Die besten Konzerte 2015

2015, du schönes, schönes Konzertjahr. Da war wirklich alles dabei, von Taylor Swift bis Niels Frevert, von Annen May Kantereit bis Alabama Shakes, von Editors bis Bilderbuch. Noch nie habe ich mich so schwer getan, die Top 10 herauszusuchen, weil wirklich so vieles richtig gut war. Und noch schwieriger war es, die besten 10 Konzerte dann auch noch zu sortieren. Ich entscheide mich auch jetzt noch stündlich um.

 

1) Bilderbuch, Stollwerck und Live Music Hall
Bilderbuch Kön 2015
Ganz lange konnte ich mich nicht entscheiden, wer diese Liste anführen soll. Wie soll man denn die große Patti Smith schlagen? Es stellt sich raus: mit zwei Konzerten in einem Jahr. Gut, nicht irgendwelche zwei Konzerte, eher mit zwei absolut perfekten Live-Shows. Eine im kleinen Stollwerck mit den Konzertgängern, die im Frühjahr schon wussten, wer Bilderbuch ist, und lange auf ein Konzert gewartet haben. Die andere in der größeren Live Music Hall mit einer Meute begeisterter Fans, die gemeinsam feiern und sich verführen lassen. Bilderbuch sind live so gut und so charmant, das darf man eigentlich gar nicht verpassen. Egal mit welchen Erwartungen man da hingekommen ist, am Ende ist man müdegetanzt, heisergesungen und man hat mindestens zwei neue Lieblingslieder. Publikum 2x top, Band 2x plattgespielt, Bilderbuch ist die Nummer eins.


2) Patti Smith, Tanzbrunnen
Patti Smith köln 2015
Jetzt aber, die große Patti Smith. Vier Jahrzehnte Rock- und Punkgeschichte stehen da vor mir auf der Bühne, und für viele im Tanzbrunnen kommt das eher einem religiösen Erlebnis gleich. Es kommt nämlich noch besser: Die Frau spielt nichts Neues, sondern ihr Debut-Album „Horses“. Ich stehe also allen Ernstes vor Patti Smith und höre mir „Gloria“ live an. Und dann rotzt sie auch noch ihren Tee ins Publikum. Ich bin verliebt.


3) Annen May Kantereit, Zakk (Düsseldorf)
AnnenMayKantereit_Dusseldorf2
Wer dieses Jahr nichts von den drei Kölnern gehört hat, lebt leider auf dem Mond oder hat sich ohne Fernsehen, Radio und Internet zu Hause eingesperrt. Wer bei Annen May Kantereit nicht weich wird, dem gehört leider die Freundschaft gekündigt. Auf das erste Album warten wir noch immer (März!), trotzdem füllen Annen May Kantereit schon locker zweimal hintereinander das Palladium. Oder wie in Düsseldorf eben an drei Abenden hintereinander das Zakk. Ausverkauft, und die Schwarzmarktkarten wurden höher gehandelt denn je. In meinem Konzertbericht könnt ihr lesen, wie unendlich begeistert ich auch live von den Jungs bin. Bis März könnt ihr euch übrigens durch YouTube klicken oder die EP „Wird schon irgendwie gehen“ kaufen.


4) Ezra Furman, Blue Shell
EzraFurman_Header
Ein Konzert, bei dem es so voll war, dass ich nach einer halben Stunde halb auf der Bühne sitzen musste, damit ich noch ein bisschen Platz habe. Ezra war fantastisch – Doowop-Punkrock mit Texten zum Verlieben. Da steht dieser Paradiesvogel mit Lippenstift und Perlenkette, dem man jedes Wort seiner Texte glaubt, der sich alle Depressionen und Demütigungen von der Seele singt. Und erst wenn man zuhört und genauer hinschaut, sieht man vor sich den schüchternsten Menschen der Welt. Was hätten wir getanzt und gesoffen, wenn mehr Platz gewesen wäre.


