STAR WARS: Das Erwachen der Macht (2015), J. J. Abrams

Menschen, die Filme ungewarnt spoilern, gehören erschossen. (Auch wenn nicht jedes Detail eines Films ein Spoiler ist, aber darüber reden wir später noch mal.) Deshalb: dies ist eine Spoiler-Review, von vorne bis hinten. Wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, erst ins Kino, dann hier lesen. Wenn dir das egal ist, auch gut. Dann lies, aber sag nachher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Ich bin kein Star-Wars-Nerd. Ich kenne die blöden Planetennamen nicht, habe einen Großteil der politischen Verstrickungen ausgeblendet und weiß auch nicht, welchen Rang wer bei den Rebellen hat. Ist mir egal. Und auch wenn sich jetzt jemand japsend ans Herz fast, ich muss das auch nicht wissen, um die Filme zu mögen. In der Uni habe ich das erste Mal bewusst gelernt, warum man Star Wars (ich klammere die Episoden 1-3 hier mal aus, o.k.?) auch mögen muss: sowohl Story als auf Figuren folgen grundsätzlichen Archetypen, die uns in Geschichten unser ganzes Leben lang begegnen und die hier fantastisch aufeinander abgestimmt sind. Aber das könnt ihr selbst irgendwo nachlesen. Hier geht es um den neuen Teil, Episode sieben, den ich nicht auf irgendwelche Archetypen untersuchen werde, keine Angst, bei dem ich aber genau diese Punkte sehr gelungen finde: Story und Figuren. Viel besser jedenfalls, als ich erwartet hatte.

© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

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Story
Die Handlung oder einzelnen Handlungsstränge von The Force Awakens sind fast lachhaft einfach: Ein Mann muss eine wichtige Nachricht zu seinen Vorgesetzten bringen. Ein Soldat flieht, um ein neues Leben zu beginnen. Eine Arbeiterin entdeckt ihre Fähigkeiten. Ein alter Schmuggler versucht, seine zerbrochene Familie wieder zusammen zu bringen. Ein Böses Imperium muss besiegt werden, die Welt gerettet. Gut gegen Böse.

Ich will jetzt nicht die ganze Handlung nacherzählen, aber das baut (fast) alles wunderbar aufeinander auf. Führt logisch das weiter, was war, gibt einen guten Boden für das, was kommen wird. Natürlich gibt es hier und da auch ein bisschen zu viele Anspielungen und Kopien aus dem Original. R2D2 und C3PO hätte man sich zum Beispiel sparen können, die bringen die Handlung überhaupt nicht weiter. Jaja, ein Wüstenplanet, eine neue Kantina, »Kylo, ich bin dein Vater«, aber J. J. Abrams kriegt so gut wie immer noch die Kurve. Für mich überwiegen die großartige Momente, die die alte Geschichte oder Teile daraus ohne viel Pathos wieder aufgreifen und fast am Rande mit laufen lassen.

© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

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Wie wunderbar sind die Schrott-Raumschiffe, die Rey auf ihren Planeten ausschlachtet, ohne dass sie einen Bezug dazu hat. Der letzte Krieg ging vor ihrer Zeit zu Ende, diese Trümmer erzählen davon. Oder Han Solo – als er in die Handlung tritt, sehen wir, wie viel Zeit vergangen ist. Er macht wieder das, was er am besten kann, Sachen schmuggeln. Er war auch in den ersten Episoden nicht der Held und er ist auch jetzt nicht erfolgreich in dem, was er tut.

 

Figuren
Wahrscheinlich bin ich hauptsächlich wegen den Figuren des Films so begeistert. Viele sind dreidimensionale Charaktere, die für sich und innerhalb der Handlung stimmig sind. Einfache Abenteuerfilme oder Blockbuster sind normalerweise nicht dafür bekannt, ausführliche Charakterprofile heraus zu arbeiten, aber das müssen sie auch nicht. Es reicht ja schon, wenn man nicht in jedem Film wieder und wieder die gleichen Stereotype sieht (außer sie sind verdammt gut gemacht). Aber ich schweife wieder ab.

