Bilderbuch im Palladium

Ich zähle Bilderbuch zu den besten „deutschen“ Live-Bands zurzeit. Wie gerne ich sie mir ansehe, konntet ihr schon hier, hier und hier lesen. In Köln spielen Bilderbuch heute Abend ihr „größtes Solokonzert bisher“ (sagen sie) im Palladium. Leider funktioniert das nicht überall in der Halle so gut.




Das Konzert bekommt von mir insgesamt ein nett gemeintes „meh.“ Und halt, nicht gleich in den Kommentaren um sich schlagen – lasst mich erklären. Wie gut Bilderbuch live sind, sieht man an diesem Abend, wenn man eher in der vorderen Hälfte der Halle steht. Vor einer riesigen Sneakerwand grooven die fünf, spielen mit dem Publikum und dem Beat. Kleine Gesten, die sie sich in vielen, vielen Liveshows angeeignet haben, sitzen perfekt. Um das zu würdigen, muss man Bilderbuch allerdings sehen können. Das eigentliche Konzert findet also im Kern der Halle statt. Dort fühlt es sich so an wie das, was vergangene Bilderbuch-Konzerte für mich ausgemacht haben.



Um diesen Kern herum treffe ich heute Abend allerdings eine Menge Unsympathen und Langweiler. Schöner kann ich das kaum ausdrücken. Da stehen die coolen Medienmacher, die vorher noch in der VIP-Schlange gemotzt haben, dass sie dringend in die Halle müssen, und unterhalten sich lautstark. Da schnauzt ein Typ neben mir die Barkeeperin an, sie möge mal schneller putzen und ihm ein Bier geben. Da schubst man Leute zur Seite anstatt sich nett durchzuwurschteln oder versucht immer wieder von ganz hinten mit dem Handylicht die Bühne zu fotografieren. Und hey, ihr 1.-Reihe-Mädchen: Wenn man noch nie auf einem Konzert war und nicht weiß, dass für die ersten Songs tatsächlich Fotografen im FOTOgraben stehen, ist es vielleicht besser, einfach mal die Klappe zu halten als blöd herumzupöbeln.



Ich war also insgesamt nach einer halben Stunde schon so genervt, dass ich mich ans Ende der Halle zurückgezogen habe. Hier sehe ich nichts, der Ton ist schlecht und besser wird es auch sonst nicht mehr. Dass Bilderbuch endlich den Bekanntheitsgrad erreicht haben, den sie verdienen, freut mich sehr. Gleichzeitig kann ich hier aber sehr deutlich beobachten, dass damit auch Zuschauer kommen, die scheinbar gar keine Lust auf ein Konzert haben. Im Vergleich zu der Party da vorne, ist hier hinten alles gemütlich, was gar nicht schlimm wär, schließlich können wir nicht alle stundenlang herumspringen. Wenn Leute sich aber während des Konzertes darüber unterhalten, in welcher Location die Band „sicher ganz toll wäre“, ist das kein gutes Zeichen. Die Kölner Spießgesellschaft jubelt, guckt böse, wenn jemand tanzt und haut dann natürlich gleich zur Zugabe ab – sonst kommt man ja auch so schlecht nach Hause…



Ach Bilderbuch, du hast heute Abend unwissentlich zwei unterschiedliche Konzerte gespielt. Ein verdammt gutes für die Zuschauer da vorne, die ich singen und feiern hören kann, und ein enttäuschendes für die Leute hier hinten. Schieben wir das alles auf das Palladium als Location, denn das ist schlecht geschnitten, der Sound mies (was war denn mit dem Bass los?!) und selbst die beste Band kommt dagegen nicht an. Komm bitte schnell wieder, gerne auch größer, denn eigentlich hast du das verdient.


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