Gelesen im August

Warum hatte ich in diesem Monat eigentlich die ganze Zeit das Gefühl, dass ich kaum etwas gelesen habe? Abwechselnd Regen und Hitze – da war doch offensichtlich genug Zeit.

Bücher alle August 1


William Peter Blatty: Der Exorzist
In letzter Zeit fällt mir auf, dass ich immer schlechter Horrorfilme gucken kann je älter ich werde. Deswegen schaue ich heute keine mehr und deswegen kann ich sie noch schlechter gucken. Ein Teufelskreis! (Hint, hint) Vielleicht, dachte ich mir, sollte ich mich mit Genreklassikern wieder heranarbeiten, aber dann, warum nicht einfach mit einem Buch? „Der Exorzist“ erschien 1971 und ist eigentlich gar kein richiges Horrorbuch – ich konnte es jedenfalls ohne Probleme abends vorm Einschlafen lesen. Das Buch braucht zwar lange, bis es überhaupt zum Titel gebenden Exorzismus kommt, aber diese Handlungslosigkeit trägt sehr schön dazu bei, die Figuren zu entwickeln. Und da wir alle beim Lesen natürlich schon wissen, was passieren wird, sind die kleinen Hinweise, die die Figuren gar nicht bemerken, für uns schon kleine Plotpoints. Ich mochte das Buch aufgrund seiner Stimmung, gegruselt habe ich mich nicht sehr.


Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Kammer des Schreckens
Ich hatte ja angekündigt, dass es mich wieder gepackt hat und ich die Serie noch mal „durcharbeite“. (Und das alles, um mich von „The Cursed Child“ abzulenken, von dem ich nur schreckliche Sachen gehört habe.) „Der Stein der Weisen“ also, das Buch, das ich in der Serie wahrscheinlich am wenigsten mag. Weil man das Buch nach meinem Gefühl am ehesten aus der ganzen Serie herausnehmen könnte, ohne dass etwas fehlt. Obwohl hier eine Menge Grundsteine für spätere Handlungsstränge gelegt werden. Aber so fühlt es sich eben auch oft an: Band 1 war ein Aufbruch, Band 2 ist eine Pause, um eine Basis und Hintergründe zu erarbeiten.


Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban
Nicht lange aufhalten – auf zum nächsten! Von den Filmen her ist dies mein Liebster. Hauptsächlich wegen der Regie von Alfonso Cuarón! Und auch, weil sich die Handlung einen Schritt von der kindlichen Atmosphäre entfernt. Als Leser machen wir gemeinsam mit Harry große Schritte in Richtung Pubertät. Achja, da wird gestritten und sich wieder vertragen, da werden Sachen in Frage gestellt. Trotzdem ist es das nächste Buch in der Reihe, in dem eigentlich vorbereitet wird: wichtige Charaktere werden eingeführt (Sirius, Lupin), Antagonisten gestärkt und Voldemort ist weit und breit nicht zu sehen. Streckenweise ist das Buch doch etwas langatmig – ich freue mich schon auf den nächsten Teil.


Bücher alle August 2


Lemony Snicket: A Series of Unfortunate Events – The Reptile Room (2)
Wer sich meine Fotos auf Instagram ansieht (hier), hat wohl gesehen, dass ich mir die komplette „Series of unfortunately Events“ selbst zum Geburtstag geschenkt habe. Denn a) hat das sonst niemand gemacht und b) sieht diese Ausgabe großartig aus! (Von den schönen Gelben gibt es nur die ersten drei Bücher. Was soll das überhaupt?) Wer nicht weiß, wodrum es in der Serie geht, kann hier mal schauen – da habe ich über das erste Buch geschrieben. In „The Reptile Room“, dem zweiten Buch der Serie, ziehen die Baudelaire-Geschwister weiter zum nächsten entfernten Verwandten. Das Buch ist noch frustrierender als das erste! Hach, aber auch so schön. Ich plane jetzt, jeden Monat eins zu lesen, dann habe ich ein Jahr etwas davon…


Christopher Isherwood: A Single Man
Vor Jahren habe ich A Single Man schon einmal gelesen und mochte es so sehr, dass ich es gleich einer Freundin geliehen und dann nie mehr zurück bekommen habe. Beim Buchhandlungstag habe ich dann diese bezaubernde Ausgabe gefunden. (Viel besser als meine letzte!) Im Buch begleiten wir den College-Professor George einen Tag in seinem Leben. Er ist traurig und einsam, denn sein Freund ist vor kurzem gestorben, trotzdem durchzieht das Buch ein Hoffnungsschimmer und eine schöne Melancholie. George kommt langsam wieder zu sich. Ich mag das Buch so sehr, ich muss unbedingt mehr von Isherwood lesen! Ich mag außerdem die Art, wie er über seine Homosexualität (in den 60ern!) schreibt. Es ist ein Thema, aber kein Drama, am Ende geht es doch nur um eine Beziehung.


Bücher alle August 3


M.R. Carey: The Girl with all the Gifts
Man sollte dieses Buch lesen, ohne überhaupt irgendetwas darüber zu wissen. Das ist natürlich schwer, weil man vom Thema her wissen will, ob einem das Buch gefallen könnte, und auch weil bald der Film erscheint und der Trailer natürlich einiges verrät. Hier also eine kleine Beschreibung. Wer das nicht wissen will, liest bitte gleich bei, nächsten Buch weiter… The Girl with all the Gifts ist hauptsächlich aus der Sicht eines jungen Mädchens geschrieben. Sie lebt in einem Gefängnis, weiß nicht warum, und wir findet gemeinsam mit ihr heraus, was da eigentlich los ist. Wir lernen schnell: Wir befinden uns in einer postapokalyptischen Welt. Die Kinder im Gefängnis sind Zombies, allerdings greift die Infektion bei Ihnen nicht auf die gleiche Art wie bei Erwachsenen, und Wissenschaftler wollen herausfinden warum. Das soll erstmal reichen. Das Buch ist aber keinesfalls ein Horrorbuch. Es handelt von den Beziehungen von fünf Menschen und wie sie sich in lebensbedrohlichen Situationen verhalten. Das Ende ist toll, das Buch spannend. Es hat mir echt gut gefallen.


Kathryn Stockett: The Help
Das Buch habe ich seit Ewigkeiten auf meinem Noch-lesen-Regal und irgendwie hat es mich bisher nie gepackt. Der Film war ok, so gut aber auch wieder nicht. Dann habe ich mir in der Stadtbibliothek das Hörbuch ausgeliehen, und es war SO GUT! Wunderbar gelesen (in der englischen Version). Es spielt Anfang der 1960er in Mississippi, USA. Während die Civil-Rights-Bewegung im Norden langsam in Fahrt kommt, steckt der Süden noch im tiefen Rassismus. Eine weiße junge Frau steckt in ihrer eigenen Krise und beschließt, die Situation der schwarzem Hausmädchen anhand von Interviews aufzuzeichnen. Wir begleiten sie und zwei dieser schwarzen Frauen von Kapitel zu Kapitel. Lustig, traurig, wichtig zu lesen. Natürlich verstehe ich die Kritik an dem Buch und beim Lesen knabbert man schon so manches mal daran. Da muss erst das weiße Mädchen kommen, um bei der schwarzen Bevölkerung etwas zu bewegen, jaja. Und dann auch noch fast zufällig, ups. Trotzdem glaube ich, dass das Buch darüber hinausgeht. Die Erfahrungen von Eugenia und Minny sind mitreißend.


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