Gelesen im April

Kaum ist man einmal nach München und zurück gefahren, hat ein paar Konzerte besucht, und schon ist wieder der halbe Monat rum. Der April war fies, aber jetzt wird es endlich, endlich warm und ich sehe mich schon im Park sitzen und lesen! Ich habe im letzten Monat fünf Bücher geschafft, die aber eher noch im Bett, während es regnete und regnete.



Wer die Nachtigall stört: Harper Lee
In den USA kennt „Wer die Nachtigall stört“ absolut jeder. Es ist einer der beliebtesten modernen Klassiker der amerikanischen Literatur. Das Buch handelt von Kindheit, Erwachsen werden und dem Rassismus in den Südstaaten. Wenn man es mal ganz runterbrachten möchte. Ich mag das Buch sehr und habe es schon mehrere Male gelesen, gute Coming-of-age-Storys haben es bei mir eh nicht schwer. In „Wer die Nachtigall stört“ haben wir aber nicht nur eine aufregende und kurzweilige Geschichte, sondern auch Figuren, die einem ans Herz wachsen. Da ist Scout, die kleine Tochter, die keine Lust auf Kleidchen hat und lieber mit ihrem Bruder und dem besten Freund Abenteuer erleben will. Und Atticus, der Vater, zu dem man gemeinsam mit den Kindern aufblickt, und der generell der beste Papa der Welt ist. Ich kann das Buch generell jedem empfehlen, besonders aber, wenn man die amerikanische Literatur der 1960 um Truman Capote mag.
Swamplandia: Karen Russell
Sie ringen mit Alligatoren, verlieben sich in Geister, oder staken durch den Sumpf. „Swamplandia“ hat ein innovatives Setting und eine kreative Geschichte. Es handelt von der Familie Bigtree, die einen immer erfolgloseren Freizeitpark mit Krokodilen in den Sümpfen von Florida betreiben. Die Familie steckt mehr und mehr in Schwierigkeiten, es passieren viele ungewöhnliche Dinge, und man möchte immer weiter lesen, um zu erfahren, was da noch passieren kann. Das hat mich alles sehr an John Irving erinnert, kreativ und ungewöhnlich und gut erzählt. Und alles hätte ganz wunderbar sein können, wenn am Ende nicht diese eine Sache passiert wäre, die mich ungläubig auf die Seiten starren ließ. Das war furchtbar. Das passte leider überhaupt nicht in die Geschichte und hat mich wütend gemacht. Wer das Buch schon gelesen hat, wird wissen, was ich meine. Trotzdem war das Buch 2012 für den Pulitzer Preis nominiert, was ich auch wieder nachvollziehen kann. Mann, Mann, Mann. (Ich würde gerne mit jemandem darüber reden! Anyone?)

Tschick: Wolfgang Herrndorf
Letztes Jahr hat Fatih Akin Tschick verfilmt, und da ist mir aufgefallen, dass ich das Buch noch immer nicht gelesen habe. Dann habe ich von der Büchergilde Gutenberg (dazu später auch mal mehr) diese wunderschöne Ausgabe gesehen und hatte jetzt wirklich keinen Grund mehr, dass vor mir her zu schieben. Tschick ist ein Sommerbuch, ein Roadtrip durch Deutschland ohne eigentliches Ziel. Zwei Jungs klauen ein Auto und fahren damit einfach los; sie reden über Probleme und die ungewisse Zukunft. Ich mochte Tschick sehr, auch wenn dieses Gefühl nicht mehr so ganz bei mir angekommen ist. Ja ja, ich werde alt. Vielleicht lieber mit 17 lesen.

Die vollständige Maus: Art Spiegelmann
Auch dieses Buch habe ich schon einmal gelesen, aber auch dieses hier ist es wert, dass man immer wieder hineinschaut. Und jetzt nicht erschrecken: Maus ist eine Grafic Novel, also ein dickes Comicbuch, das eine ganze Geschichte erzählt (und in dem es in der Regel keine Superhelden gibt). Soweit ich weiß, hat „Maus“ das Genre populär gemacht, und aus dem „Ist ja nur für Kinder“-Sumpf heraus geholt. Das liegt zum einen an der Geschichte: Art Spiegelmann schreibt über die Erfahrungen seines Vaters, der im zweiten Weltkrieg als polnischer Jude gekämpft und Ausschwitz und Birkenau überlebt hat. Zum anderen ist da die kreative Symbolik der Bilder, die nur in diesem Format funktioniert: alle Figuren sind Tiere, die Juden Mäuse, die Nazis Katzen. Wer sich auch nur im Ansatz für diese Form des Geschichtenerzählens interessiert, muss „Maus“ dringend lesen. Neben „Blankets“ und „Persepolis“ ist es sicher das bekannteste Comic, und hat mich auch jetzt wieder ganz fertig gemacht.
Die Leiden des jungen Werther: Johann Wolfgang von Goethe
Ich gehöre zu den komischen Menschen, die fast alle Bücher mochten, die wir in der Schule gelesen haben. Als ich mich letztens mit einer Bekannten über „Faust“ unterhielt, und wie sehr ich das Stück mag, fiel uns auf, dass wir völlig verschiedene Erinnerung an „den Werther“ hatten. Mein altes Exemplar mit 1000 Anmerkung habe ich irgendwann mal verliehen und nicht wieder bekommen, aber gerade die Klassiker bekommt man ja immer gebraucht hinterher geschmissen. Lange Rede: ich fand es schrecklich. Damit hätte ich nicht gerechnet! Die Verliebtheit von Werther konnte ich schon nach kurzer Zeit nicht mehr ertragen, und als dann tatsächlich DAS LEIDEN begann… Oh je. Vielleicht bin ich gerade an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich Männer, die den ganzen Tag nichts zu tun haben und sich ihrem Weltschmerz hingeben, nicht ertragen kann. Wobei mich wundert, was ich damals daran fand? Naja, einmal lesen reicht für das Buch dann doch.

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