Gelesen im Oktober

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein
Es ist 1940 in Berlin. Das ältere Ehepaar Quangel verliert seinen Sohn im Krieg und kann nicht länger so tun, als wäre alles in Ordnung in Deutschland. Um zu rebellieren, beginnen sie, Postkarten zu schreiben, auf denen sie ihren Unmut herauslassen. Diese legen sie in belebten Treppenhäusern aus. Was sich so nett und fast unschuldig anhört, offenbart im Laufe des Buches (mit Hilfe vieler anderer Figuren) den Terror, der im Nazi-Regime herrschte. Hier und da lässt Hans Fallada es schon am Anfang aufblitzen; Vorahnungen, die sich besonders in der zweiten Hälfte gewaltätig auf den Leser niederbrechen. Hans Fallada hat das Buch frei nach ein paar alten Gestapo-Akten geschrieben. Vieles von dem, was wir zu lesen bekommen, ist so passiert.
Das Buch hat mich sehr bewegt. Gerade heute, bei AFD, Trump und Erdogan, sollten wir wieder mal zu den Klassikern greifen und über die Schrecken des Nationalsozialismus lesen. Wo wir vor ein paar Jahren noch kopfschüttelnd dasaßen und uns fragten, wie zum Teufel sich so eine Gesellschaft entwickeln konnte, müssen wir heute nur in die Zeitung schauen. Kopfschüttelnd.


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Anne Enright: Rosaleens Fest
Zuerst die Fakten. Anne Enright schreibt seit 1991 und ist eine bekannte irische Autorin. Den größten Erfolg hatte sie mit ihrem Roman „Das Familientreffen“. „Rosaleens Fest“ war letztes Jahr für den Irish Book Award nominiert.
Das Buch ist gut, technisch und von der Idee her. Es ist eine Familiengeschichte: Wir blicken das erste Mal im Jahr 1980 auf eine irische Familie mit vier Kindern. Danach springen wir immer ein paar Jahre in die Zukunft und besuchen eines der Kinder, schauen ihr oder ihm im Alltag zu. Alle Familienmitglieder haben sich dabei recht weit auseinander entwickelt und nur die Mutter, Rosaleen, schafft es, sie noch einmal alle zusammen zu bringen.
Ich sollte dieses Buch sehr mögen, leider fehlte mir oft die Verbindung, der Moment, in dem es Klick machte. Die Charaktere waren mir die meiste Zeit eher egal. Ich habe das Buch viel zu oft zur Seite gelegt und dann den Anschluss verloren (die letzten 100 Seiten dann aber wieder in einem Rutsch gelesen). Für mich war es also leider eher nichts, obwohl ich die Art, wie das Buch aufgebaut ist, sehr mochte.
Chuck Klostermann: Sex, Drugs and Cocoa Puffs
Chuck Klostermann schreibt hauptsächlich Essays – für den Rolling Stone, das Esquire Magazin, Spin und das New York Times Magazin. Seine Beobachtungen beziehen sich fast ausschließlich auf Popkultur, Musik, Film, TV, Trash, er setzt diese Sachen in einen Kontext und diskutiert sie auf sehr ernste und damit lustige Art. In Sex, Drugs and Cocoa Puffs lernen wir zum Beispiel, dass Pamela Anderson die moderne Marylin Monroe ist (das Buch ist aus 2003), warum wir in The Sims authentisches Leben nachstellen wollen und wie Cornflakes entstanden sind. Nicht jedes Kapitel war gleich gut in dem Buch. Aber bei vielen habe ich laut gelacht und musste diverse Stellen Freunden vorlesen. Ich kann das Buch nur empfehlen, wenn man auf solche Quatschthemen steht.
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Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz
Wir sind bald durch. Meine Harry-Potter-Erfahrung im Schnelldurchlauf war noch immer so schön wie beim ersten Mal, irgendwann aber auch anstrengend. Dabei kommt hier mein liebstes Buch. Der Halbblutprinz! Wir nähern uns dem großen Finale, atmen kurz noch mal durch, um dann von hinten ins Herz gestochen zu werden. Dieses Ende hat mich damals so erschüttert und ich bin so traurig, dass ich das nicht noch mal erleben kann. Aber das ist vielleicht gut so. Es geht hier um Vertrauen und große Entscheidungen. Darum wie einfach es ist, den falschen Weg einzuschlagen, und dass manchmal auch der richtige Weg sich nicht richtig anfühlt. So gut.
Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes
Das letzte Buch der Harry-Potter-Reihe wollte ich eigentlich noch ein bisschen herauszögern, aber wenn man den Halbblutprinzen gelesen hat, kann man nur weiterlesen. Die ganze Welt hat sich gewandelt und wir ziehen das erste Mal nicht mit Harry nach Hogwarts. Die Machtübernahme von Voldemort ist gelungen und die Gesellschaft wandelt sich schnell. Aber bevor Harry in den letzten großen Kampf steigen kann, muss er noch Rätsel lösen und Abenteur bestehen. Wir besuchen mit Harry zusammen die Vergangenheit von Dumbledore und lernen auf diese Weise auch viel über Harry selbst und den Weg, den er bis jetzt gegangen ist. Und wie es sich für einen letzten Teil gehört, treffen wir Figuren wieder und Handlungsstränge schließen sich. Hach.

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