Gelesen im September

Hach, September. Das ist schon so lange her und ich habe in der Zwischenzeit schon wieder so viel gelesen, dass ich auf meine Notizen zurückgreifen muss. Jaja, wir werden alle nicht jünger und außerdem sitze ich hier gerade auf Mallorca und habe schon zwei Gin Tonic getrunken … Hier also wieder mal vier kleine Buchtipps von mir.



Die Magie der kleinen Dinge: Jessie Burton

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Auf englisch heißt das Buch „The Miniaturist“ und klingt dann auch nicht so süßlich-romantisch wie auf Deutsch. Eigentlich ist es auch eine spannende Geschichte und spielt im historischen Amsterdam (im 19. Jahrhundert). Die junge Nella heiratet den reichen Kaufmann Johannes, wird bei ihrer Ankunft im neuen Zuhause aber nicht gerade herzlich empfangen. Johannes Schwester und die beiden Bediensteten bleiben lieber unter sich. Als Hochzeitsgeschenk bekommt Nella von Johannes als gute Geste ein luxuriöses Puppenhaus geschenkt – eine genaue Nachbildung ihres eigenen neuen Zuhauses. Das war wohl damals sehr schick. Um das Haus mit Leben zu füllen, bestellt Nella Möbel und Figuren bei einer zurückgezogenen Miniaturistin, die immer mysteriöser wird, als ihre kleinen Werke Geschehnisse über die Familie voraussagen. Ein bisschen geheimnisvoll, sehr spannend und atmosphärisch ist die Geschichte erzählt. Nella deckt nach und nach Geheimnisse im Haus auf, versteht die Motivationen der Figuren und wird sich ihrer eigenen Rolle bewusst. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und schon kräftig weiterempfohlen. Und mir ist klar geworden: a) Ich habe eine seltsame Liebe für Geschichten, die in Amsterdam im 19. Jahrhundert spielen und b) ich will auch eine Miniatur von mir selbst.



The Hate U Give: Angie Thomas

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„The Hate U Give“ ist eines dieser Bücher, die da sind, wenn’s brennt. Mit der Black-Lives-Matter-Bewegung wird in den USA zurzeit die Polizeigewalt gegen die schwarze Bevölkerung thematisiert. Das Buch nimmt sich genau das zum Thema: Ein junger afroamerikanischer Mann wird während einer Polizeikontrolle erschossen, obwohl er weder auffällig noch bewaffnet ist. Daraufhin brechen Unruhen aus, es gibt Proteste und die Bevölkerung – schwarz und weiß – muss sich mit der Situation auseinandersetzen. Die Geschichte wird aus der Sicht von Starr erzählt, einer Freundin des Opfers, die bei der Tat dabei war und nun als Zeugin bei der Polizei auftritt. Sie lebt im schwarzen Ghetto, geht aber in einem weißen Viertel zur Schule – kennt sich also mit den Perspektiven beider Seiten aus. Das Buch wirft uns mit ihr in dieses Gefühlschaos. Die Geschichte und das Thema sind fantastisch gewählt, die Figuren sympathisch und auch die Nebenfiguren und -Handlungen spannend. Ich habe es gerne gelesen und denke auch jetzt noch häufig an manche Stellen. ABER: Mir ist nicht ganz klar, für wen das Buch sein soll. Es ist offensichtlich ein Jugendbuch, trotzdem geht es davon aus, dass die Leserin keine Ahnung von afroamerikanischer Kultur hat. Und damit meine ich wirklich keine Ahnung. In der deutschen Übersetzung gibt es sogar ein Glossar, dass mir allen ernstes Begriffe wie Thug, Dope und Black Live Matter erklärt. Aber auch ohne dieses ist es beim Lesen immer wieder seltsam, wie offensichtlich Dinge erklärt werden. Ich frage mich, ob jemand, dem das tatsächlich alles fremd ist, das Buch überhaupt lesen würde?



Der Ursprung der Welt: Liv Strömquist

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Bei meinem letzten Hamburg-Besuch musste ich bei „Strips & Stories“ spontan dieses Buch mitnehmen. Kurz reingeblättert, laut gelacht, gekauft. Es ist eine Kulturgeschichte der Frau in Comicform, trotzdem mit recht viel Text. Genauer: Die Darstellung von weiblichen Geschlechtsorganen über die Jahrhunderte, soziale Stellung, Sex, Menstruation, PMS und was sonst noch alles dazu gehört. Ich habe mich amüsiert und dabei viel gelernt. Wusstet ihr, dass bis zur Aufklärung Frauen als die Triebgesteuerten galten und Männer dafür sorgen mussten, dass alles gut und keusch abläuft? Das bis heute kaum jemand weiß, was der Unterschied zwischen Vulva und Vagina ist? Das Buch ist schlau und lustig und ich wünschte mir, mehr Frauen würden es lesen, um ein paar Dinge besser zu verstehen. (Und Männer natürlich auch).



Das Hotel New Hampshire: John Irving

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Ich glaube, ich habe in diesem Jahr recht wenig Bücher zum zweiten oder x-ten Mal gelesen, oder? Dies hier ist jedenfalls eines davon. Ich war noch ein Teenager, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, und danach noch ein paar Mal bis in die Studi-Zeit. Ich habe die verrückte Familiengeschichte und die vielen unerwarteten Wendungen geliebt und das Buch lange lange auf der Liste meiner Lieblingsbücher gehabt. Jetzt, einige Jahre später, habe ich das Buch noch immer sehr gerne, und mir sind zusätzlich Sachen aufgefallen, die mir als Teenager gar nicht so klar waren: wie feministisch das Buch eigentlich ist, was für einen zentralen Punkt die Erinnerungen von Familien einnehmen, wie schnell es erzählt und wie traurig der Grundton ist. Noch immer ein tolles Buch, eines der besten von Irving. Mal sehen, was ich in 10 Jahren darin entdecke …


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