lesen werde.



Ein besonderes Herz geht außerdem an zwei Bücher, die ich sehr, sehr mochte, und die einen besonderen Platz verdient haben, weil sie so weh tun und mich so aufgelöst zurückgelassen haben.

Grief is the thing with feathers – Max Porter

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Eine Novelle: Kurze Kapitel aus Prosa und Lyrik gemischt bringen das Gefühl der Trauer so genau auf den Punkt, dass man manchmal kurz nach Luft schnappen muss.


Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

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Ein Brocken: Über 1000 Seiten Leid, Freundschaft, Liebe. Und dann wieder Leid. Dieses Buch liest man nicht nur, man tut es sich an. Es ist grausam, es ist schwer, aber wenn das alles durchgestanden ist, legt man das Buch auf Seite und alles ist gut.


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Und damit alles vollständig ist, hier noch einmal alle Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe in alphabethischer Reihenfolge (außer die Serien). Ich verlinke meine Kurzkritiken jetzt nicht alle. Ich vertraue euch da mit der Suchfunktion:

A series of unfortunate events (4): The miserable mill – Lemony Snicket
A series of unfortunate events (5): The vile village – Lemony Snicket
A series of unfortunate events (6): The ersatz elevator – Lemony Snicket
A series of unfortunate events (7): The hostile hospital – Lemony Snicket
Aaarfz – Markus Herrmann
Animal Farm – George Orwell // Reread
Auerhaus – Bov Bjerg
Auf der Suche nach Amerika – Kurzgeschichtensammlung
Der Bastard von Istanbul – Elif Shafak
Bei den wilden Kerlen – Dave Eggers
Bienensterben – Lisa O’Donnell
Café Saratoga – Malin Schwerdtfeger
Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara
Eine kurze Geschichte von sieben Morden – Marlon James
Eleanor & Park – Rainbow Rowell
Es – Stephen King // Reread
Euphoria – Lily King
Flavia deLuce, Mord im Gurkenbeet (1) – Alan Bradley
Frankenstein – Mary Shelley
Geister: Nathan Hill
Grief is a thing with feathers – Max Porter
The Hate U Give – Angie Thomas
Das Haus – Mark Z. Danielewski
Das Herz ist ein einsamer Jäger – Carson McCullers
Hexensaat – Margaret Atwood
Das Hotel New Hampshire – John Irving // Reread
James and the giant peach – Roland Dahl
Die Leiden des jungen Werther – Johann Wolfgang von Goethe // Reread
Lumberjanes (1) – Noelle Stevenson
Die Magie der kleinen Dinge – Jessie Burton
Maus – Art Spiegelmann // Reread
Meine geniale Freundin – Elena Ferrante
Nimona – Noelle Stevenson
Papergirls (1) – Brian K. Vaughn
Persuation – Jane Austen
The Power – Naomi Alderman
Rebecca – Daphne Du Maurier
Der Report der Magd – Margaret Atwood
Salz auf unserer Haut – Benoîte Groult
Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (2) – Bryan Lee O’Malley
Sieben Nächte – Simon Strauss
Silicon Germany – Christoph Keese
Shining – Stephen King
Slade House – David Mitchell
Die störrische Braut – Anna Tyler
Die Straße – Cormac McCarthy
Die Straße der Pfirsiche – F. Scott Fitzgerald
Swamplandia – Karen Russell
Sweet Tooth (komplette Serie) – Jeff Lemire
Tagebuch – Anne Frank // Reread
Die Terranauten – T.C. Boyle
To Kill a Mockingbird – Harper Lee // Reread
Tschick – Wolfgang Herrendorf
Underground Railroad – Colson Whitehead
Der Ursprung der Welt – Liv Strömquist
Die vielen Leben des Harry August – Claire North
The Walking Dead (1) – Robert Kirkman
Wann wird es endlich wieder so wie es nie war – Joachim Meyerhodd
Wer wir waren – Roger Willemsen
Wem erzähle ich das? – Ali Smith
Yes, Please – Amy Poehler
100 Seiten Twin Peaks – Gunther Reinhardt


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