Gorillaz im Palladium

Schaute man sich vorgestern Insta-Storys von Musikpresse, Bloggerei oder in der Nähe beheimateter Bands an, ging es eigentlich nur um eine Sache: die Gorillaz sind in der Stadt. In Köln stellt die Band um Damon Albarn ihr neues Album „Humanz“ in einer exklusiven Show vor, die dank Telekom und Elektronik Beats live in 360° ins Netz gestreamt wurde. Karten für das Spektakel gab es nicht zu kaufen, die konnten nur gewonnen werden. Ich hatte bei der StadtRevue Glück. Danke dafür!

Ein bisschen peinlich, aber erwartet hatte ich tatsächlich nur, dass das Album vorgestellt und da irgendwas mit den Gorillaz-Figuren passieren würde. Im besten Fall Hologramm-Projektionen, vielleicht aber auch nur alles auf Leinwand mit einer großen Party im Saal. War ich eigentlich die Einzige, die nicht wusste, dass die Band anwesend war? Jetzt im Nachhinein, ja, logisch, aber als tatsächlich Damon Albarn auf die Bühne spazierte, sah meine Begleitung neben mir kurz das verliebte 14-jährige Mädchen in meinen Augen aufblitzen. Oh ja, wie gut!

Tatsächlich hatte ich mir Humanz schon zweimal angehört und war jetzt nicht so überschwänglich begeistert. Was die Musiker aber da auf der Bühne veranstalteten, war mindestens eines der besten Konzerte des Jahres. Zunächst sprangen alle aufgeregt herum, nur Damon schlurfte über die Bühne, als hätte man meinen Onkel dahin gestellt und ihm gesagt, er solle mal Rocksstar spielen. Er tapste herum, spritzte Wasser in die ersten Reihen und hatte den größten Spaß daran, die Mikrokabel durcheinander zu bringen, damit der Mikrokabelmann mehrmals in jedem Song auf die Bühne hechten und sie entwirren musste. Allen Respekt an diesen Herrn, der heimliche Star der Show. Tatsächlich passte die ganze Sache aber zusammen: das Album ist so tanzbar, dass das ganz Palladium ständig in Bewegung blieb, und die Band hatte so viel Spaß und Energie, dass wir selbst bei den subtropischen Temperaturen von 32° ohne zu zögern mitmachten.



„Char-Charger“ brüllt Mr. Albarn, als er am Rand der Menge auf die Brüstung steht und sich dank der Sicherheitsmenschen dort hin und her schmeißt. Einer der großartigsten Momente des Abends. Der Mann weiß, wie man eine Menge bewegt und wir folgen ihm, wohin er das Konzert auch führen will. Ich konnte leider von meinem Platz aus kaum die Leinwand sehen und weiß daher nicht, wie viele von den Musikern auf dem Album von der Leinwand aus mitgesungen haben. Schlimm ist das aber nicht, denn Gastmusiker wie Zebra Katz (ein Sternchen der Gay-Rap-Welle aus New York) und Jehnny Beth (Frontfrau der Postpunk-Band Savages) waren tatsächlich auch live dabei. Oh Mann, was für eine Show. „We got the Power“ mit Jehnny war ganz wunderbar und auch sie ist wie Damon gleich glücklich ins Publikum gesprungen und hat sich von der Menge tragen lassen. Wer sie übrigens genauso gern hat wie ich – hier gibt es meine Fotos von ihrem ersten Auftritt mit Savagaes in Köln in 2013.

In der langen Zugabe, in der mich wegen unmenschlichem Durst schon langsam die Kräfte verließen, gab es für das fleißige Publikum auch noch ein paar ältere Songs: „Rhinestone Eyes“, „5/4“ (hier auch wieder mit Jehnny Beth), „On Melancholie Hill“ (als Akustik-Piano-Version, gesungen von Publikum) und am Ende natürlich „Clint Eastwood“. Das taucht dann natürlich auch in allen Insta-Storys auf.



Wie schön das alles war, was für ein unerwartetes und großartiges Erlebnis! Eine Werbeveranstaltung, die sich aber nicht so angefühlt hat. Die 14-Jährige in mir kann es auch zwei Tage später kaum fassen, wer da vor ihr stand. Die erwachsene Musikbloggerin erzählt ihren Freunden und Kollegen, dass wir hier einen ziemlich sicheren Kandidaten für meine Top10-Liste haben.


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