Lykke Li, 09.11.2014, E-Werk

Lykke Li Ewerk Köln
Es ist düster im E-Werk, und so soll es auch den ganzen Abend bleiben. Die Bühne liegt so ziemlich das ganze Konzert über im Nebel. Das neue Album „I never learn“ ist kein einfaches und dessen dunkle und ruhige Atmosphäre versucht sie wohl auch auf ihre Live-Show zu übertragen. Dass das in so einer Location nicht so ganz funktionieren wird, hätte ich ihr wahrscheinlich vorher sagen können.

Lykke kommt ganz in schwarz auf die Bühne: Hose, Bluse, Jackett, alles schwarz. Sie trägt dunkles Make-up und wirkt gleich noch blasser. Dazu singt sie „Sadness is my Boyfriend“ in diesem harten Licht und in diesem Moment passt das alles.
Überhaupt, dieses harte Licht: Es ist ein Konzert in schwarz-weiß. Ein Konzert Noir.
Auch in den anderen ruhigen Passagen wie „Silent my Soul“ singt sie emotional und intensiv. Da kommen einige Besucher nicht mit klar und fangen an, unkontrolliert zu brabbeln.
In der Mitte der Show, so ca. bei „A little“, zieht Lykke sich immer weiter nach hinten auf die Bühne zurück und will die Aufmerksamkeit wohl mehr auf die gesamte Komposition der Bühne richten. Auch sonst bleibt sie das ganze Konzert über zurückhaltend und distanziert: kein Wort zum 9. November, nichts Stadt-spezifisches, keine Aufforderung zum Klatschen.
Beim einem Cover von Drake gehen dann endlich die Telefone nach oben. Das Publikum wacht auf und nimmt wieder teil am Konzert. (Was ich noch einwerfen muss: Fotos auf Konzerten macht man nicht mit Blitz! Das wird auch beim zehnten Bild nix. Und um Gottes willen: filmt nicht hochkant!)
Einen Kostümwechsel muss ich beim Getränke holen verpasst haben. Plötzlich trägt sie eine lange schwarze Kutte. Oder ist das Ihre Bluse von vorhin? Lykke steht zwar weiter im Nebel, wird aber ein wenig aktiver und kommt auf der Bühne etwas weiter nach vorne.
Bei „Rich Kids Blues“ schnappt sie sich dann die Synthies und es kommt endlich auch mal ein wenig Farbe auf – die Bühne ist in blutrotes Licht getaucht, wir bleiben also beim Vampir-Thema.
Fazit: Es ist komisch, ein Konzert im relativ großen E-Werk zu sehen, bei dem so wenig Energie vom Publikum zurückkommt. Nur bei „I follow rivers“ wird etwas geklatscht und getanzt. Richtig Stimmung gibt es erst beim letzten Song vor der Pause („Lonely lovers Charm“).
Da passt es auch, dass viele mal wieder vor der Zugabe runter rennen, um ihre Jacke zu holen und die Rausschmeiß-Musik schon beginnt, bevor die Band nach dem letzten Song die Bühne verlässt – „Don’t let me down“ (wie symbolisch).

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.