Rey

Naja, schwer herauszufinden, wo es mit der jungen Lady noch hingeht, ist es ja nicht gerade. Aber ich bin so froh, dass wir hier keine Damsel in Distress haben, die wegen ihrer lustigen Kostüme auffällt. Wie schön Abrams darauf aufmerksam macht in der ganzen »Hör auf, meine Hand zu halten«-Szene! Die Frau kommt nicht nur alleine ganz gut zurecht, kennt sich mit Raumschiffen aus und kann denken, sie ist dazu (und das ist auch nicht oft so) auch noch liebenswert, emotional und auf der Suche nach ihrem Platz im Star-Wars-Universum. Die Rückblende im Keller ist etwas zu offensichtlich, aber egal. Ich freue mich jedenfalls, dass die ganzen »Nee, eine Frau kann doch kein Jedi sein«-Hater jetzt doppelt eins drauf bekommen. Rey ist nicht nur der neue Luke der Trilogie, sondern gleichzeitig auch der neue Han Solo. Yes!

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Han und Leia

Ich hatte ja wie viele anfangs befürchtet, dass in die eigentliche Handlung der neuen Episode kurze, peinliche Gastauftritte der ursprünglichen Charaktere eingeflochten werden. Ich habe mich, bevor ich den Film gesehen habe, von allen Videos oder Besprechung ferngehalten, deshalb wusste ich absolut nichts von der Handlung. Wie schön es aber ist, dass besonders Han und Leia Teil der Handlung sind, und dass sie darüber hinaus eine Entwicklung nach dem letzten Teil hatten, die sogar realistisch ist. Denn sind wir mal ehrlich: so wirklich zusammen gepasst haben die beiden nie. Glaubt doch keiner, dass die für immer zusammenbleiben. Dazu kommt der Verlust von ihrem Sohn, der die beiden weiter auseinander getrieben hat. Btw, wie schön, dass Leia nicht nur die Prinzessin ist. General, Baby!

Kylo Ren

In dem Moment, wenn Kylo Ren das erste Mal den Helm abnimmt, lachen immer ein paar im Publikum. In der ersten Hälfte ist er der Darth-Vader-Typ: furchteinflößend, groß, dunkel. Und dann lüftet er den Helm und da sitzt dieser zarte Typ, der auch noch viel jünger aussieht, als er ist. Und plötzlich bekommt die Figur noch so viel mehr Schichten! Wäre Hannibal Lector nicht langweilig, wenn er nicht so ruhig und gebildet wäre? Wäre Voltemort so gruselig, wenn wir nicht seine Geschichte kennen würden? Was wäre Norman Bates ohne die Liebe zu seiner Mutter? Kylo Ren ist der Teenager-Bösewicht, der sich selbst den größten Erfolgsdruck macht. Der Sohn von Han und Leia rebelliert, indem er sich auf die dunkle Seite schlägt. Und wie es Teenager so an sich haben, ist er dabei völlig impulsiv und unberechenbar. Wenn er sauer wird, schlägt er alles um sich herum kaputt, er verbeißt sich in der Idee vom Bösen und verzweifelt an seiner Zerrissenheit. Das ist ungewöhnlich und großartig. Da ist für die nächsten Filme noch so viel Platz für Entwicklung. Und verdammt, Adam Driver ist so gut!

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J. J. Abrams hat mit Star Wars – Das Erwachen der Macht keinen Film gemacht, der sein Publikum für dumm hält. Das ist es, was mich bei so vielen Blockbustern in den vergangenen Jahren gestört hat. Er lässt nicht erzählen, er zeigt. Und er zeigt einen wichtigen Aspekt auch nicht zehnmal ganz deutlich bis auch der letzte Idiot, der nebenbei auf seinem Handy tippt, es mitbekommen hat. Toll!

 

 

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