Findlay, 30.11.2015, Studio 672

Ach, Studio 672. Wann hast du mich jemals enttäuscht? Jedes Konzert, das ich in den letzten Jahren hier gesehen habe, war großartig. Vielleicht sollte ich noch öfter kommen.

Findlay habe ich als Vorband von Annen May Kantereit in Düsseldorf kennengelernt. Was für eine Stimme, was für ein Rhythmus, was für eine Energie. Ich habe mir dort auf der Stelle ihre EP gekauft: Electric Bones. Das ist relativ dreckiger RocknRoll mit ein bisschen Blues. Sie erinnert mich an irgendwas ganz Großes, ich kann aber den Finger noch nicht genau drauf legen. Irgendwas zwischen Bo Diddley und den White Stripes.

Auch heute Abend ist wieder Vorband-Zeit. Giant Rook aus Hamm machen das sehr gut. Sie sind noch ein wenig jung und haben auch noch viel zu viel Zeug auf der Bühne. „Call my Name“ gefällt mir aber sofort. Ob die es schon mal auf Deutsch versucht haben? Könnte sich lohnen. (Btw: irgendwer sollte dem Bassisten sobald er alt genug ist sagen, dass er genauso aussieht wie der junge Elvis – und was man damit so alles anstellen kann.)

Dann geht’s los. In ihren Songs wirkt Frontfrau Natalie Findlay rau und fast verführerisch, auf die Bühne stolpert ein junges Ding im Ringeloverall – immerhin hat sie gleich ein Glas Whiskey dabei. Das Kölner Publikum reagiert verhalten auf die ersten Stücke, auch wenn sie Spaß haben. So spielen Findlay und Band eben auch erstmal runter: singen sich warm, spielen sich warm, trinken sich warm. Schon bald verlangt die junge Dame nach einem zweiten Whiskey und so langsam bricht die Scheu auf beiden Seiten.

Findlay_Köln

Weiter geht es rau und wild. Die drei Jungs und Findlay spielen das Publikum auf ihre Seite. „Electric Bones“, „On & Off“, „Wild & Unwise“ kann man sich auch auf YouTube angucken, es sind aber auch neue Songs dabei, die bald auf’s Album kommen. Ich mag besonders ihre Art mit zwei Mikros zu singen, um die zwei Stimmfarben ihrer Songs umzusetzen.

Irgendwann passiert es dann. Wer das Kölner Publikum erstmal zum Tanzen bekommen hat, wird sie so schnell nicht mehr los. Findlay gesteht, dass sie eh schon betrunken ist und ihre Zugabe jetzt einfach hinten dran hängt. Die Stimmung ist am Ende so wunderbar und durchgetanzt, dass die Band dann doch noch mal raus kommt und „I want to be your dog“ von Iggy Pop spielt. Eigentlich können sie nicht mehr, aber nach minutenlangem Weitergeklatsche komtt Findlay wieder raus und singt noch was solo (Wer weiß denn noch, was das war? Bitte melden!). So ganz genug hat ihre Band dann auch noch nicht und will auch noch was spielen. „Das ist aber wirklich das letzte Stück“, sagt sie. „Mehr können wir auch gar nicht.“

Findlay_Köln

Ach, Studio 672. Wie schön das wieder war. Heiß und laut und lang. Und auch wenn die Kölner etwas schwer in Schwung gekommen sind, das Ende hat alles wieder ins Lot gebracht. Ich freu mich schon auf ein ganzes Album von Miss Findlay. Live solltet ihr sie euch auf jeden Fall mal ansehen.

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