Gelesen im Februar

Ein schöner Monat trotz einer ausgedehnten kranken Zeit. Ich habe viel gelesen und das erste Mal aufgegeben. Eine neue „Reihe“ entdeckt, die ich unbedingt weiterlesen muss…


Gelesen im Februar 1


Slade House: David Mitchell
„Slade House“ habe ich mir auf dem letzten Buchhandlungstag gekauft, weil ich a) schon immer mal David Mitchell lesen wollte und b) mich spontan in das Cover verliebt habe. Das Buch hat mir wahnsinnig gut gefallen und zum Inhalt will ich gar nicht so viel erzählen. Ich habe auch erst beim Lesen nach und nach herausgefunden, um was es hier eigentlich geht und wie die Mechaniken der Welt funktionieren. Nur so viel: alle paar Jahre erscheint in einer abgelegenen Straße mitten in London ein kleines Metalltor, hinter dem sich ein altes, herrschaftliches Haus befindet und jedes Mal eine kleine Welt öffnet. Ich mochte die Charaktere, die Storylines und die ganze Welt, und dann erfahre ich zufällig auf Goodreads, dass das Buch gar keinen Standalone ist, sondern in derselben Welt wie „Die Knochenuhren“ spielt. Kommt gleich auf die Leseliste!


Salz auf unserer Haut: Benoîte Groult
Und dann das: ein Klassiker der erotischen Literatur. Aha, sollte man ja auch mal gelesen haben. Leider war das für mich genauso spannend, wie wenn Tante Gisela angetrunken von ihren alten Abenteuern erzählt. Puh, unangenehm. Ich muss wirklich nicht wissen, wer wo wund ist und warum. Und dann der Bildungsunterschied der Charaktere, auf dem ständig herumgeritten wird (no pun intended). Sie die gebildete Pariserin, er der einfache bretonische Fischer… Klar ist das ein Thema, aber diese Überheblichkeit fand ich schlimm!


Gelesen im Februar 2


Der Report der Magd: Margaret Atwood
Wie schnell es gehen kann, dass eine demokratische Gesellschaft kippt und sich in ein autoritäres Regime verwandelt, kann man nicht nur aktuell in verschiedenen Teilen der Welt gut beobachten, das ist auch in „Der Report der Magd“ ganz großartig dargestellt. Die Magd Desfred berichtet hier von ihrem furchtbaren Alltag, und wie sie in diese Situation gekommen ist. Frauen haben darin, je nach Stand, keinerlei Rechte mehr, daher auch ihr Name: Als Magd ist sie der Besitz von Fred, Desfred. Wechselt sie den Herren, ändert sich ihr Name. Bei all den strengen Regeln, den Verboten und den Pflichten versucht Desfred bei Verstand zu bleiben und die Hoffnung auf ein Entkommen nicht zu verlieren. 1985 hat Margaret Atwood das Buch geschrieben. Es wird gerade übrigens als TV-Serie verfilmt, mit Elisabeth Moss und Joseph Fiennes! Das stelle ich mir großartig vor. Das Buch provoziert und ist erschreckend, streckenweise ein wenig trocken, aber das hat mich überhaupt nicht gestört.


Grief is a thing with feathers: Max Porter
Danach dann, mit krankem Kopf mitten in der Nacht, habe ich die kleine Novelle „Grief is a thing with feathers“ gelesen. Ich muss das Buch definitiv noch mal lesen, weil ich nicht glaube, dass man die ganze Kraft auf einmal greifen kann. Und weil ich, wie gesagt, recht krank war. Es ist die sehr kurze Geschichte einer Familie, die Mutter ist verstorben und sowohl Vater als auch die zwei Söhne setzen sich jetzt mit ihrer Trauer auseinander. Kurze Kapitel aus Prosa und Lyrik gemischt bringen Gefühle so genau auf den Punkt, dass man manchmal kurz nach Luft schnappen muss. Ein gutes Buch bei Schlaflosigkeit.


Gelesen im Februar 3


Das Haus: Mark Z. Danielewski
Ich gebe auf! Das ist das erste Buch in diesem Jahr, das ich nicht zu Ende lese. Dabei kann man mir nicht vorwerfen, dass ich es nicht versucht habe. 832 Seiten experimentelles Geschichten erzählen. Das Haus ist eine wissenschaftliche Arbeit über einen Film, der nicht existiert. Geschichte in Geschichte in Geschichte. Das ungewöhnliche Layout fand ich zu Beginn sehr spannend. Da wird das Wort „Haus“ überall blau abgesetzt, mal wird spiegelverkehrt geschrieben oder seitenlang nur ein kurzer Satz pro Seite gedruckt. Wo das aber zum Beispiel bei „Extrem laut und unglaublich nah“ von Jonathan Safran Foer genau zur Geschichte passt, ist es hier leider hauptsächlich Schnickschnack. Es unterstützt ein wenig die Stimmung, ja, aber mehr auch nicht. Und apropos Stimmung: Das hätte wirklich eine gruselige und spannende Geschichte sein können ohne die 1000 ellenlangen Fußnoten, die Wissenschaftlichkeit nur vorspielen! Das wirkt alles so gewollt und ist mir auf die Nerven gegangen. Meine Kollegin hat mir allerdings erzählt, dass das Hörbuch sehr gut sein soll. Vielleicht versuche ich das noch mal…


Die störrische Braut: Anne Tyler
Und zum Schluss etwas Besonderes, worüber ich auch noch mal ausführlicher schreiben werde. Im Shakespeare Project interpretieren aktuelle Schriftsteller Shakespeare neu. Ich habe als erstes Buch aus der Serie „Die störrische Braut“ von Anne Tyler gelesen, die „Die widerspenstige Zähmung“ neu erzählt. Wenn wer das nicht kennt: der Film „10 Dinge, die ich an dir hasse“ ist auch eine Adaption. Hier geht das so: Doktor Battista ist Wissenschaftler, lebt allein mit seinen zwei Töchtern und forscht an einem wichtigen Projekt. Als die Aufenthaltsgenehmigung seines Assistenten Pjotr ausläuft, versucht er ihn mit seiner älteren und nicht sehr soziale Tochter Kathrine zu verkuppeln, die ihn schnellstmöglich heiraten soll. (Kat hat daran allerdings wenig Interesse.) Das Buch ist ganz leicht geschrieben und man fliegt nur so durch die Seiten. Wenn man das Original nicht kennt, macht das nichts. Wenn doch, freut man sich über die kleinen Neuinterpretationen. Wie beim Original bin ich nicht der größte Fan von dem Ende, aber das ist auch der einzige Punkt Abzug.


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