The Daily Show – oder wie alles mal zu Ende gehen muss

Fernsehen habe ich vor einigen Jahren aufgegeben. Nicht aus Prinzip – ich finde dort meist einfach nichts mehr, was mich wirklich interessiert bzw. läuft das dann stur um eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Tag. Und da ich habe dann mit ziemlicher Sicherheit schon etwas anderes vor.
Was nicht heißt, dass ich überhaupt nicht mehr fernsehe, ich mache das jetzt eben wie alle auf eine andere Art – hallo Internet. Ich schaue Serien, wann und in welcher Sprache ich will. Am gleichen Tag, alles hintereinander, Monate später. Ich habe kein „Programm“ mehr.

Bis auf eines. Fast jeden Tag komme ich abends aus dem Büro, setze irgendwas Essbares auf den Herd oder mache es mir warm und gucke erstmal: The Daily Show with Jon Stewart.
The Daily Show ist in Deutschland nicht so bekannt, läuft hier ja auch nicht. Und immer, wenn ich Menschen treffe, die Jon Stewart kennen und auch großartig finden, habe ich sie lieb.
The Daily Show läuft in den USA an vier Tagen die Woche abends um 23 Uhr (oder so). Seit 17 Jahren machen sie „Fake News“, ein Comedy-Programm, das aktuelle Ereignisse mal mehr und mal weniger lustig aufbereitet, erklärt und auf die Spitze treibt.

Ich gucke The Daily Show seit ungefähr 8 Jahren regelmäßig. Wenn ich keine Zeit habe, hole ich die Folge nach. Wenn ich länger keine Zeit habe, nehme ich mir einen Tag am Wochenende frei und hole alles nach. Als ich darüber nachgedacht habe, habe ich mich selbst ein wenig erschrocken.
Ich habe durch die Show viel über US-amerikanische Politik gelernt, meinen Kopf aufgeräumt, freue mich, wenn ich einen der ehemaligen „Korrespondenten“ in einem Film entdecke, und habe schnellstens gelernt wie VPN funktioniert, als man die Show nur noch in den USA frei sehen konnte.

Seit 8 Jahren verbringe ich also ein wenig Zeit in der Woche mit diesem lustigen, klugen, alten Mann mit den grauen Haaren. Und nun hat Jon Stewart bekannt gegeben, dass er die Moderation der Daily Show im Laufe des Jahres aufgeben wird. Ich bin mir gerade nicht mal sicher, ob das Format überhaupt so weiter geführt wird. Puh.
Dass es auch ohne ihn geht, zumindest für kurze Zeit, hat er letztes Jahr im Sommer ausgetestet, als er für ein paar Wochen Pause machte, um Regie bei seinem Film „Rosewater“ zu führen und Jon Oliver die Show so lange übernommen hat. Das war ok, aber nicht das gleiche.

Ich werde mich also nun darauf einstellen müssen, dass mein Ritual, meine einzige gemütliche Fernsehgewohnheit, wohl bald ein Ende hat. Ich hatte gar nicht gedacht, dass ich eigentlich doch so ein Gewohnheitstier bin.
Mal sehen, ob da jemand in große Fußstapfen treten wird.

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