Isolation Berlin im Gebäude 9

An einem schlechten Tag hilft ein gutes Konzert. Eine lahme Woche beendet man mit viel Tanzerei. Nervige Menschen bekämpft man mit Isolation Berlin.

Zweite Chance für Isolation Berlin. Im Sommer hatte ich sie im Rahmen der c/o pop schon einmal live im Gloria gesehen. Und obwohl ich sie auf Platte ganz wunderbar finde, hatte mich das Konzert enttäuscht. Langweiliges Publikum, genervte Band – mittelmäßiger Abend (bis auf das Ende!). Woran’s lag? Schwer zu sagen. Neugierig und skeptisch habe ich mich also ins Gebäude 9 aufgemacht.

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Mir bot sich genau das Bild, das ich erwartet hatte. Eine Horde Hipster lehnte cool an Wänden und Tischen und wartete auf Einlass. Um kurz auszuholen: ich hatte eine schreckliche Woche, was nur unter anderem daran liegt, dass ich seit acht Tagen kein Internet zu Hause habe. Meine Laune verbesserte sich also nicht gerade, also ich sah, dass ich mir auch noch die falsche Stagetime notiert hatte und ich sogar weit vor Beginn der Vorband im Gebäude 9 stand.
Apropos Vorband: Die heißen Swutscher und waren stark. Man findet sie mit mittelmäßigen Musikvideos bei YouTube. Mittlerweile ist mir auch endlich eingefallen, an wen mich die Stimme des Sängers erinnert – nämlich an Deer Tick.

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Aber wie gut funktioniert Isolation Berlin, wenn man selbst die Melancholie mit zur Show bringt? Die Songs sind traurig, man selber auch, und dann passt alles so gut zusammen, dass der Freitag stellvertretend die ganze Woche rettet! Denn im Grunde finden wir alle gemeinsam alles doof. Aber wir schreien und tanzen gemeinsam dagegen an. Die Band startet mit „Produkt“, „Annabel“ und „Verschließe dein Herz“ und wildert durch Felder voller Konsumkritik, glücklicher und trauriger Liebe und ein bisschen Nostalgie. Ob das Funk oder Punk oder beides ist, ist uns egal. Das geht in den Kopf und in die Beine, und mehr kann ich mir heute nicht wünschen.

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Auch das Publikum ist diesmal eines, von dem man gerne ein Teil ist. Vor dem Konzert lerne ich Martin kennen, der mir erzählt, dass er noch nie von Isolation Berlin gehört hat, aber seine Freunde ihm erzählt haben, dass sie nach Rio Reiser klingen. Leg noch ein bisschen Nina Hagen drauf, sage ich, und er freut sich gleich noch mehr auf den Abend. Ich habe ihn dann aus den Augen verloren, bis er später noch einmal halb angezogen an mir vorbei schwofte, um die Vorband zu umarmen. I fucking love good concerts.

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Wie schon beim letzten Konzert steigern Isolation Berlin im Laufe des Abends langsam den Krachfaktor. Am Anfang noch sachte, da können wir auch auf Texte hören („Alles Grau“, „In manchen Nächten“). Später dann lauter und wilder („Prinzessin Borderline“, „Körper“). Beim letzten Mal haben sie mich mit „Isolation Berlin“ (hier jetzt der Song und nicht die Band) überzeugt, und auch dieses Mal gehört der Moment kurz vor der ersten Zugabe zu meinen liebsten. Aber ach, die erste Zugabe! Nachdem ich schon den ganzen Abend allen Frust und schlechte Laune herumgetanzt habe, macht Isolation Berlin (hier die Band, nicht der Song) alles noch viel besser: Fahr weg – schönste Hoffnungsschimmer und ein bisschen Meer, dann Wahn – Krach, Krach, Krach und ein bisschen Pogo.

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Das war ein guter Abend. Der beste diese Woche und eines der besten Konzerte des Jahres. Alles wieder gut gemacht, Isolation Berlin. Bitte mehr davon. (Mehr gibts übrigens schon auf der neuen EP, die sie zusammen mit Der Ringer gemacht haben, die ich letztens als Vorband von Drangsal gesehen habe. Verrückt.)


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