Isolation Berlin im Gloria (c/o pop)

Gestern wurde hier die Bühne abgerissen, heute lassen die Leute zwei Meter Abstand. Ein seltsamer Abend mit Isolation Berlin.

Schon die Vorbands scheinen aus der Zeit gefallen und passen so gar nicht zusammen. Das Publikum hält viel Abstand, bleibt wegen der Hitze gleich ganz draußen oder sitzt gelangweilt und in ihr Handy starrend auf den Treppen. Leider wird das auch bei Isolation Berlin nicht sehr viel besser.

Als Isolation Berlin auf die Bühne kommen wird es zwar voller und fast alle stecken Ihre Handys weg, aber noch immer bleiben zwei Meter vor der Bühne frei. Eine Gruppe Hippie-Mädchen tanzen und rämpeln sich dabei lustig-ironisch an, hihi. Dahinter stehen old farts mit verschrenkten Armen und bewegen sich nicht. Die Band macht die Situation nicht besser. Es gibt so gut wie keine Ansagen, und wenn doch, sind die auf englisch. Welche Ironie! Fällt denn niemandem auf, dass hier alle zu cool sind, um Spaß zu haben? Selbst bei der Band kann man das zu Beginn nicht erkennen.

Isolation Berlin Köln 01

Nach und nach lichtet sich die vertrackte Situation ein bisschen. Isolation Berlin sind auf Platte wahnsinnig gut. Da mischen sich eingängige Melodien mit tieftraurigen Texten und schlimmen Depressionen. Und genau so sieht das hier im Publikum aus: Teenager hüpfen in Sommerkleidchen auf und ab und singen fröhlich, Erwachsene stehen da und starren gedankenverloren zur Bühne. Lange brauchen alle, um warm zu werden. Erst bei „Alles grau“ bricht es auf und Publikum und Band kommen zusammen. Viel zu lange dauert das, denn Isolation Berlin zeigen erst gegen Ende das Konzert ihr ganzes Potential. Weg mit der Ironie! Mehr Kraft und Emotion in die Stimme.

Die Band taut auf, die Rhythmen nehmen endlich ein paar Leute mit. Wir verlassen die Oberfläche und tauchen ein. „Schlafen kann ich auch noch, wenn ich tot bin“ ist ganz großartig. „Prinzessin Borderline“: so gut! Aber die paar Leute, die mitmachen, können das alles auch nicht mehr richtig rumreißen. Ich habe selten so ein gezwungenes Publikum gesehen – und Isolation singen den Soundtrack dazu: „Um irgendwas zu spüren, muss ich aus meinem Körper raus.“

Isolation Berlin Köln 02

Der Auftritt selbst hat mir trotzdem sehr gefallen. Der letzte Song des Abends, „Isolation Berlin“, dauert lange und ist intensiv. Das hätte ich mir ewig anhören können. Wie schade! Hoffentlich kommen sie wieder und wir werden alle schneller warm. Die Hippies und die Smartphone-Tipper dürfen dann aber bitte zu Hause bleiben.


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