5) El Vy, Kantine
El Vy Kantine Köln
Apropos gesoffen. Wenn Matt Berninger die Bühne betritt, erwartet man ja schon, dass der Alkohol fließt. Dieses Mal werde ich fast schon von dem Geruch, der da aus seiner Tasse zu mir weht, ohnmächtig. Trotzdem – das Album von El Vy ist so gut, das man da auch live nichts kaputt machen könnte. Ganz im Gegenteil! Um mich herum standen Fans aus Italien und Frankreich und mit den verrücktesten englischen Akzenten. Leute folgen El Vy, um sie live zu erleben. Das ist intimer als bei The National, noch immer düstere Melancholie, aber leichter und tanzbarer, wenn das überhaupt geht. Verdammt, die Covern „She drives me crazy“ und bringen das genau in ihren Rhythmus. Allein dafür, dass ich das sehen durfte, gibt’s einen Platz auf der Liste.


6) Courtney Barnett, Stollwerck
courtney barnett köln 29
Anfang Dezember habe ich noch rumgetönt, dass Courtney Barnett sich gerade einen Platz in meiner Top 5 erspielt hat. Das muss ich hier zwar korrigieren, aber naja, auch Platz 6 muss man erstmal schaffen. Hört euch dieses wunderbare Album an. Live macht sie genau das: Sie steht da, spielt Gitarre und singt. Warum das etwas Besonderes ist? Weil das Publikum vor ihr durchdreht. Bei keinem anderen Konzert habe ich die Leute so ausgelassen tanzen und pogen sehen. Courtney Barnett strahlt so eine Ruhe aus und spielt gleichzeitig so großartig, dass man sich vor der Bühne vollkommen sicher und aufgehoben fühlt. Grunge hat eine neue Courtney.


7) Niels Frevert, Artheater
NielsFrevert_Köln_2015
Niels Frevert ist der ruhige Pol in dieser Liste. Hier sitzt man und versucht, so leise zu sein wie möglich – nicht husten jetzt! Mit Piano, Cello und Gitarre begleitet sitzt er im Artheater und wir lauschen seinen wunderschönen Texten. Mit Liedern von der Liebe triggert er versteckte Punkte in jedem einzelnen von uns, die Bilder zurückholen, fröhliche und traurige. Obwohl hier nichts Dramatisches und Außergewöhnliches passiert, ist das ein perfekter Abend.


8) The Minutes, MTC
Minutes_live_Köln
Schwenken wir noch mal in die andere Richtung bzw. gleich in den Keller des MTC. The Minutes kommen auf die Bühne und reißen den Laden ab. Hier fliegen die Flaschen von der Bühne und wir tanzen in den Scherben weiter. Es ist laut und dreckig und heiß. Endlich wieder Punkrock.


9) Kraftklub, Palladium
Kraftklub Köln Palladium
Auch wenn der Titel der besten Liveband Deutschlands in der Regel den Beatsteaks zugeschoben wird – Kraftklub sind da immer ganz nah auf den Fersen. Wie sehr man Bands doch anmerkt, wenn sie seit Jahren nichts anderes machen als Touren und Spaß daran haben. Kraftklub packen alle Festival-Publikums-Spiele in einen Abend und animieren ihre Fans zu Höchstleistungen. Und ganz viel Konfetti bringen sie auch noch mit. Das macht so viel Spaß!


10) Royal Blood, Live Music Hall
Royal Blood Köln 2015
Ein Schlagzeug, ein Bass, und ein Publikum, das richtig Bock hat. Mehr nicht. Royal Blood sind laut und gut. Da dröhnt ein wahnsinniger Sound aus Richtung Bühne, der mich umhaut. Alles ist schwarz hier: Klamotten, Instrumente, selbst die Luft ist düsterer als sonst. Nach jedem Song schalten sie zusätzlich alles aus und lassen uns in der Dunkelheit stehen. Mein erstes Konzert in 2015 war reiner RocknRoll. Royal Blood trinken Whiskey aus der Flasche, springen ins Publikum und schmeißen mit Stühlen. Das Publikum feiert die beiden laut und ausgelassen. So einen Start ins Konzertjahr hätte ich gerne immer.


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