Gelesen im November

buchtipps im November

Soooo, jetzt geht’s weiter – ignoriert die kurze Pause. Das Internet funktioniert wieder, ich habe plötzlich Zeit im Nacken und überhaupt kann ich kaum klagen. Vor mir liegt ein Riesen Bücherstapel und möchte durchgeackert werden, und auch sonst verstecken sich in allen Ecken Möglichkeiten. Ihr seht: ich habe Urlaub. Das Leben ist toll. Hier also mein Bücherstapel aus dem November.


Buchtipps 11/16
J.K. Rowling, John Tiffany, Jack Thorne: Harry Potter und das verwunschene Kind
Jajaja, ich hatte gesagt, das war’s endlich mit Harry Potter, aber ich bin in einer Zeitschleife gefangen. Ich kann nicht mehr aufhören. Harry Potter ist wie eine warme, weiche Bettdecke, in die man sich kuscheln kann, wenn es draußen kalt ist. Hier aber etwas Neues. Der „neue“ Harry Potter ist gar kein Roman, sondern das Skript eines Theaterstücks, das gerade in London aufgeführt wird. Und im Netz gibt es SEHR unterschiedliche Meinungen zum Buch. Ich kann das verstehen, ich weiß auch noch immer nicht, was ich davon halten soll. Zum einen: Ja klar, Das verwunschene Kind triggert nicht dieselben Emotionen wie die originalen Bücher. Denn zum einen ist es kein Roman, es kann also nicht richtig auserzählt werden, und auch ist die Erwartungshaltung eine ganz andere. Zum anderen: Ich mag die Story. Und gleichzeitig auch nicht. Vieles darin ist richtig, richtig Quatsch, vieles ist so schön. Ich denke, dass das Theaterstück ein wunderbares Erlebnis ist und man danach das Buch erst richtig zu schätzen weiß. Egal, Harry forever.
Silvia Plath: Die Glasglocke
Lasst uns mehr Klassiker lesen! Ein Buch aus 1963, das heute noch genauso gut funktioniert wie vor 50 Jahren (und das ich schon mehrmals gelesen habe). Die junge Ester hat darin ein erfolgreiches Leben vor sich: Uni-Stipendium, super Noten, aufregendes Praktikum in New York, jemand möchte sie heiraten. Aber irgendetwas stimmt nicht. Esther sieht viele Möglichkeiten in ihrer Zukunft, aber trotzdem kann sie sich nicht entscheiden. Sie weiß, was sie nicht will, und sie fühlt, dass da mehr sein muss. Und so driftet sie orientierungslos durch New York und verliert ihre Ziele aus den Augen. Die Glasglocke ist ein feministischer Klassiker, der hinterfragt, was von einer Frau eigentlich erwartet wird, und da ist es egal, ob es 1963 oder 2016 ist. Großartig. Esther zerbricht an ihrer Rolle und ihren Erwartungen an die Zukunft. Zudem beschreibt das Buch eine Depression so gut, wie ich es noch nirgendwo sonst gelesen habe. Die Glasglocke, die alles dumpf macht, während man dem Leben da draußen zuschauen kann. Das Buch sollte in keinem Bücherregal fehlen! (Braucht aber mal ein schöneres Cover, finde ich.)
Buchtipps 16/11
J.M. Coetzee: Eiserne Zeit
Tatsächlich war es mir ein bisschen peinlich, dass ich noch nie ein Buch von Coetzee gelesen hatte. Literaturnobelpreisträger, zweimaliger Broker-Prize-Gewinner, bekanntester Schriftsteller von Südafrika (soweit ich weiß). Und ich sitze hier und lese eines seiner unbekannteren Bücher. „Eiserne Zeit“ handelt von so vielem, dass ich das kaum beschreiben kann. Im Grunde ist es der Brief einer älteren Frau, die an Krebs stirbt, an ihre Tochter, die in den USA lebt, und zu der sie fast vollständig den Kontakt verloren hat. An dem Tag, an dem sie die Diagnose ihres Arztes erhält, lernt sie einen obdachlosen Mann kennen, mit dem sie von da an Zeit verbringt. Der Konflikt, der in Südafrika vor sich geht (Apartheid), spiegelt sich in ihrem Inneren wieder. Altern, Alleinsein, Rassismus, Armut, Krankheit, Gesellschaft… Alles auf einmal. Das Buch ist schwer und düster, und gleichzeitig gut zu lesen und großartig. Ich muss das erstmal ein bisschen verdauen, und dann werde ich mir den nächsten Coetzee schnappen.
Wash Echte: Ich werde ein Berliner
Nach so viel Depression und Literatur braucht man manchmal etwas Leichtes. Nun gut, das hier ist so ein Buch, das aus einem wirklich sehr lustigen Blog entstanden ist, den ich vor ein paar Jahren immer gelesen habe. Ein Amerikaner, der in Berlin lebt, erklärt seinen „Ausländerfreunden“, wie man ein richtig hipper Berliner wird. Das ist natürlich alles überspitzt und manchmal ein bisschen nervig, aber allzu oft erkennt man sich selbst in den Beschreibungen wieder. Ich mag vor allem das wunderschöne Layout des Buches. Damit kriegt man mich nunmal.
John Fowles: The Collector
Ein Buch, auf des ich zufällig gestoßen bin. Eigentlich wollte ich ein ganz anderes Buch im Original lesen, weil mir das deutsche Cover nicht gefallen hat. Aber erst später habe ich gemerkt, dass ich ein ganz anderes Buch gekauft hatte. Macht aber nichts, denn The Collector war auch richtig gut. Es handelt von einem jungen, gestörten Mann, der ein Mädchen entführt und gefangen hält. Die erste Hälfte lesen wir aus seiner Perspektive, die zweite aus ihrer. Trotz des Themas ist das Buch nicht reißerisch und macht aus der Angst und der Verzweiflung keine Unterhaltung. Stattdessen studieren wir die beiden Personen: Den strickten und emotionslosen Sammler, der in dem Mädchen sein schönstes Exemplar sieht, und das eingesperrte Mädchen, das versucht ihn zu lesen, damit es aus seinem Gefängnis fliehen kann. Ein sehr gutes Buch, das leider viel zu viele reale Fälle vorweg genommen hat.

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