Beth Ditto im E-Werk

Beth Ditto hat eine von diesen seltenen Stimmen, vor denen man ehrfürchtig zurückweichen möchte, still stehen, zuhören. Aber sie ist noch viel mehr: Symbol und Sprachrohr für die LGBT-Szene, für Feminismus, für gute Menschen. Mit ihrer Band Gossip ist sie bekannt geworden, jetzt ist sie solo unterwegs. Ihre neuen Stücke sind leichter, persönlicher, wärmer.

Schon bevor Beth Ditto auf die Bühne kommt, kann ich durch den Vorhang einen kurzen Blick auf sie werfen. Da steht sie, klein und rund, und in ihrem silbernen Glitzerkleid sieht sie aus wie eine Discokugel. Hach. Genau das erwarte ich von dem Abend: eine heiße Clubnacht mit schwitzigen halbnackten Tänzern. (Erinnert sich noch jemand an den Funky Chicken Club? Gibts den noch?) Die Zuschauer sind aber zu Beginn noch zurückhaltend, was kein Wunder ist – wir wollen diese Stimme hören.



Ein bisschen erkältet ist sie, das hört man, das schlägt ein wenig auf die Stimme. Aber kein Problem, sagt sie. Man möchte sich vorstellen, was da sonst noch rauskommen kann aus dieser Frau. Ich habe das neue Album „Fake Sugar“ nur einmal gehört und kenne die Songs daher nicht gut, aber ich höre hier gleich meine Favoriten raus; „Oh la la“ und „In and out“ gefallen mir am besten. (Auf dem Album „Fire“!) Da ist Rhythmus drin. Zusätzlich zu den neuen Songs spielt sie ein bisschen von Gossip, die Hits natürlich. Da schießen die Handys in die Luft und es wird noch ein bisschen wilder getanzt. Ein besonders großer Unterschied ist das aber nicht. Auch ihre Solo-Songs kommen gut an.

Zwischendurch redet sie viel mit dem Publikum, mit der Band („TED!“) und ihren Gästen und ich kann kaum fassen, wie sympathisch sie ist. Jaja, natürlich ist Deutschland ihr Lieblingsland, aber hat man in letzter Zeit jemanden gehört, der sich so nett über den komischen Namen „Kööööln“ lustig macht? Sie erzählt uns von Freunden, die sie schon seit Beginn begleiten, begrüßt Fans im Publikum und gibt uns Make-up-Tipps (der günstige Lippenstift!). Ich möchte gerne mit ihr shoppen gehen.



Nach und nach wird es dann auch heißer im E-Werk und die Party ausgelassener. Ich komme langsam an meine halbnackten Tänzer. Als Beth sich die Regenbogenfahne überwirft, strahlen alle um die Wette. Und dann stimmt sie auch noch „A Little Respect“ von Erasure an. Das passt auf den Punkt und ist einer der emotionalsten Momente des Abends. Das Publikum singt laut mit, kein Grölen, das ist als Gemeinschaft schwer zu singen und wir kriegen es trotzdem hin. Gut gemacht, sagt Beth. Am Ende bekommen wir mit „Rebel Girl“ von Bikini Kill noch ein Cover, aus dem Publikum gewünscht und von Herzen gesungen, bevor sie „Heavy Cross“ anstimmt und noch mal alles rausholt. Diese Stimme! Das alles hätte ich mir nicht schöner vorstellen können.


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