Wanda im Palladium

Wanda, Wanda, Wanda… Kaum eine Band stößt in meinem Bekanntenkreis auf so leidenschaftliche Zu- und Abneigungen. Die einen schwärmen, die anderen fluchen, und die Grenze läuft meist genau an einer Stelle: wer hat Wanda schon mal live gesehen?

Obwohl ich Wanda letztes Jahr schon live gesehen habe, und sie mich da schon von meiner Skepsis befreit haben, war es dieses Mal wieder genau dasselbe: Das neue Album fand ich eher meh; alles, was man so von den Herren auf YouTube findet, meist ganz schlimm. Wer sind die und was soll das eigentlich? Klar sind die Songs gut und bleiben hängen, aber muss man sich als Frau bei den Texten nicht oft schütteln vor Fremdscham? Wanda muss man sich schön saufen, dachte ich, oder so etwas in der Art. Da schreit alles in mir: Nein! Vorsicht! Lass das! Wie der Typ, der eine ganz schlechte Idee ist, von dem man sich aber nach ein bisschen Tequila trotzdem was erzählen lässt.

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Aber dann ist da dieser melancholische Unterton, an dem man hängen bleibt… Dieses -Ich könnt‘ ja raus und ganz viel auf die Reihe kriegen, aber wenn ich ehrlich bin, reicht mir das hier auch-. Das „Ich wär eigentlich gerne weniger Säufer als ich bin, sagt der Andi, während wir andern eigentlich gerne Säufer sind.“

Die Gemeinschaft, die Wanda da um sich versammelt hat, besonders live hier im Palladium, ist unglaublich. Da rennen zwar tatsächlich ein paar krawallige Knalltüten rum, die in den Songs irgendwas von Schnaps gehört haben und jetzt, ich weiß nicht, vielleicht schunkeln wollen. Das sind aber sehr, sehr wenige und kaum bewege ich mich etwas mehr in den Raum herein, werde ich ausschließlich von netten Menschen empfangen. Die Fans singen jeden Song in einer Lautstärke und Überzeugung mit, dass man fast Gänsehaut bekommt. Die Band macht das geschickt: Immer wieder stimmt Sänger Marco alleine einen Song an, so dass das Publikum drauf anspringt. Erst danach setzt die Band ein.

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Wie im letzten Jahr bin ich beinahe sofort wieder dabei. Die fünf Österreicher haben live so eine Präsenz, das kann man nicht klein reden. Und: die Affektiertheit, die einem sonst in Interviews entgegen wabert, fehlt hier völlig. Und dass, obwohl die Jungs einen Sprung hingelegt haben, der ganz leicht Skepsis mit sich bringt. Letztes Jahr haben sie in Köln noch im King George gespielt und waren als Vorband von Kraftklub unterwegs. Heute machen sie das Palladium schon ganz alleine voll.

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Die Stimmung, selbst ganz hinten in der Halle, ist fantastisch. Vorne liegt man sich in den Armen (zu mehr ist auch kein Platz), hinten wird getanzt. Gesungen und getrunken wird eh. Dazu regen die Songs ja auch an. „Ich will Schnaps“ singen sie da, und wenn der Mann das sagt, meint er das auch. Mitten im Song springt er von der Bühne, rollt sich über das Publikum und springt auf die Bar an der Seite des Palladiums. Dort singt er noch ein bisschen, verteilt Alkohol und surft dann wieder über die Menge zurück zur Bühne. Wunderbar.

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Selbst zum Ende hin, wenn alle wirklich müde und geschafft sind, lässt das Publikum nicht locker. „1,2,3,4 – es ist so schön bei dir“, singen die Menschen hier so laut, dass Wanda sich gar nicht von der Bühne wagen. Sie singen und singen und tanzen und tanzen bis die Band noch mal zu „Luzia“ ansetzt, mit dem Stück hatte der Abend auch schon begonnen. Und wie viel man daraus noch lesen kann: „Tu mir weh, Luzia, oder irgendwer anders tut’s statt dir.“

Und so muss ich live bei Wanda an dem Geschnodder im Text vorbeischauen und mich an die schönen Zeilen anlehnen wie man in der Kneipe wegschauen muss, bis die Unsicheren das Gepose überwunden haben. Dahinter entdeckt man oft sehr nette Menschen. Und hat einen wahnsinnig guten Abend.

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