Gelesen im August

Ein kleines bisschen Urlaub mit lieben Leuten, ein kleines bisschen Sommer, nur ein Konzert und viel Arbeit. Ich hatte schon mal einen besseren August, aber trotzdem kann ich nicht klagen. Gelesen habe ich „nur“ vier Bücher, dafür aber Schwergewichte, durch die man sich auf gute Art durchkämpfen muss.


Buchtipp: Underground Railroad und Lemony Snicket


Underground Railroad – Colton Whitehead

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Was für ein Buch! Seit Monaten habe ich es auf meiner Leseliste, wollte da aber auf Deutsch ran. Der Hanser Verlag, der momentan bei Übersetzungen ein wirklich gutes Händchen beweist (dazu unten mehr), hat sich die Rechte geschnappt. Und in der Zwischenzeit: Leserliebe, Kritikerliebe, Pulitzerpreis! Das Buch spielt Mitte des 19. Jahrhunderts im Süden der USA. Die Gegner der Sklaverei haben ein Netzwerk aufgebaut, das Sklaven bei der Flucht unterstützt. Sie bedienen sich dafür Metaphern aus der Eisenbahnwelt, „Passagiere“ reisen hier von „Station“ zu „Station“. Soweit beruht das Buch auf Tatsachen. Colton Whitehead macht aus diesem Netzwerk aber ein Netzwerk aus tatsächlichen Bahnhöfen und Zügen, die unter der Erde durch das Land fahren. Das mag für manche Leser unnötig sein, ich fand es ein wunderbares Detail. Denn so unwirklich, wie die Underground Railroad tatsächlich auf ihre Reisenden gewirkt haben muss, weiße Menschen, die ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um schwarzen Sklaven ein freies Leben zu ermöglichen, so unwirklich wirkt eine tatsächliche Eisenbahn auf die Figuren im Buch und so auch auf uns als Leser 150 Jahre später. Viel mehr als um die Eisenbahn selbst geht es im Buch aber um die Charaktere. Hauptsächlich folgen wir Cora und Ceasar, junge Sklaven auf einer Baumwollplantage, die es zunächst in die Freiheit schaffen. Sie wissen an kaum einer Stelle, was sie erwartet, und so stolpern wir mit ihnen durch diese fremde und schreckliche Welt. Wir hören ein bisschen von Coras Mutter Mable sowie von dem grausamen Sklavenjäger Ridgeway, der ihnen immer wieder auf den Fersen ist. Auf ihrer Reise begegnen wir grausamen und liebenswürdigen Gestalten in der Form von Ärzten, Sozialarbeitern, Sklaven, Plantagenbesitzern und heimlichen Helfern. Zusammen mit den Figuren fühlen wir uns nie sicher und möchten jeden guten Gedanken hinterfragen. Die Leiden sind unbeschreiblich, jedes kleine Fünkchen Hoffnung lässt dich als Leser durchatmen. Argumente für die Sklaverei sind aus heutiger Sicht so an den Haaren herbeigezogen, dass sich beim Lesen der Magen umdreht. (Und dabei muss man nur mal in die Zeitungen gucken, um weiter mit dem Kopf zu schütteln.) Das Buch war nicht einfach, aber so, so gut.


The Vile Village – A Series of Unfortunate Events (7) – Lemony Snicket

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Zwei lange Zugfahrten und schon habe ich ein weiteres Buch in der Reihe beendet. Ich krieche so langsam voran – aber nicht, weil ich die Reihe nicht mag, sondern weil sie so eine nette Abwechslung zwischendurch ist. Langsam sind die Geschichten aber nicht mehr komplett abgeschlossen, wir nähern uns dem großen Geheimnis. The Vile Village war ok, aber nicht mein Lieblingsbuch bisher. Ich bin aber schon gespannt, wie es weitergeht …



Nimona – Noelle Stevenson

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Ein wunderbarer Freund hat mir, ohne dass ich es erwartet habe, dieses Buch zum Geburtstag geschenkt. Perfekt für meine Sonntage mit Comics im Bett. In einer Welt mit Held und Schurke taucht plötzlich ein kleines seltsames Mädchen auf, das die bestehenden Regeln auf den Kopf stellt. Sie kann ihre Gestalt ändern und möchte als Assistentin des Schurken das System auf den Kopf stellen. <3 Im Laufe der Geschichte ist aber nichts, wie es scheint. Das Buch ist ein Abenteuer! Toll gezeichnet, lustig und kurzweilig. Und ja, ans Herz gehts auch noch. Perfekt für graue Sonntage im Bett!


Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

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Wie oben schon angekündigt, hier die zweite großartige Übersetzung aus dem Hause Hanser. Im Frühjahr auf der LitCologne redeten alle von diesem Buch. Ein Koloss, der dich verschlingen und als anderer Mensch zurücklassen wird. Ich war bei der Lesung und war begeistert. Die Stellen, die gelesen wurden, waren so stark, auch wenn ich bisher keine der Figuren kannte. Die Autorin gab intensive Einblicke in ihre Geschichte. Warum sind da keine Frauen im Buch? Weil Frauen kommunizieren und die Geschichte dann nach dreihundert Seiten vorbei wäre, hahaha. Aber ehrlich – ich wagte mich noch nicht ran. Das war zu viel: Über 1000 Seiten Leid. Diesen Monat fühlte ich mich bereit, und retrospektiv hätte ich mir aus unterschiedlichen Gründen kaum einen schlechteren Moment aussuchen können. Aber da saß ich nun, war schon drin in Judes, Willems, Malcoms und J.B.s Welt und konnte nicht mehr zurück. Es lohnt sich, sich dieses Buch anzutun, aber es ist auch sehr, sehr hart. Hier ist ein Buch, das mit jedem Kapitel härter wird. Immer wenn man denkt, das war’s, schlimmer geht es nicht mehr, öffnet Jude ein neues Kapitel und dir dreht sich der Magen um. Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, wo die Autorin so viel Sadismus hergenommen hat und gleichzeitig so viel Liebe für ihre Figuren. Es ist grausam, es ist schwer, aber wenn das alles durchgestanden ist, legt man das Buch auf Seite und ist so müde wie lange nicht mehr. Talking about Katharsis. Trotzdem würde ich das Buch nicht jedem empfehlen, das wäre schlimm.


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