Buchtipp: Super Sad True Love Story

In einer nicht so weit entfernten Zukunft ist die USA keine Supermacht mehr und steht kurz vor dem Bankrott. Asien regiert die Welt, oder sonst wer. Alles dreht sich nur noch um Selbstdarstellung und ewige Jugend. Die einzigen beiden Karrierezweige, in denen noch Geld gemacht wird, sind Konsum und Kredit. Privatsphäre gibt es kaum noch, die Wirkung nach außen ist das wichtigste. Sei es durch Live-Feeds oder ein konstantes öffentliches Rating von Kreditwürdigkeit, Persönlichkeit oder Fickfaktor. Wir sind in einer Dystopie, in New York, oder dem, was davon übrig ist.

Die Welt in „Super Sad True Love Story“ von Gary Shteyngart ist völlig überzogen, ganz schrecklich und gleichzeitig wahnsinnig lustig. Von dieser neuen Welt erfahren wir vom Protagonisten Lenny Abramov, einem traurigen Fast-Vierziger, dem es gar nicht so schlecht geht, der aber nicht weiß, was er will. Er schreibt Tagebuch und erzählt von seiner Arbeit, seinen Eltern, seinem Leben. Und dann eben auch, wie er Eunis Park kennenlernt, und sich Hals über Kopf in sie verliebt.
Eunice ist die andere Stimme im Buch, die wir auf ganz andere Art kennenlernen. Sie ist viel jünger als Lenny, ist in dieser neuen Welt aufgewachsen und kommuniziert mit uns ausschließlich über Chats und soziale Networks. Wirklich interessiert ist sie nicht in den kauzigen Lenny, der irgendwie aus der Welt gefallen scheint. Aber da sie sich wie Lenny in einer schwierigen Phase in ihrem Leben befindet, zieht es die beiden doch zusammen.

Buch Super Sad True Love Story

Dass die Liebesgeschichte der beiden das Buch nicht überlebt, verrät ja schon der Titel. Aber das ist auch nicht das, was das Buch ausmacht. Zum einen ist es diese völlig überzogene Welt, die alle Ängste und Seltsamkeiten der Gegenwart aufnimmt und sie bis in die Karikatur weiter spinnt, weshalb ich das Buch so mochte. Zum anderen ist es ein Gedankenspiel, ein „Wer bin ich eigentlich?“ und „Wer möchte ich sein?“, das in die richtige Geschichte verpackt ist.

Dazu ist „Super Sad True Love Story“ eine Homage an nachdenken und lesen und leise sein und reflektieren. In Lennys Welt haben Bücher ihren Stellenwert verloren. Nostalgiker wie er besitzen zwar noch alte Ausgaben aus Papier, werden aber schräg dafür angesehen. Teens und Twens haben sich von langen Geschichten verabschiedet. Sie geben sich mit Zusammenfassung zufrieden – das spart Zeit und man muss sich nicht so lange konzentrieren. „Super Sad True Love Story“ funktioniert komplett als Aufzeichnung der Liebesgeschichte zwischen Lenny und Eunice über Tagebucheinträge, Chats, E-Mails und Posts, und trotzdem ist es eine Verbeugung vor dem geschriebenen Wort. Beide Charaktere werden sich nach und nach über ihr Leben bewusst und entwickeln sich, indem sie schreiben.

„Super Sad True Love Story“ ist neurotisch und lustig und nachdenklich. Es ist ein Buch wie ein guter alter Woody-Allen-Film.

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